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„Es ist schwer, hier einen Platz zu bekommen“

Von In Zeiten, in denen selbst die Jüngsten schon unter immer höherem Leistungsdruck stehen, scheint die Waldorf-Pädagogik als eine Art Gegenbewegung beliebter denn je – zumindest in Oberursel, wie der Tag der offenen Klassenzimmer an der Waldorfschule jetzt zeigte. Dennoch soll die Bildungseinrichtung einzügig bleiben, betonen die Verantwortlichen.
Englische Zungenbrecher sind für diese Viertklässler und ihre Lehrerin Frauke Liedtke kein Problem.	Foto: Yvonne Späne Englische Zungenbrecher sind für diese Viertklässler und ihre Lehrerin Frauke Liedtke kein Problem. Foto: Yvonne Späne
Oberursel. 

„Eight elegant elephants elegantly eating eggs“, tönt es voller Elan und noch dazu fehlerfrei aus 27 Kehlen. So ein englischer tongue twister, also Zungenbrecher, ist doch ein Klacks für die Viertklässler! Dafür gibt’s anerkennende Blicke und das ein oder andere Schmunzeln aus dem „Publikum“.

Das rekrutiert sich am Samstagvormittag aus Eltern, Geschwistern und Interessierten, die gekommen sind, um den Unterricht hautnah mitzuerleben. Denn es ist Tag der offenen Klassenzimmer an der Freien Waldorfschule Vordertaunus. Ein Mal im Jahr öffnet die Bildungseinrichtung in freier Trägerschaft am Eichwäldchenweg dazu ihre Türen; dann können die Eltern ihre Kinder im Unterricht erleben und potenzielle künftige Erst-, Fünftklässler oder auch Quereinsteiger das Konzept der Schule kennenlernen.

Letzteres unterscheidet sich in vielen Punkten von dem an staatlichen Einrichtungen – das wird im Englischunterricht der Viertklässler schnell klar. Lehrerin Frauke Liedtke spricht mit den Jungen und Mädchen konsequent in der Fremdsprache, und die Kinder verstehen erstaunlich viel. Auch das Sprechen klappt schon super, nicht nur beim Zungenbrecher.

„Dadurch, dass wir Englisch schon seit der ersten Klasse mündlich machen, haben die Kinder schon sehr viele Vokabeln mitbekommen“, erklärt Frauke Liedtke. „Jetzt, wo wir mit dem Lesen und Schreiben anfangen, müssen sie nicht mit langen Listen Vokabeln lernen wie an anderen Schulen“, führt die 43 Jahre alte gebürtige Südafrikanerin aus.

„Die Kinder sind hier viel weiter, sprechen schon mehr“, sagt Frauke Neumann-Silkow nach der Stunde. Sie ist mit ihren Kindern Finn (9) und Martha (7) gekommen, steht bei Finn doch bald der Wechsel auf eine weiterführende Schule an. „Wir hatten schon Gespräche hier und waren beim Informationsabend“, erzählt die Mama. „Insgesamt gefällt uns das Konzept sehr gut. Es ist ein ganzheitlicher Ansatz, und man geht auf die einzelnen Kinder ein. Außerdem haben sie einen tollen Pausenhof“, sagt die Mammolshainerin und lächelt.

„Die anderen Kinder haben mich draußen sofort beim Fangen mitspielen lassen“, freut sich Finn und fügt hinzu: „Mir gefällt die Schule, nur sie ist etwas weit weg.“ Finn steht auf der Warteliste für die fünfte Klasse. „Es ist schwer, hier einen Platz zu bekommen“, weiß auch Neumann-Silkow. Das ist auch Joachim Hustedt, der im Öffentlichkeitsarbeitskreis der Schule engagiert ist, bewusst. Denn trotz der Gebühren, die kürzlich inflationsbedingt von monatlich 290 auf 320 Euro fürs erste Kind erhöht wurden (eine Ermäßigung für einkommensschwache Familien ist möglich), ist die Einrichtung mit ihren derzeit 310 Schülern in 13 Klassen über Oberursels Grenzen hinaus beliebt. So sind Hustedt und Geschäftsführer Ulf Brossmann denn auch zufrieden mit der Resonanz auf den Tag der offenen Klassenzimmer. „Es hat eine Weile gedauert, bis die Schule diesen Bekanntheitsgrad erlangt hat“, sagt Brossmann, der wie Hustedt auch um die vielen Vorurteile weiß. „Es ist nicht so, dass man hier nur spielt, tanzt und häkelt. Die Schüler müssen den ganz normalen Stoff draufhaben für den Realschulabschluss beziehungsweise das hessische Abitur“, betont Hustedt. Daher gibt’s von der neunten Klasse an auch Noten.

Apropos Oberstufe: Während die Warteliste für die fünfte Klasse laut Hustedt sehr lang ist, besteht für Quereinsteiger, die das Abitur an der Waldorfschule ablegen möchten, noch Kapazität. Für die älteren Schüler wird von Sommer an ein Erweiterungsbau errichtet (siehe nebenstehenden Text). Man will jedoch einzügig bleiben.

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