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Mit dem iPad rechnen lernen

Von Gerrit Mai Eltern befürchten, dass sich ihre Kinder zu viel mit modernen Medien beschäftigen. Dass diese auch beim Lernen helfen können, zeigt ein Projekt in der Limesschule, bei dem Schüler das iPad nutzen.

Wehrheim. 

Auf dem Display der iPads wechseln runde rote und blaue Blättchen in Zehnerreihen oder einzeln ihre Plätze. Die sechs Schüler der Klasse 2b der Limesschule haben je eines dieser modernen technischen Geräte vor sich liegen und tippen so geschickt auf den Bildschirm, als hätten sie nie etwas anderes getan. Allerdings geht es nicht um ein neues Spiel, sondern um Rechenaufgaben. Philip Lenzner hat an drei Laptop-Bildschirmen, jedes iPad im Blick. Er erkennt, wer die Blättchen richtig einsetzt, wer mit der Aufgabe fertig ist und wer länger braucht, um das Rechenproblem zu lösen.

Der angehende Lehrer möchte herausfinden, ob der Einsatz von iPads im Mathe-Unterricht von Vorteil sein kann, und nutzt ein von Christian Urff entwickeltes Lernprogramm, das als App auf das iPad geladen werden kann. Durch die direkte Berührung des Bildschirms entfällt im Vergleich zu einem Computer die umständliche Handhabung per Maus oder Tastatur, und der Schüler kann sich auf die eigentlichen Lerninhalte konzentrieren. Urff hat interaktive Programme entwickelt, die beim Verständnis der Zahlen und der Operationen Plus und Minus helfen. Philip Lenzner ist mit dem Entwickler per E-Mail in Kontakt. Er gibt aus seinen Erfahrungen Anregungen, die hilfreich für die Weiterentwicklung der Software sein können. Der Vorteil gegenüber PCs ist hauptsächlich die intuitive Bedienung und die Größe. "iPads können in den Klassenzimmern benutzt werden, und man kann sich einen Gang in den Computerraum sparen."

Philip Lenzner – vielen auch unter seinem Künstlernamen Philip Prochnow bekannt, unter dem er als Jongleur auftritt – studiert an der Johann-Wolfgang-Goethe-Uni in Frankfurt Mathematik, Deutsch und Sport für die Grundschule. Derzeit schreibt er seine Examensarbeit in Mathe. Er möchte herausfinden, inwiefern die Arbeit mit iPads zur Entwicklung von Grundvorstellungen im Zahlenraum bis 100 beitragen kann. Deshalb sind für ihn die sechs Stunden Mathe-Unterricht, die er jetzt einigen Schülern der Klasse 2b geben konnte, ein ideales Übungsfeld. Das hessische Amt für Lehrerbildung hat gemeinsam mit der Goethe-Universität ein Kooperationsprojekt unter dem Titel "Lehr@amt – Medienkompetenz als Phasen übergreifender Qualitätsstandards der hessischen Lehrerbildung" gestartet und ihm die iPads zur Verfügung gestellt. Seine Erfahrungen sollen in die Lehrerbildung einfließen.

Lenzner ist froh, dass auch Rektorin Maria Rückforth das Projekt unterstützt, denn er sieht darin nicht nur die Möglichkeit des Mathe-Lernens mit modernen Medien. Vielmehr weist er auch auf die Entwicklung sozialer Kompetenzen hin. Die Kinder teilen sich ein iPad und sitzen daher nicht allein vor dem Bildschirm, sondern arbeiten mit Tischnachbarn zusammen. Der eine legt die roten, der andere fügt, je nach Aufgabe, die blauen Blättchen hinzu. Etwa indem eine vom Partner gelegte Zahl umgedreht und aus der 26 eine 62 wird. Schnell wird klar, dass das nicht bei allen Zahlen funktioniert. "Welche Voraussetzungen sind nötig, damit es geht?", fragte der angehende Lehrer. Die Antwort: "Beide Zahlen zusammen dürfen nicht mehr als Hundert ergeben."

Die Übungen erfolgen in Zusammenarbeit mit Lehrerin Evelyn Baldt, auch damit den Schülern kein Lehrstoff verloren geht. Die Kinder können stolz darauf sein, am Entstehen eines zukunftsträchtigen Projekts mitgewirkt zu haben. Für Philip Lenzner wäre es ideal, wenn die Verantwortlichen an der Limesschule so überzeugt wären, dass sie iPads anschaffen.

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