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Freundinnen trotzen der Welt

Was gehen uns die Probleme von Frauen an, die vor 200 Jahren gelebt haben? Wer das neue Stück der "hannemanns" über Karoline von Günderode und Bettine Brentano gesehen hat, wird eine Antwort finden.
Die "hannemanns" präsentieren hessische Dichter, Karoline von Günderode und Bettine Brentano, eine Freundschaft zwischen Ideal und Wirklichkeit mit Lore Wynn (r.) und Astrid Hennies.	Foto: Jens Priedemuth Die "hannemanns" präsentieren hessische Dichter, Karoline von Günderode und Bettine Brentano, eine Freundschaft zwischen Ideal und Wirklichkeit mit Lore Wynn (r.) und Astrid Hennies. Foto: Jens Priedemuth
Kronberg. 

"Abgeschnitten sind wir von allem Großen" beklagen Karoline von Günderode und Bettine Brentano. Die beiden Frauen lebten kurz nach der französischen Revolution Anfang des 19. Jahrhunderts in Deutschland und fanden in der jeweils anderen eine Ansprechpartnerin für ihre Gedanken und Gefühle. Aus dieser Freundschaft entstand ein Briefwechsel, den Bettine (später "von Arnim") fast ein halbes Jahrhundert nach dem Austausch in einem Briefroman verarbeitete. Eine gleichnamige szenische Lesung hat die Theatergruppe "die hannemanns" am Mittwochabend in der Stadtbücherei auf die Bühne gebracht. Ein passender Ort für eine Veranstaltung über hessische Dichter, zwischen all den Büchern.

"Es gibt Themen, die sind immer aktuell", begrüßte die Vorsitzende der "hannemanns", Carola Nierendorf, die Zuschauer. Und tatsächlich beklagen die beiden Frauen in ihren Briefen Dinge, die auch in unsere heutige Zeit passen könnten. Wenn die eher sachliche Karoline kritisiert, alles sei "auf Gelderwerb und Macht gerichtet", und die "Sklavenkette des immer Mehr, immer Mehr, immer Mehr" ablehnt, fühlt man sich doch sehr an aktuelle Diskussionen erinnert.

Ähnliches empfindet Bettine, die beklagt, dass statt der lebendigen Natur nur noch nüchterne "Grundsätze" herrschten. Ihr Ansatz ist, die Menschen an die naturgegebenen Gesetze und Schönheiten zu erinnern. Beide leiden außerdem darunter, trotz umfassender Bildung in der von Männern beherrschten Welt nicht als gleichwertig angesehen zu werden: "Das Leben ist uns aus der Hand genommen, es wird für uns gelebt."

Verrisse für die Autorin

Karoline wagt es trotzdem, wenn auch unter einem Pseudonym, einen Band mit Gedichten zu publizieren. Aber ihre Tarnung fliegt auf. Die Rezensionen sind vernichtend. Sie ist niedergeschmettert und weiß nun, "meine Zeitgenossen achten mich nicht".

Interessant: Während zu Beginn die jüngere Bettine die schwermütige, den dichterischen Traditionen verpflichtete Karoline als Lehrerin ansieht und sich von ihr zu Studien anregen lässt, kehrt sich dieses Verhältnis im Laufe der Zeit um. Karoline erkennt, dass auch sie von der lebensbejahenden Art ihrer Freundin und ihrer naturverbundenen Sichtweise einiges lernen kann.

Passend zu diesen Charakterunterschieden war auch die Kleidung der Vortragenden ausgewählt: Astrid Hennies trug als Stiftsfräulein Karoline eine strenge weiße Bluse und darüber eine schwarze Weste. Bettine, die ihre Freundin oft kindlich mit "Günderödchen" anspricht, wurde von Lore Wynn mit einem luftigen bunten Rock und einer leichten Sommerbluse verkörpert.

Die Darstellungsform einer szenischen Lesung sei ein Experiment, das sich aber bewähre, erklärte die Vorsitzende. Anschließend hatte die Gäste die Gelegenheit, sich mit den Darstellerinnen über den Vortrag auszutauschen, was auch immer gut angenommen werde.

Die "hannemanns" führen das Stück noch zwei Mal auf: am Freitag, 1. Juli, in der Altstadtbuchhandlung und am Samstag, 2. Juli, im Recepturkeller. Beginn jeweils um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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