E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 30°C

Eine Prinzessin gerät in Rage

Das hat es selten oder noch gar nicht gegeben in der Orscheler Fassenacht: eine Hoheit, die schimpft und die Fastnacht in der Stadt gefährdet sieht. Sabine I. traute sich und gab dem Bürgermeister zu denken.
Don Camilla alias Cornelia Synek und Peppone alias Hans-Georg Brum beschäftigten sich in ihrem Streitgespräch mit der Lokalpolitik.	Foto: jr Don Camilla alias Cornelia Synek und Peppone alias Hans-Georg Brum beschäftigten sich in ihrem Streitgespräch mit der Lokalpolitik. Foto: jr
Oberursel. 

Irgendwie war alles anders bei der närrischen Magistratssitzung gestern Vormittag – teils gewollt, teils überraschend. Gewollt war die Wahl des Hieronymi-Saales im Rathaus, gewollt war auch, dass auf Gardetanz verzichtet und den Gästen aus Politik und Karnevalsvereinen überhaupt nur ein kurzes Programm geboten wurde.

Überraschend war dagegen der Auftritt von Prinzessin Sabine I., weil sie nicht die üblichen Lobeshymnen ihrer Vorgänger anstimmte und von einer tollen Kampagne berichtete, sondern ganz offenbar ihren Frust über die "Sparbrötchen" im Rathaus loswerden wollte. Und das in Reimform: "Schon lange bin ich aktiv im Bommersheimer Carneval Verein und frag mich nun, wie kann das sein, dass Orschel nun kein Geld mehr hat für die Brauchtumspflege in der Stadt." Der Empfang im Rathaus am 11.11. sei ausgefallen, der Rathaussturm stehe auf der Kippe, es habe keine kostenlose Suppe und nur noch ein Fässchen Freibier gegeben, monierte Ihre Hoheit Prinzessin Sabine I. Dass die Stadt den Zuschuss für den Taunus-Karnevalszug halbiert habe, könne dazu führen, "dass der Umzug bald in Bad Homburg läuft, wo man sich ins Fäustchen lacht, Austern schlürft und Champagner säuft".

Auch dass die Magistratssitzung fast ohne Programm in Sparversion aufgezogen worden sei und im kommenden Jahr vielleicht ganz wegfallen werde, sah die Prinzessin als Zeichen dafür, dass die Orscheler Fassenacht gefährdet sei. "Denkt doch bitte darüber genauestens nach und erspart uns Fassenachtern diese Schmach", bat Sabine I. mit ernster Miene.

Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) war nicht nur total überrascht von der hoheitlichen Kritik, sondern auch erst einmal sprachlos, um dann aber die wahren Schuldigen an der Prinzessinnen-Tirade zu nennen, "die Bommersheimer Landwirte, denn die sind bekanntlich auf Krawall gebürstet".

Brum verteidigte die neue Form der närrischen Magistratssitzung, die in kleinerem Rahmen viel gemütlicher sei, auf die künftige Finanzierung des Orscheler Brauchtums ging der Rathauschef aber nicht näher ein.

Wohl aber fragte er als Peppone gemeinsam mit Don Camilla: "Wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld . . . ?" Zuvor hatte Büttenredner Thomas Poppitz als Dr. Stempel gekonnt die Weltpolitik des vergangenen Jahres Revue passieren lassen. Jörg Steden ließ sein närrisches Publikum wissen, dass er gerne Bürgermeister wäre und was er dann ändern würde, zum Beispiel würde er den Park an der Adenauerallee in einen Ökopark für Alt-68er verwandeln.new

(Michael Neumann)
Zur Startseite Mehr aus Hochtaunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen