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Im Zeichen der Nächstenliebe

Die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde feiert in diesem Jahr ihr 125-jähriges Bestehen. Stadthistorikerin Gerta Walsh lässt die Geschichte der Glaubensgemeinschaft noch einmal Revue passieren.
Vor genau 100 Jahren entstand diese Aufnahme vom Ausflug der Sonntagsschule. Jean Emil Leonhardt sitzt am Steuer seines Automobils, rechts im Bild, hinter den Kindern. Vor genau 100 Jahren entstand diese Aufnahme vom Ausflug der Sonntagsschule. Jean Emil Leonhardt sitzt am Steuer seines Automobils, rechts im Bild, hinter den Kindern.
Bad Homburg. 

Ende September begeht die rührige Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Bad Homburg ihren 125. Geburtstag. Bereits am morgigen Sonntag wird im Anschluss an den Gottesdienst in der Sodener Straße eine Ausstellung eröffnet, die die Geschichte in Bildern zeigt. Nicht nur das Jubiläum selbst ist Anlass, über diese Gemeinschaft zu berichten, ihre Gründung und die ersten Jahre sind eng mit bekannten Homburger Persönlichkeiten verbunden.

Der 1853 geborene und aus einer Homburger Kaufmannsfamilie stammende Jean Emil Leonhardt kam 1870 während seiner beruflichen Ausbildung in England mit den "Open Brethren" (Offene Brüder) in Kontakt. Durch sie fand er zum Glauben und begann später in Homburg seine missionarische Arbeit. 1887 sammelte er Gleichgesinnte um sich, die sich im Haus Mühlberg 11a, drei Jahre danach in der Louisenstraße 74 trafen und 1899 einen Saal in der Elisabethenstraße 19a mieteten. 1897 gründete Friedrich Kleemann einen sogenannten gemischten Chor der Gemeinde.

Die Namen Leonhardt und Kleemann sind untrennbar mit der Geschichte und der wirtschaftlichen Entwicklung Homburgs verknüpft. Jean E. Leonhardt gründete 1905 die "Rex-Conservenglas-Gesellschaft" und nahm zwei Jahre danach Kleemann als Teilhaber auf. Nach Leonhardts Tod übernahm sein Kompagnon die Firma, verkaufte sie 1926 und stellte Motorräder unter dem Namen Horex her. Beide Männer waren aktive Mitglieder der Gemeinde.

Nicht vergessen soll Ernst Halbach sein, der von den USA aus ein Hilfswerk aufbaute, das in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nur die Gemeinde, sondern auch andere Bad Homburger Bürger unterstützte. Mit dem in Bad Homburg lebenden F. A. Zeuner kümmerte er sich durch die Bruderhilfe darum, dass in der Elisabethenstraße 19 a von 1948 bis 1950 Bedürftigen durch eine Suppenküche geholfen wurde. 20 freiwillige Helfer aus der Gemeinde waren dabei in Küche und Saal tätig.

Das soziale Engagement ging stets über die Religionszugehörigkeit hinaus. 1970 nahm sich die Gemeinde der 200 in Bad Homburg lebenden spanischen "Gastarbeiter" samt ihrer Familien an. Man half bei Behördengängen, besorgte Möbel und organisierte Deutschunterricht. Einmal im Monat trafen sich in der Sodener Straße Spanier mit ihren deutschen Nachbarn.

Keine Kirchensteuer

Eine freikirchliche Gemeinde vereint in Aufbau und Inhalt die Ausrichtung der Offenen Brüder, der Darbysten (nach dem Gründer John Darby) und der Baptisten. Nach eigener Darstellung ist sie "eine der wenigen Gemeinden, die diese gemischte Gemeindeform lebt und bejaht und in der Unterschiedlichkeit ihres Herkommens einen besonderen Reichtum erlebt". Die Mitglieder zahlen keine Kirchensteuer, sie setzen vielmehr einen Betrag nach eigener Einschätzung fest, der erfahrungsgemäß höher ist als die steuerliche Abgabe.

Am 7. Oktober 1962 konnte die auf 200 Mitglieder angewachsene Gemeinde ihr eigenes, selbst finanziertes Gotteshaus in der Sodener Straße 11 einweihen und 1984 direkt gegenüber einen Neubau beziehen. Heute zählt sie 300 Mitglieder; zu ihnen kommt ein Freundeskreis, der die Gottesdienst besucht und sich an den zahlreichen Aktivitäten im Gemeindezentrum beteiligt. Ein starkes, persönliches Engagement macht die Freikirchliche Gemeinde lebendig, was sicher auch an ihrer sozialen Ausrichtung und an der weit gestreuten Jugendarbeit liegt. gw

(Gerta Walsh)
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