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Widerstand gegen Asylsuchende: Flüchtlinge: Wo sollen sie hin?

Von Kronberg soll Asylsuchende aufnehmen – und Kronberg will es auch. Aber die Suche nach geeigneten Unterkünften gestaltet sich schwierig. In Oberhöchstadt wächst der Widerstand gegen ein solches Projekt.
In der Dieselstraße soll eine Flüchtlingsunterkunft entstehen.	Foto: jr In der Dieselstraße soll eine Flüchtlingsunterkunft entstehen. Foto: jr
Oberhöchstadt. 

Die Burgstadt präsentiert sich gerne weltoffen und tolerant. Aber offenbar gibt es Grenzen, wenn die eigene Wohlfühlzone betroffen ist. Bekanntlich muss die Stadt weitere 67 Flüchtlinge aufnehmen – das entspräche gerade einmal rund 0,37 Prozent der derzeitigen Bevölkerung. Doch ein Aufruf der Stadt vor drei Wochen, mögliche freie Kapazitäten bitte zu melden, blieb bislang erfolglos.

„Wir sind in der gesellschaftlichen Verantwortung, und der wollen und werden wir uns stellen“, betonte gestern Stadtsprecher Andreas Bloching. Die Stadt würde es bevorzugen, die Flüchtlinge dezentral an möglichst vielen Standorten unterzubringen. „Wenn wir keine Lösung finden, bleibt letztlich nur eine Container-Lösung. Und das wäre nicht im Interesse der Stadt, des Kreises und der Bevölkerung“, so Bloching weiter.

Derzeit wird als Unterkunft ein Objekt in der Dieselstraße in Oberhöchstadt geprüft. Gestern gab es einen erneuten Ortstermin – aber keine Auskunft. „Da in Bezug auf die Dieselstraße auf mehreren Ebenen Gespräche geführt werden, um zu schauen, inwieweit hier eine Unterkunft für Asylsuchende gefunden werden kann, können wir zum aktuellen Besichtigungstermin noch keine Auskunft geben“, sagte Kreissprecherin Andrea Nagell. „Die Stadt ist bei der Prüfung mit im Boot“, bestätigte hingegen Bloching. Da für eine Unterkunft offenbar einige Umbauten vonnöten sind, hat das Bauamt offenbar ein gewichtiges Wörtchen mitzureden.

Inzwischen haben sich einige Oberhöchstädter Gewerbetreibende zusammengetan, die das Projekt kippen wollen. Das Bürohaus eigne sich in ihren Augen nicht als Unterkunft. So betonte Geschäftsmann Christian Hellriegel: „Es hat schon erste Reaktionen gegeben. Ein nahes Bürohaus sollte vergangene Woche verkauft werden. Doch der Käufer ist kurzfristig vom Vertrag zurückgetreten.“

Unterschriftenaktion

Daher habe die Interessengemeinschaft (IG) Gewerbegebiet Oberhöchstadt eine Unterschriftenaktion gegen die Nutzungsänderung begonnen. „Alle Gewerbetreibenden haben bereits unterschrieben.“ Auch habe, so Hellriegel, die Eigentümerversammlung, in die das Haus mit zwei weiteren Gebäuden integriert ist, eine Nutzungsänderung des Bürohauses ablehnt.

„Das Bürohaus ist schlecht an die öffentlichen Verkehrsmittel angeschlossen, und es liegt abseits der Stadt. Eine Integration der Asylbewerber ist in diesem Gebiet ausgeschlossen“, argumentiert der Chef des Importhauses. Ein sozialer Brennpunkt sei daher vorhersehbar. „Das Angebot des Kreises, drei Sozialhelfer für den gesamten Kreis mit 1000 Asylbewerbern einzusetzen, wird der schwierigen Lage der Asylbewerber nicht gerecht.“

Daher fordert die IG eine Verteilung der Flüchtlinge auf verschiedene leerstehende Gebäude in anderen Stadtteilen. Zurzeit bestehe die Möglichkeit, einen Teil der Asylbewerber auch auf das Religionspädagogische Zentrum in Schönberg, das Ausbildungszentrum der Deutschen Bank in Kronberg, das ehemalige Übergangsgebäude der Schule in Schönberg und auf die städtischen Räume am Wasserwerk zu verteilen. Dadurch „wird eine verstärkte Integration der Asylbewerber erreicht, Problembezirke ausgeschlossen und eine Abschiebung der Asylbewerber an den Rand der Gesellschaft durch Verdrängen in den letzten Winkel eines Ortes vermieden.“

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