Ein Mann mit Bürgersinn

Abschied vom Amt: Mit einer Feier in der Stadthalle würdigte die Stadt das langjährige Engagement des Ersten Stadtrats Dieter Rosentreter, der sich mit seinem Ruhestand noch nicht so recht anfreunden kann.
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Oberursel. 

So manche Bezeichnung war nicht gerade schmeichelhaft: Brummbär und Raubauz beispielsweise. Dagegen wirkte "kantiger Niederbayer" schon fast charmant. Zugleich war fast alles, was am Donnerstagabend über Dieter Rosentreter (FDP) gesagt wurde, auch irgendwie zutreffend.

Rosentreter sei zwar nicht der "glanzvolle Redner", aber ein Mann, dem alle zuhörten, wie sein Parteikollege Dr. Stefan Ruppert meinte. Als warmherzig, verlässlich, ehrlich, beharrlich, mitunter eigensinnig beschrieben andere Weggefährten den früheren Ersten Stadtrat, für den Ende März der Ruhestand begonnen hat.

Ein Ruhestand, mit dem sich der 65-Jährige noch anfreunden muss. Das wurde am Donnerstag bei der offiziellen Verabschiedung in der Stadthalle erneut deutlich. Rosentreter, der bei der Feier mit der Ehrenplakette der Stadt ausgezeichnet wurde, räumte selbst ein, dass er noch etwas Abstand finden müsse – von seiner Arbeit, die ihn stets frühmorgens ins Rathaus getrieben hatte, das er selten vor Eintreten der Dunkelheit verließ.

Bei den Uhrzeiten, zu denen er seine ersten dienstlichen E-Mails verschickte – 5 Uhr – fragte sich vermutlich nicht nur Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) mitunter: "Ist er jetzt noch im Rathaus oder schon wieder?"

Der Bürgermeister weiß, ohne eine Frau, die das mitmache und toleriere, gehe dies nicht. Und er würdigte Elvira Rosentreter – die ja selbst lange im Rathaus gearbeitet hat – zugleich als "ganz wichtige Ratgeberin" für ihren Mann.

Guter Zuhörer

Ein Mann, der über 35 Jahre in der freien Wirtschaft gearbeitet hatte, bevor er hauptamtlicher Stadtrat wurde. Diese Erfahrung und Rosentreters Engagement in vielen Vereinen wertete Kreistagsvorsitzender Manfred Gönsch (SPD) als unschätzbare Vorteile, um zu wissen, "was den Leuten auf den Nägeln brennt". Dabei half vermutlich auch die Eigenschaft, gut zuhören zu können, die Brum Rosentreter bescheinigte, und seine Geselligkeit. Die treffendsten Worte für Letzteres fand Jan Wijnker aus Oberursels Partnergemeinde Ursem/Koggenland, der Rosentreter als "Mann seines Herzens" beschrieb: Wenn es sein müsse seriös, aber eben auch gesellig, "mit dem Bier schon vor dem Mittag, das gefällt mir". Hubert Kraus vom Stierstädter Hollandausschuss übermittelte die Grüße aus den Niederlanden – zunächst auf Holländisch, dann auf Deutsch vorgetragen.

Herzensangelegenheit

Herzlich waren auch die Worte, die Bernadette Gautier, Stadträtin in Epinay, und Rushmoors Verwaltungsdirektor Andrew Lloyd für Rosentreter fanden, den sie beide als guten Freund bezeichneten. Als guter Freund vergaß Rosentreter auch nicht, Lloyds Ehefrau Hillary zu gratulieren, die an diesem Tag Geburtstag hatte. Flugs organisierte der 65-Jährige ein Ständchen der Frohsinn-Brassband für sie.

Die Kontakte zu Oberursels Partnerstädten waren für Rosentreter eine Herzensangelegenheit, weiß Brum. Nicht die einzige, wie der Rathauschef hervorhob: Im Bereich Kinder und Jugend habe Rosentreter Enormes geleistet.

Der Rathauschef, nicht immer glücklich in seiner Wortwahl, blickte in seiner Rede aber auch weiter zurück. In die Zeit, in der Rosentreter Stadtverordnetenvorsteher (1993–2003) war. Zuvor hätten tiefe Gräben das Parlament durchzogen, meinte Brum. Debatten seien schnell ins Unsachliche abgeglitten. Rosentreters besonnener Art, seinem Zugehen auf andere sei es hauptsächlich zu verdanken, dass sich das Klima deutlich verbessert habe.

Für den frisch gewählten Bürgermeister Brum sei dann der Erste Stadtrat Rosentreter ein Türöffner zur damaligen Koalition aus CDU und FDP gewesen, so der Rathauschef weiter. Nur ein Mal habe er eine Entscheidung seines Magistratskollegen korrigieren müssen – nach der Sperrung der Gotischen Straße in Richtung Dornholzhausen im Jahr 2005. Einer Nacht-und-Nebel-Aktion, wie Brum lächelnd meinte. Verkehrsdezernent Rosentreter wollte damals dem Schleichverkehr durch Oberstedten einen Riegel vorschieben. Peter Vollrath-Kühne (FDP), früher Ordnungsdezernent in Bad Homburg, sprach gar launig von "Straßenkrieg", der inzwischen in die Rubrik "amüsante Anekdote" einzuordnen sei.

Ernster wurde es, als Rosentreter an seinen Mentor, den früheren hessischen Innenminister Ekki Gries (FDP), erinnerte, der 2001 verstarb. Und wie wichtig ihm das Thema Kinderbetreuung ist, machte der 65-Jährige deutlich, indem er darauf pochte, die Qualität müsse bei den Angeboten im Vordergrund stehen. "Ich hoffe, dass mein Nachfolger diesen Weg weitergehen kann."

Den Ruhestand als "Weg in die Freiheit" zu betrachten, wie es SPD-Fraktionschef Dr. Eggert Winter formulierte – Rosentreter wird dafür vermutlich einige Zeit brauchen. Vom Sozialdemokraten erhielt der Liberale übrigens das charmanteste Kompliment des Abends. Winter wies die rund 300 Gäste im Saal auf die tiefen Grübchen hin, die sich bildeten, wenn Rosentreter lächele. Und diese waren an diesem Abend – trotz des Abschieds vom Amt – einige Male zu sehen.

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