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In Oberlauken geht’s um die Wurst

Von Wenn sich die Oberlaukener im Dorfgemeinschaftshaus die Türklinke in die Hand geben, ist Schlachtfest. Fest steht: Es gibt schönes Wetter – alles aufgegessen!
Thekla Born, Gerda Volberg, Lieselotte Wieth, Helga Enders, Ersatzmann Edgar Born und Gabi Born (v. l.) schälen 125 Kilo Kartoffeln. Thekla Born, Gerda Volberg, Lieselotte Wieth, Helga Enders, Ersatzmann Edgar Born und Gabi Born (v. l.) schälen 125 Kilo Kartoffeln.
Oberlauken. 

Einmal im Jahr dreht sich im Dorf alles um Wurst, Wellfleisch, Wirsing, Rote Bete, Salzkartoffeln und Meerrettich. Dann ist Schlachtfest. Am Samstag war es wieder so weit. Die Dorfgemeinschaft hatte zu dem deftigen Mahl ins DGH gebeten, und 250 Essen gingen weg wie nichts. Abnehmen geht anders. Von überall her kommen die Gäste. Kostverächter sind keine darunter. Ausnahme: Ein Stammgast aus Usingen kommt nur wegen der Beilagen. Wersching, pardon Wirsing, Rote Bete, Meerrettich, das gibt es in Usingen offenbar nicht, jedenfalls nicht in Oberlaukener Qualität . . .

Große Schüsseln mit Gemüse und Kesselfleisch standen auf den Tischen, aus denen sich jeder bedienen konnte, bis er nicht mehr konnte. Vormittags hatte das halbe Dorf am Schlachthaus um "Lewwer un’ Blut" im Ring und in der Dose sowie rund 500 Liter Wurstsuppe angestanden. "Früher wollte die keiner, da haben wir sie weggekippt, heute sind sie ganz verrückt danach", sagt Edgar Born von der Dorfgemeinschaft und lacht. Seit wann es die Dorfschlachtfeste gibt, wissen Ortsvorsteher Kalli Mankel und Edgar Born nicht mehr. Sie wissen nur noch, dass die erste Sau damals noch lebend nach Oberlauken gekommen ist. Das ist heute anders, es ist auch nicht mehr nur eine. Am Freitag wurden insgesamt fünfeinhalb Schweine auf einem Anhänger am Schlachthaus angeliefert. Dort wurden sie schon um 9 Uhr von Chefmetzger Ralf Born und seinen Gehilfen Sascha Herr, Manfred Roos, Kim Lauth und Otto Schulz sehnsüchtig erwartet und zerlegt. "Da bleibt nix übrig, alles kommt in die Wurst", flunkert Born ein wenig. Die Filets natürlich nicht . . .

In stundenlanger Arbeit entstanden je 120 Ringe Blut- und Leberwurst, 110 Kilogramm Mager- und 75 Kilo Bauch- oder Kesselfleisch sowie gut 500 Portionen Dosenwurst. Die Dosen wurden dicht bei dicht in einem riesigen Kessel aufgesetzt. Geduld war hier gefragt, denn erst wenn das Wasser kochte, zählte die Zeit – zweieinhalb Stunden. Es war längst Samstag, als die Männer die letzte Dose aus dem Kessel fischten.

Die Gewürze machen’s

Mit den Jahren haben sie es zu großer Profession gebracht, auch beim Würzen. In die Leberwurst kommen neben Schweinefleisch und Leber Pfeffer, Salz, Majoran, Muskat, Thymian, Knoblauch und Zwiebeln – alles nach Gefühl, wie Metzgermeister Ralf Born verrät. Nachdem die Wurstmasse in die Naturdärme gefüllt ist, müssen die Würste für 90 Minuten in den Kessel, bei 77 bis 88 Grad. Sonst platzen sie. Ein paar platzen trotzdem, das ist auch gut, denn die "Worschtsupp" soll hinterher ja auch schmecken.

Die Frauen waren am Freitag ebenfalls emsig. 125 Kilo Kartoffeln schälen sich nun mal nicht von alleine, und 120 Kilo Wirsing und Weißkraut wollen auch vorbereitet werden. Das "Oberlaaker "Wersching-Gemies" geht so: Man mache eine Mehlschwitze mit Zwiebeln, Salz, Pfeffer und Muskat, gieße Fleischbrühe an, gebe das durch den Fleischwolf gelassene Gemüse – 8 Teile Wirsing, 2 Teile Weißkraut – dazu und warte, bis alles schön weich ist.

Oft müssen sich die rund 60 Helfer, die zwei Tage lang fast rund um die Uhr beschäftigt sind, hinterher von den Gästen erzählen lassen, wie es geschmeckt hat, denn für sie bleibt kaum etwas übrig. Dann wird’s wohl wieder geschmeckt haben!

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