Er hatte noch so viel vor

Ein Bad Homburger, der sich auf unkonventionelle Weise für Behinderte und Senioren engagiert und noch so manche ausgefallene Idee hat – davon sollte ein Artikel in der TZ erzählen. Ein Motorradunfall hat der Würdigung des Mannes eine tragische Wendung gegeben.
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Bad Homburg. 

Der Artikel stand schon fast fertig geschrieben im Computer und wartete am Donnerstag nur darauf, in die Zeitung gesetzt zu werden. Nur eine letzte Information fehlte noch. Doch dann kam alles ganz anders. Statt Jürgen Horn war ein Arbeitskollege am Telefon und sagte mit niedergeschlagenem Ton: "Es gibt eine traurige Nachricht, Jürgen ist am Sonntag bei einem Unfall ums Leben gekommen." Er sei mit seinem Gespann verunglückt, ergänzte der Kollege – und hinterließ einen schockierten Reporter, der erst noch vor wenigen Tagen mit Horn telefoniert hatte.

Ein Blick auf die Online-Ausgabe der Fuldaer Zeitung gab Gewissheit. "Motorrad in Flammen: Fahrer (53) tödlich verunglückt", lautet der Titel eines Berichts über einen Gespann-Fahrer, der bei Michelbach im Vogelsbergkreis frontal in einen Milchtransporter gekracht war. Das Zweirad ging den Angaben der Polizei zufolge in Flammen auf. In dem Seitenwagen hatte sich auch noch ein Hund befunden, der den Aufprall aber überlebte.

Viele Ausfahrten

Der tragische Unfall beendete das Leben eines Mannes, der ein paar Tage zuvor noch voller Begeisterung von seinem ungewöhnlichen Engagement für behinderte Kinder und Senioren erzählt hatte. Etwa von der Ausfahrt mit Schülern der Helen-Keller-Schule in Hofheim. Insgesamt 32 Motorradgespanne und Trikes, also motorisierte Dreiräder, hatten mit 28 geistig behinderten Kindern und deren Betreuern einen Ausflug an den Rhein unternommen. Die Tour war eine von rund 15 Ausfahrten, die Horn und seine Biker-Kollegen in diesem Jahr unternommen hatten. Mal war man in Hochheim im Main-Taunus-Kreis, ein anderes Mal in Hanau oder im Lahntal. Und immer kutschierten die Männer mit ihren Maschinen Menschen mit Behinderung oder auch Senioren durch die Lande.

Sie seien Leute, die ihre Begeisterung fürs Motorrad gerne mit anderen teilen, sagte Horn über dieses Engagement, das er vor ein paar Jahren entdeckt hatte. Damals, im Jahr 2007, kaufte sich der Zweirad-Fan erstmals ein Gespann – nicht zuletzt wegen Peppi. Der Mischlingshund hatte nämlich bis dato immer zu Hause bleiben müssen, wenn sein Herrchen mit seiner Maschine unterwegs war. "Das tat mir jedes Mal in der Seele weh", sagte Horn. Im Beiwagen seiner BMW R 1100 S konnte Horn seinen Vierbeiner von nun an immer mitführen.

Zu diesem Zeitpunkt war ihm bereits zu Ohren gekommen, dass es auch Fahrer gibt, die nicht nur zum persönlichen Vergnügen unterwegs sind, sondern Ausfahrten mit Behinderten unternehmen. Mit ihnen kam Horn 2008 in Kontakt, als er an einem Kinder-Korso teilnahm. "Es war ein unvergesslicher Tag mit vielen intensiven Eindrücken", schwärmte Horn. Seitdem faszinierten ihn solche Ausfahrten. In der Folge wurde er fester Bestandteil der Gespannfahrer-Szene, nahm regelmäßig an Ausfahrten teil. Die Begeisterung ging so weit, dass Horn die Webseite www.gespannfahrer-ohne-grenzen.de ins Leben rief, eine Art Info- und Kontaktbörse für die Community.

"Wintermärchen"

Das Gefühl der Freiheit und der Schwerelosigkeit, das beim Motorradfahren entsteht, bleibe Behinderten meist vorenthalten. Durch die Gespannfahrten jedoch könnten sie diese Leichtigkeit des Seins erfahren. Das Gefühl wollte Horn auch in der kalten Jahreszeit ermöglichen. Sein Projekt nannte er "Wintermärchen". Dahinter verbarg sich das Vorhaben, auch bei Schnee Ausfahrten mit dem Motorrad zu unternehmen. Dafür hatte sich Jürgen Horn bereits eine speziell ausgerüstete Maschine besorgt – doch dann kam der schicksalhafte 2. Oktober.

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Er hatte noch so viel vor
Ein Bad Homburger, der sich auf unkonventionelle Weise für Behinderte und Senioren engagiert und noch so manche ausgefallene Idee hat – davon sollte ein Artikel in der TZ erzählen. Ein Motorradunfall hat der Würdigung des Mannes eine tragische Wendung gegeben.
http://www.fnp.de/lokales/hochtaunus/Er-hatte-noch-so-viel-vor;art690,120787
07.10.2011
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Hochtaunus

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