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Kleiner Filmemacher ganz groß

Mit 48 Sekunden war der Film von Leo Gutwein sicher einer der kürzesten auf dem Filmfestival des Orscheler Sommers. Trotzdem hatte der jüngste Teilnehmer die Sympathien des Publikums auf seiner Seite. Die TZ stellt das Nachwuchstalent vor.
Leo, seine Kamera und die Darsteller im Mini-Format, darunter Berühmtheiten wie Darth Vader.	Foto: Priedemuth Leo, seine Kamera und die Darsteller im Mini-Format, darunter Berühmtheiten wie Darth Vader. Foto: Priedemuth
Oberursel. 

Auch der große Filmemacher Steven Spielberg, der mit Kinostreifen wie "E T.", "Jurassic Park" und "Schindlers Liste" berühmt wurde, hat mal ganz klein angefangen. Der zehnjährige Leo Gutwein hat sich zwar nicht zur Lebensaufgabe gemacht, den Meister des Kinos vom Thron zu stoßen, dennoch hat er Spaß am Filmemachen gefunden.

Andere hatten mindestens ebenso viel Freude an seinem ersten Kurzfilm, so dass dieser beim diesjährigen Filmfestival des Orscheler Sommers gezeigt wurde (TZ berichtete). Somit war Leo der jüngste Teilnehmer, der sich der Kritik des Publikums stellte.

"Zum Trickfilmen kam ich eigentlich spontan", erzählt Leo, der die Waldorfschule im Eichwäldchen besucht. "An einem Tag war ich nämlich krank, und mir war schrecklich langweilig", erinnert er sich. Also schnappte er sich kurzerhand seine kleine Digitalkamera und seine Lego-Platte. Die Bühne für sein erstes Werk war gefunden, und die Darsteller, die Lego-Männchen, waren schnell ausgewählt.

Geduldige Schauspieler

Anders als am Set mit echten Schauspielern beschwerten sich die genügsamen Lego-Soldaten von Leo Gutwein nicht über den anstrengenden Drehtag. Rund 90 Einzelaufnahmen und ein ganzer Vormittag waren nötig, um den 48 Sekunden langen Film zu produzieren.

Das Prinzip, nach dem der Schüler vorgegangen war, entspricht dem eines Daumenkinos. "Bei jedem Bild habe ich an den Männchen etwas verändert, die Arme und Beine sahen dann im Schnelldurchlauf der Kamera so aus, als bewegten sie sich", erklärt Leo, der auch seine große Schwester Anne eingespannt hat. "Weil ich das allein nicht kann, habe ich Anne gebeten, meinen Film mit Musik zu unterlegen, und einen Vorspann mit dem Titel ,Horrorfilm der Lego-Männchen‘ hat sie mir netterweise auch dazu gebastelt", erzählt der Schüler. Das war in der letzten Woche vor den Schulferien.

Die ersten, die den Film zu sehen bekamen, waren natürlich die Eltern und Geschwister, und schnell war im Familienkreis die Idee geboren, den Film beim Festival des Orscheler Sommers einzureichen. "Ganz knapp vor Ablauf der Frist haben wir die Bewerbung noch eingeworfen", erinnert sich der junge Trickfilmer.

Wenige Tage später kam dann eine E-Mail mit der Bestätigung, dass Leos Film gezeigt wird. "Ich hab mich total gefreut, denn ich hätte nicht gedacht, dass mein Film wirklich ausgewählt wird", muss Leo Gutwein zugeben. Das Hochgefühl wich dann schließlich einer ausgewachsenen Nervosität am Premierentag.

Stolze Familie

Alle sieben Gutweins marschierten beim Filmfestival geschlossen zur Vorführung im Rushmoor-Park, um Nesthäkchen Leo zu unterstützen. "Mein Film war einer der ersten, die gezeigt wurden", erinnert sich der kreative Schüler. Und Mama Erika Gutwein berichtet stolz: "Leo hat ganz viel Applaus bekommen, das war wirklich sehr schön." Leider hat es für einen Preis nicht gereicht, aber der Zehnjährige freut sich, dass er überhaupt mit dabei war.

Und obwohl er meint, dass die Filmerei ganz schön anstrengend sei und er jetzt mal eine Pause brauche, tüftelt er während des Interviews schon wieder an einer Szene. Wer weiß, Herr Spielberg, vielleicht gibt es doch bald Konkurrenz aus Oberursel.

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