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Plötzlich waren alle Römer

Von Alexander Wächtershäuser Fast 500 Jahre prägten die Römer das Rhein-Main-Gebiet. Diese Spuren sind auch heute noch, 1500 Jahre später, omnipräsent. Und dennoch ist vieles jener Epoche noch unbekannt. Eine Tagung, zu der der Hochtaunuskreis im vergangenen April geladen hatte, vermittelte den aktuellen Forschungsstand. Die Ergebnisse sind nun auch in Buchform nachzulesen

Hochtaunus. 

Die Römer waren ein kriegerisches Volk, das andere unterdrückte und über sie eine Gewaltherrschaft ausübte. So ist auch heute noch häufig das Bild vom römischen Reich. Eindrucksvolle Bauten wie die Saalburg werden dann gerne als Beweise für diese These herangezogen. Dass dem bei Weitem nicht so war, ist längst wissenschaftlich nachgewiesen. Doch Vorurteile halten sich lange. Ein neues Buch mit dem Titel "Die Römer im Rhein-Main-Gebiet" unternimmt nun einen neuen Versuch, diese alten Zöpfe abzuschneiden.

Die Schrift ist das Ergebnis einer wissenschaftlichen Fachtagung, zu der der Kreis im April vergangenen Jahres in die Bad Homburger Werner-Reimers-Stiftung eingeladen hatte und zu der hochkarätige Referenten erschienen waren: unter anderem Dr. Peter Fasold, stellvertretender Direktor des Archäologischen Museums Frankfurt, Prof. Hans-Markus von Kaenel vom Institut für Archäologische Wissenschaft der Uni Frankfurt sowie Dr. Vera Rupp, Archäologiedirektorin am Landesamt für Denkmalpflege und Dr. Markus Scholz vom Römisch-germanischen Zentralmuseum Mainz.

Mehr als nur Militär

Wie falsch der Ansatz ist, die Römer auf ihr Militärwesen zu reduzieren, zeigt schon der Blick ins Inhaltverzeichnis. So sucht man das Römerkastell Saalburg hier vergebens. Es erscheint nur in Zusammenhang mit der vor den Toren des Kastells gelegenen Zivilsiedlung, dem vicus.

Vielmehr geht es in dem 220 Seiten starken Buch um das Zusammentreffen der römischen und germanischen Kultur und dem sich daraus sich entwickelnden zivilen Leben unter römischer Verwaltung. Das umfasst Themen wie die Ausbildung von Verwaltungsbezirken wie die civitas Taunensium mit dem Hauptort Nida (Heddernheim), die sich bis zum Taunuskamm erstreckte, die Entwicklung des Geldwesens, des Handels sowie von Landwirtschaft und Handwerk.

Effiziente Verwaltung

Zwar erfolgte die römische Eroberung eines Gebiets gewaltsam, doch dann begann eine Befriedung der Region durch einen funktionierenden Verwaltungsapparat, der der Bevölkerung große Vorteile brachte und sie dazu bewegte, die römische Vorherrschaft zu akzeptieren. So wurde allen freien Einwohnern in der civitas Taunensium 212 nach Christus das Bürgerrecht zugestanden.

Wie stolz die Taunenser auf diese Errungenschaft waren, dokumentiert sich in den Namen, die die Bürger daraufhin annahmen und die gleichermaßen ihren Status als römischer Bürger und Bürger der civitas Taunensium verdeutlichte. Offenbar wurde das Bürgerrecht also nicht als eine Zwangsvereinheitlichung gesehen, sondern als eine regional-kulturelle Standortbestimmung und Wertschätzung, die vonseiten der Reichsführung den Menschen an den Grenzen des Reiches zugestanden wurde.

"Die Römer im Rhein-Main-Gebiet" ist sicherlich keine einfache Lektüre. Es ist von Fachleuten für ein wissenschaftliches Publikum verfasst. Ein Grundwissen in Sachen provinzialrömischer Geschichte erleichtert daher den Zugang. Doch dann eröffnet sich dem Leser ein umfangreiches Bild römischen Lebens am Limes, das dem, was man zu wissen glaubte, konträr ist. So wird die Lektüre zu einer spannenden Entdeckungsreise.

Frank Ausbüttel, Ulrich Krebs, Gregor Maier (Hrsg.), Die Römer im Rhein-Main-Gebiet, Theiss-Verlag, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-8062-2420-7, 24,95 Euro.

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