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Ex-Hells-Angel dealte in Rockerkreisen

Gestern war der Auftakt zu einem Prozess gegen drei Männer, die sich in einer Autowerkstatt weniger um Autos, als mehr um das Dealen von Drogen kümmerten.
Einer der Angeklagten ist ein Ex-Mitglied der Rockerbande Hells Angels. Einer der Angeklagten ist ein Ex-Mitglied der Rockerbande Hells Angels.
Frankfurt. 

Die Männer sitzen seit gestern auf der Anklagebank des Landgerichts. Der Vorwurf: umfangreiche Drogengeschäfte, die bis in die Reihen der gefürchteten Rocker-Gruppe "Hells Angels" reichen.

Polizei und Staatsanwaltschaft hatten mit akribischem Aufwand ermittelt. Mehr als 6000 Stunden wurden Telefonleitungen überwacht, die Ergebnisse der Internet-Überwachung füllen Festplatten gigantischen Ausmaßes. Der mit 48 Jahren älteste Mitangeklagte soll zugleich Haupttäter gewesen sein.

Kokainhandel

 

Von Oktober 2009 an bis zu seiner Festnahme im März dieses Jahres organisierte er laut Anklage in mindestens acht Fällen den Kokainhandel. Ihm zur Seite stand dabei ein 42 Jahre alter Mitangeklagter, der als ehemaliges Mitglied der "Hells Angels" die Kontakte zu potenziellen Rauschgiftabnehmern aus diesen Kreisen förderte. Während die beiden Angeklagten noch heute in Untersuchungshaft sitzen, befindet sich der jüngste Angeklagte (41) mittlerweile wieder auf freiem Fuß. Er fungierte als Geschäftsführer einer Autowerkstatt im Fechenheimer Industriegebiet. Dort aber florierte laut Ermittlungsergebnis vor allem der Kokain-Einzelhandel. Meistens wechselten kleinere Rauschgiftmengen den Besitzer – sieben, acht, auch einmal zwanzig oder dreißig Gramm an Endabnehmer aus der Party-Szene oder eben den Rockerkreisen. Weil aber zwischenzeitlich auch verdeckte Ermittler der Polizei unter den "Kunden" waren, kamen die Ermittlungen in Gang. Als größtes Drogengeschäft stellte sich dabei die Übergabe von mehr als 1,2 Kilogramm in Darmstadt heraus. Bestandteil der Anklageschrift sind aber nicht nur Betäubungsmittelvorwürfe: Bei der Durchsuchung der Wohnungen der Angeklagten wurden auch Waffen, Zubehör und Munition sichergestellt.

Acht Verhandlungstage

 

Am ersten von zunächst acht geplanten Verhandlungstagen deutete sich bereits an, dass die unter Vorsitz von Richter Christopher Erhard tagende Strafkammer eine zähfließende Hauptverhandlung erwarten wird. Einer der Verteidiger beantragte die Aussetzung des Verfahrens, weil ihm seiner Meinung nach wichtiges Aktenmaterial viel zu spät zur Kenntnis gebracht worden sei. Das Gericht schmetterte den Antrag jedoch ab und will weiter verhandeln. Die Angeklagten äußerten sich gestern noch nicht zu den Vorwürfen. Auch bei der Polizei hatten sie geschwiegen beziehungsweise die Vorwürfe bestritten. Ob sie an einem der nächsten Verhandlungstage aussagen werden, ist derzeit noch unklar. Auch auf zwei Belastungszeugen wird das Gericht verzichten müssen. Die beiden Drogenkäufer, gegen die gesondert ermittelt wird, machen von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Inwieweit die enorme Menge an Abhörprotokollen vor Gericht eingeführt werden muss, ist ebenfalls noch ungeklärt.ge

(Matthias Gerhart)
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