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Energiedebatte nimmt Fahrt auf

Von Mit einer Diskussion um Elektromobilität eröffnete die SPD Kronberg ihre Veranstaltungsreihe zur Energiewende. Die lebhafte Debatte zeigte: An Energie und an Ideen mangelt es in Kronberg nicht.
Schnell, luxuriös und dennoch ökologisch: Der Tesla Roadster, der auf dem Berliner Platz parkte. Foto: öp/jr Schnell, luxuriös und dennoch ökologisch: Der Tesla Roadster, der auf dem Berliner Platz parkte. Foto: öp/jr
Kronberg. 

Fast geräuschlos surren die Stadtbusse durch die Straßen und Gassen Kronbergs. Sie stinken nicht, wenn sie die Pendler zur S-Bahn-Station bringen oder die Senioren vom Einkaufsbummel zurück ins Wohnheim. Angetrieben werden die Busse von Solarstrom, der auf dem Parkplatz am Waldschwimmbad gewonnen wird, denn dort sind Carports mit Sonnenkollektoren errichtet. Auch die Schwimmbadbesucher profitieren von der Einrichtung der Stellplätze, denn wer mit dem Auto kommt, parkt im Schatten, und wer mit dem Elektrofahrrad zum Schwimmen fährt, kann den Akku an der Stromtankstelle aufladen. Natürlich sind dann die Kronberger glücklich, denn sie haben ein reines Umweltgewissen und der Name des Luftkurortes wird überall gepriesen: "Kronberg – ein Platz an der Sonne – wo sonst."

Parkplatz als Sonnendeck

So oder so ähnlich könnte die Zukunft der Burgstadt aussehen, wenn es nach den Vorstellungen von Sven Gerber von der Firma Juwi geht. Er hatte ein Planspiel entworfen, bei dem die Stadtbusse nicht mehr mit Dieselmotoren, sondern über Elektromotoren betrieben werden. Für Gerber steht fest, ökologisch sinnvoll ist dies nur, wenn erneuerbare Energien zum Einsatz kommen. Deshalb auch die Solarcarports am Waldschwimmbad, wenngleich auch Greber weiß, dass nicht der Strom vom Parkplatz am Schwimmbad der ist, mit dem die Busse angetrieben werden, denn die werden schließlich nachts "aufgetankt".

Auch wenn das Solar-Szenario für die Stadtbusse in Kronberg eine Vision bleiben wird, schon allein deshalb, weil die Stadt nicht zum Busbetreiber werden will, wie Erster Stadtrat Jürgen Odszuck (parteilos) deutlich machte, lieferte der Vortrag etliche Ansätze für eine muntere Diskussion.

Dabei mischte sich Sachlichkeit mit der notwendigen Frische, für die zum Beispiel der Stadtrat schon dadurch sorgte, indem er sich angriffslustig zeigte und sich nicht scheute, die gastgebende SPD zu kritisieren. So hatte ihm doch gerade erst die schwarz-rote Koalition einen Strich durch die Rechnung gemacht und eine Investition von 100 000 Euro aus dem Haushalt gestrichen, mit der eine Abdeckfolie für das Waldschwimmbad angeschafft werden sollte. Zwanzig Jahre hält die Plane, amortisiert hätte sie sich bereits nach sechs Jahren, hatte Odszuck kalkuliert, sich aber im Zeitpunkt für seinen Vorschlag verspekuliert. In Zeiten, in denen unpopuläre Entscheidungen wie die Schließung eines Jugendzentrum auf der Agenda stehen, scheute die Koalition eine solche Ausgabe – egal, ob sinnvoll oder nicht.

Odszuck sieht, das machte er in seinem Eingangsreferat deutlich, die Kommunen durchaus in der Lage (und in der Pflicht), ihren Beitrag für die Energiewende zu leisten. Trotz der geplanten Verringerung der Einspeisevergütung für Solarstrom werde sich die geplante vierte Bürgersolaranlage rechnen. Sie soll im Sommer auf dem Dach der Stadtwerke installiert werden. Eine Rendite von 3,5 Prozent bei hundertprozentiger Sicherheit sei ein gutes Argument für die Bürger, dort zu investieren, findet der Stadtrat.

Biomasse ernten

Gut möglich, dass Grünschnitt in Kronberg künftig ganz anders gesehen wird. Geht es nach Odszuck, könnten bald Gras und Laub im Victoriapark "geerntet" werden, um die Biomasse zur Energiegewinnung zu nutzen. Bislang müssten Grünabfälle in die Rhein-Main Deponie nach Weilbach gefahren werden. Kronberg müsse für die "Abfälle" zahlen und für den Transport.

SPD-Stadtverordneter Thomas Maurer moderierte die Diskussion und appellierte beim Thema Innovationen an die Fantasie der Zuhörer, als er darauf hinwies, dass sich vor fünf Jahren noch niemand etwas unter einem Tablet-Computer habe vorstellen können. Auch in Sachen Energietechnologie seien Entwicklungssprünge möglich. Odszuck und Gerber hatten zuvor geäußert, dass bereits vieles an Technologie vorhanden sei, es jedoch am Willen zur Anwendung hapere.

Eine Einschätzung, die auch vom Publikum geteilt wurde. So wurde darauf verwiesen, dass in Paris nicht nur Busse, sondern auch Müllfahrzeuge mit Elektromotoren ausgestattet seien (wenngleich sie in Frankreich mit Atomstrom gespeist würden).

Andrea Pfäfflin, ehrenamtliche Kreisbeigeordnete (SPD) und Vorsitzende des ASU in Wehrheim, wies daraufhin, dass sich in Sachen solarbetriebene Busse etwas bei der Ausschreibung des Nahverkehrsplan machen ließe. Sie wünsche sich, dass an jedem Bahnhof im Hochtaunuskreis eine Ladestation für Pedalecs vorhanden sei, an denen Pendler ihre Elektroräder sicher einschließen und während der Standzeit aufladen lassen könnten.

Die SPD will die Diskussionsreihe fortsetzen. Die nächsten Veranstaltungen sollen sich mit den Themen Speichern und Entsorgen befassen.

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