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Für immer Horex-Fan

Von Im Keller von Walter Ernst stehen drei Motorräder der Marke Horex und ein alter Einkochapparat. Der TZ erzählt er, was die beiden Dinge miteinander zu tun haben.
Walter Ernst sehnt die Wärme herbei, denn dann kann er mit seiner Horex endlich wieder auf die Straße. Foto: evk Walter Ernst sehnt die Wärme herbei, denn dann kann er mit seiner Horex endlich wieder auf die Straße. Foto: evk
Neu-Anspach. 

Zwei Ordner hat Walter Ernst gefüllt mit Fotografien, Prospekten und Zeitungsberichten über den Motorrad-Mythos Horex. Schon beim Erzählen bekommt der 83-Jährige glänzende Augen, kann es kaum erwarten, dass es wieder warm wird. Im Sommer knattert er mit der legendären "Regina" oder der "Resident" durch Anspach. Im Keller von Walter Ernst steht neben fahrtüchtigen drei Maschinen und einem rekonstruierten Motor außerdem ein Rex-Einkochapparat, den er und seine Frau Lieselotte zur Hochzeit geschenkt bekamen, dazu weitere Erinnerungen.

Was Motorräder mit Einmachgläsern zu tun haben? Die "Rex-Konservenglasfabrik" wechselte den Besitzer und der widmete sich einem neuen Steckenpferd: den Motorrädern. Aus "HO" für Homburg und "REX" wurde die Marke Horex, und die Motorräder wurden schnell erfolgreich. "Horex-Liebhaber bleibt man immer mit Herzblut", bekennt der gelernte Autoschlosser und ehemalige Kfz-Mechaniker, der im Horex-Werk in Bad Homburg fünf Jahre in der Endmontage tätig war. In dieser Glanzzeit von Horex lief alle sieben Minuten eine Regina vom damals hochmodernen Hängeband. Probefahrten führten bis zur Saalburgkuppe, deshalb wird die langgezogene Kurve noch heute "Horex-Kurve" genannt.

Klang geht ins Ohr

Mehr als 50 Jahre ist das her, und doch ist Horex für Walter Ernst lebendig wie nie zuvor, geht der Klang des 350-Kubik-Einzylindermotors wie früher ins Ohr. Die Regina mit Teleskopgabel und Geradweg-Hinterradfederung war das erfolgreichste Horex-Motorrad und 1953 mit 18 600 Exemplaren die meistverkaufte 350er der Welt. Horex-Motorräder gehörten jahrzehntelang zu den besten und beliebtesten in ganz Europa und waren eines der Markenzeichen des deutschen Wirtschaftswunders. In der Frühphase der Motorisierung bedeutete ein Motorrad den Zugang zur Welt der Technik und ermöglichte ausgedehnte Ausflugsfahrten.

Doch nach der Entlassung wollte Walter Ernst zunächst mit Motorrädern nichts zu tun haben. Erst ab den 70er-Jahren besuchte er verschiedene Horex-Treffen. Und da war es wieder: "Das Gefühl, das ich hatte, als ich die erste Horex gekauft habe", erinnert er sich. Für 1700 Mark hatte Ernst 1950 eine der ersten Regina erstanden, Rechnung und Foto hat er aufgehoben. Beim ersten Feldbergrennen fuhr er im Korso der Werksangehörigen mit. Mit der 17 PS starken Maschine, die eine Spitzengeschwindigkeit von 80 Stundenkilometern erreichte, war er im Urlaub in Berchtesgaden. Nach drei Jahren tauschte er sie ein und kaufte sich dann 1955 sein erstes Auto, einen Lloyd. Da standen die ersten Regina-Modelle schon auf Halde, bevor Ende der 1950er der Motorradmarkt endgültig zusammenbrach.

Auf der nächsten Seite: Ein Haufen Schrott

In den 80er-Jahren hat Ernst dann die erste Regina aus einem Haufen Schrott wieder flott gemacht. Ein ganzes Jahr hat er dazu gebraucht, die 1909 Einzelteile zu einem Motorrad zusammenzubauen. Bis 2009 besaß die Hörmann-Rawema GmbH in Chemnitz die Markenrechte und fertigte und rekonstruierte historische Horex-Motorräder. Aber für den Anspacher Tüftler, der beim Bau der Originale mithalf, als diese weltweit zu Lande, zu Wasser und in der Luft verschickt wurden, bleiben seine selbst restaurierten Maschinen und das funktionstüchtige Schnittmodell eines Zweitakter Java-Motors das "Nonplusultra". Das 2012 für 1,6 Millionen Euro errichtete Horex-Museum in der Nähe der inzwischen abgetragenen Horex-Fabrik und des Bad Homburger Bahnhofs hat er natürlich schon besucht.

Mit gelegentlichen Spritztouren überprüft Walter Ernst im Sommer abwechselnd die Fahrtüchtigkeit seiner drei Horex-Schmuckstücke. Wenn er sich selbst fit halten will, steigt der passionierte Sportler aber lieber aufs Elektro-Bike.

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