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Eine Pflanze mit vielen Heilkräften

Von Sie sind unsere Weggefährten – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn wer in diesen Wochen einmal einen Spaziergang durch Feld und Flur macht, der kommt an Blumen und Kräutern vorbei, ohne zu wissen, was da eigentlich wächst. Kräutermarie Ursula Maria Buddeus begleitet uns durch den Sommer und stellt uns die vielen Heilkräuter und Heilpflanzen einmal genauer vor. Heute geht‘s um das Potentilla anserina, das Gänsefingerkraut.
An Wegrändern findet Kräutermarie Ursula Buddeus ein Universalheilmittel, das Gänsefingerkraut.	Foto: loh An Wegrändern findet Kräutermarie Ursula Buddeus ein Universalheilmittel, das Gänsefingerkraut. Foto: loh
Usinger Land. 

Wenn sich Elfen und Pflanzengeister im Mondschein ein Stelldichein geben und auf einem silberglänzenden Teppich tanzen, dann haben sie das Gänsefingerkraut auserkoren. So erzählte man einst, in sagenumwobenen Zeiten. Und tatsächlich, die sieben- bis zwanziglappigen Blätter, die als Rosetten auf dem Boden sitzen, haben eine silbrig behaarte Unterseite. Dadurch entsteht bei jedem Lufthauch ein märchenhafter Silberglanz auf dem ganzen Pflanzenteppich.

So entstand auch der Name Silberkraut für diese an Weiden- und Wegrändern weit verbreitete Pflanze. Der Volksmund hat ihr darüber hinaus unzählige andere Namen verpasst: Gänserich, Dreckkraut, Ganspratzen, Säukraut oder Sauringel. Mancherorts heißt es Anserina oder Wiederrick.

"Das Gänsefingerkraut braucht nahrhaften, verdichteten Boden", erklärt Kräutermarie Ursula Buddeus. So einer ist beispielsweise auf Gänseweiden zu finden. Daher vermutlich diese Bezeichnung. Es könnte auch Namen wie Dreck- und Säukraut erklären.

Eine der aussagekräftigsten Benennungen aber ist wohl der Name Krampfkraut. Den verdankt es seiner bedeutendsten Fähigkeit als Heilpflanze. Denn das Gänsefingerkraut gilt als wahrer Meister, wenn es ums Lösen von Krämpfen geht. Besonders die unwillkürlich gesteuerte Muskulatur der Verdauungsorgane und der Gebärmutter reagieren auf dieses Kraut.

"Man kann es auch bei anderen Arten von Krämpfen einsetzen", weiß die Kräutermarie. Es hilft also beispielsweise auch bei Wadenkrämpfen oder gegen krampfartigen Husten. Und weil das Gänsefingerkraut zudem als schmerzstillend und entzündungshemmend gilt, wendet man es auch bei Halsentzündungen an.

In den Schriften antiker Mediziner taucht dieses Kraut nicht auf. Es wächst nämlich nicht in mediterranen Gebieten, sondern im mittel- und nordeuropäischen Raum. Man geht aber davon aus, dass die Germanen die Heilkraft der Pflanze schon kannten und sie als Milchaufguss verzehrten.

Im Jahr 1485 hielt das Heilkraut Einzug ins erste in deutscher Sprache gedruckte Kräuterbuch des Verlegers Peter Schöffer. Nach einem alten Volksglauben soll die Wurzel gar magische Kräfte entfalten, gräbt man sie am Johannistag noch vor Sonnenaufgang aus: Ein daraus gefertigtes Amulett beschert die Liebe der Menschen.

Esoterische Wirkung

Wer indes nicht an die esoterische Wirkung der Gänserichwurzel glauben mag, dem sei die pragmatischere Anwendungsmethode aus der Volksheilkunde zu empfehlen: Das Kauen der Wurzel soll gegen Zahnfleischentzündungen wirken. Und selbst als gesundes und durchaus schmackhaftes Wildgemüse hat die Wurzel bereits Einzug in die Naturküche gehalten. Auch die Blätter mit ihrem hohen Vitamin-C-Gehalt eignen sich als Gemüse.

Die Heilkräfte dieser Pflanze mit den kleinen dottergelben Blüten sind mannigfaltig. Der Arzt Hieronymus Bock etwa empfahl schon im Mittelalter "Genserich" gegen Blutungen, Entzündungen und bei Ruhr. Und Pfarrer Sebastian Kneipp hielt große Stücke auf Gänsefingerkraut-Milch.

Nicht nur Naturheiler der Vergangenheit schworen auf diese vielseitige Heilpflanze. Das Gänsefingerkraut hat längst einen festen Platz in den Therapien moderner Medizin gefunden und wird wegen seiner Gerbstoffe und Flavonoide als Arzneimittel eingesetzt.

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