Im Internetcafé 50plus werden Senioren fit fürs World Wide Web gemacht

Im Internetcafé 50 plus im Familienzentrum Gartenfeld zeigen ehrenamtliche Tutoren älteren Menschen den richtigen Umgang mit Computer und Internet. Weitere Unterstützung wird dringend gesucht.
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Bad Homburg. 

Das Familienzentrum Gartenfeld ist an diesem Morgen gut gefüllt: Rund 25 Personen sind zum Vortrag "Das Internet und seine Vorzüge" gekommen. Viele der meist älteren Anwesenden haben mit einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen vor der großen Leinwand Platz genommen. Gleich darauf geht es los.

An jedem ersten Freitag im Monat erklärt Egon Backhus, ehemaliger Bad Homburger Stadtrat und Mitbegründer des Internetcafés 50plus, das World Wide Web. Am heutigen Tag dreht sich alles um die sozialen Netzwerke wie Facebook, YouTube, Twitter und Co., Fragen des Publikums sind erwünscht und praktische Übungen an den Computern des Internetcafés runden den jeweiligen Vortrag ab.

Seemannslieder

Gekonnt vermittelt Backhus die positiven Aspekte der verschiedenen sozialen Internetplattformen: In Bremerhaven geboren und aufgewachsen – der norddeutsche Dialekt ist noch immer deutlich hörbar – nutzt der 76-Jährige etwa Facebook, um alte Freunde wiederzufinden. Das Videoportal YouTube bringt er den Anwesenden folgendermaßen näher: "Früher habe ich CDs gekauft, das brauche ich heute nicht mehr. Da ich von der Küste komme, habe ich mir einen eigenen Ordner mit Seemannsliedern angelegt und wenn ich Lust habe, spiele ich den ab. Selbst wenn Sie ein altes Soldatenlied wie ,Lilly Marleen‘ suchen, werden Sie das hier finden, und auch die Qualität wird meist besser sein als die einer alten Schellackplatte, die Sie vielleicht noch zu Hause haben."

Egon Backhus ist einer von insgesamt sechs Tutoren, die regelmäßig im Internetcafé 50 plus ehrenamtlich tätig sind. An drei Tagen in der Woche hat das Café geöffnet, dann stehen jeweils zwei Tutoren den Besuchern mit Rat und Tat zur Seite. "Unser Prinzip ist, dass die Leute selbst die Knöpfe drücken sollen", erklärt Egon Backhus. "Learning by doing" laute das Konzept, das sei besonders im Alter wichtig. Doch das Angebot geht über die Nutzung des Internets hinaus, auch bei der Bedienung der Computerprogramme sowie der Anschaffung eines neuen PCs sind die Tutoren gerne behilflich. Allerdings werden weitere Ehrenamtliche dringend gesucht – besonders ein "Springer" als Urlaubsvertretung. Wer Freude am Vermitteln seiner PC-Kenntnisse hat, ist willkommen. Besondere Voraussetzungen sind nicht erforderlich.

"Ich bin schon immer ein Anhänger der PC-Nutzung gewesen", meint Egon Backhus, der seit 1969 in der Kurstadt lebt und bis zu seiner Pensionierung in der Frankfurter Zentrale der Deutschen Bahn tätig war.

Digitale Bilder

Klaus Bunge war einst für Information und Telekommunikation (IT) der Stadt verantwortlich. Nun beschäftigt sich der Rentner mit der digitalen Fotografie und bietet ebenfalls regelmäßig Vorträge im Internetcafé an. Doch nicht nur die Tutoren arbeiten unentgeltlich, auch die Helferinnen des Deutschen Frauenrings sorgen im Familienzentrum regelmäßig für das leibliche Wohl der Gäste und das ebenfalls ehrenamtlich.

Von dem Angebot der Stadt, die die Ausstattung sowie die Räumlichkeiten zur Verfügung stellt, und dem Einsatz der Ehrenamtlichen sind Margarete und Günter Herzog, 74 und 77 Jahre alt, begeistert: "Das ist eine große Sache. Nur 1 Euro pro Stunde zahlt man für die Nutzung des Internets. Kaffee und Kuchen gibt es zu moderaten Preisen."

Das Ehepaar bezeichnet sich selbst als "blutige Anfänger". Die beiden kommen erst seit wenigen Wochen regelmäßig ins Internetcafé. Den eigenen Laptop bringen sie mit, der Partner nutzt zudem einen der Computer des Internetcafés. Was viele ältere Menschen hemmt, sich mit dem Internet zu beschäftigen, spricht Günter Herzog aus: "Die größte Angst ist, aus Versehen etwas aus dem Internet herunterzuladen und am nächsten Tag steht dann plötzlich der Anwalt vor der Tür." Wie man das verhindert, wird im Internetcafé gezeigt.

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