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Quo vadis, Europa?

Von In der Tageszeitung las man in den vergangenen Jahren viel von Euro-Skeptikern, die Idee eines vereinten Kontinents wurde wiederholt infrage gestellt. Die Königsteiner Europa-Initiative will dagegenhalten.
So sah der italienische Maler Guido Reni die Göttin Europa. Die Königsteiner Europa-Initiative will die gemeinsame kulturelle Geschichte des Kontinents stärker in den Mittelpunkt gerückt wissen. So sah der italienische Maler Guido Reni die Göttin Europa. Die Königsteiner Europa-Initiative will die gemeinsame kulturelle Geschichte des Kontinents stärker in den Mittelpunkt gerückt wissen.
Königstein. 

Am Montag wurde die Europäische Union mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Dr. Hermann Jakob Winter, der umtriebige Vorsitzende der Königsteiner Europa-Initiative, verfolgte die Verleihung in Bonn. Die dortige Vertretung der Europäischen Kommission, die auch für das Bundesland Hessen zuständig ist, hatte ihn ins Alte Bonner Rathaus zu einem Festakt eingeladen. Eine gute Gelegenheit, um neue Kontakte zu knüpfen und das Netzwerk des Vereins zu erweitern. Denn es werden viele helfende Hände nötig sein, um die Ziele, die sich die Initiative gesetzt hat, Realität werden zu lassen.

Dazu zählt unter anderem die Schaffung von Begegnungsstätten in Berlin und Frankfurt, die die europäische Kulturgeschichte lebendig werden lassen und Raum bieten sollen, um ein gemeinsames Bewusstsein für die europäische Idee zu entwickeln. Der Ansatz sieht auch Angebote für Schüler sowie die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema vor. Im Vordergrund steht jedoch die Information der Bürger darüber, "was Europa kulturell darstellt". An Ideen mangelt es nicht, doch gestaltet sich ihre Umsetzung ein Jahr nach Gründung des Vereins als schwierig. Probleme bereiten vor allem die Finanzierung, der Aufbau der Organisation sowie die Suche nach weiteren "zuverlässigen Mitwirkenden", erklärt Dr. Winter. Derzeit hat der Verein 30 Mitglieder.

Politik der kleinen Schritte

Europa wurde auch nicht an einem Tag erbaut, und so nähert man sich den hehren Zielen in kleinen Schritten. Beispiel Finanzierung: Mit der Vertretung der Europäischen Kommission in Bonn vereinbarte die Initiative bereits vor dem Festakt zur Nobelpreisverleihung eine Zusammenarbeit, die zumindest die Möglichkeit der Finanzierung von gemeinsamen Projekten bietet. Der Vorsitzende ist ob des großen Zuspruchs optimistisch, weitere Gelder zu erhalten. Eines steht für ihn jedoch auch fest, und damit grenzt sich die Initiative in einem Punkt klar zu den europäischen Staaten ab: "Schulden dürfen auf keinen Fall gemacht werden."

Der Organisationsaufbau wurde vor allem durch das Knüpfen zahlreicher Kontakte und die Präsenz bei wichtigen Veranstaltungen zum Thema Europa vorangetrieben. Hier spielen vor allem die Gründer des Vereins "Freundeskreis Europa Berlin" eine große Rolle, die die Initiative künftig in Berlin vertreten sollen. In Königstein soll darüber hinaus mittelfristig ein Zentralbüro betrieben werden. Die Stadt sei ideal für die Zwecke, die der Verein verfolgt. Dr. Winter: "Sie ist verkehrsgünstig gelegen, bietet eine schöne Umgebung und eine gute Atmosphäre." Mit dem HdB und den nahegelegenen Hotels biete sie sich außerdem für nationale und internationale Konferenzen an.

Große Tragweite

Spätestens bis 2014 sollen viele der Pläne umgesetzt worden sein. 100 Jahre zuvor begann der Erste Weltkrieg, 75 Jahre zuvor der Zweite Weltkrieg, und der Fall der Berliner Mauer jährt sich übernächstes Jahr zum 25. Mal. "Die Tragweite dieser Jahrestage muss auch in der Bundeshauptstadt respektiert werden", findet der Vorsitzende.

Bleibt die Frage, woher die große Motivation von Dr. Winter und seinen Mitstreitern kommt, sich für die europäische Sache einzusetzen. Es gebe viele Gründe, erklärt der Vorsitzende, und nennt zwei persönliche: "Ich habe einen Krieg miterlebt. Und ich bin 1953 als Student nach Jugoslawien gefahren und habe dort sofort einen Freund gewonnen. Diese Freundschaft hielt bis zu seinem Tode mehr als 50 Jahre später."

In Ländern wie Spanien ist unterdessen mehr als jeder zweite junge Mensch arbeitslos. Wie soll man ihnen aufzeigen, dass es sich lohnt, sich für Europa einzusetzen? Dr. Winter: "Es geht nur, wenn wir zusammenstehen. Wir dürfen auf keinen Fall riskieren, dass wieder Nationalismus aufkeimt." Durch die Katastrophe des Zweiten Weltkriegs hätten alle europäischen Staaten verloren. Das zweite Übel sei, wenn sich die Völker aufgrund von Religionen entzweien. Dass dagegen Verträge alleine nicht genügen, weiß auch Dr. Winter: "Die Menschen in Europa müssen mit dem Herzen dabei sein. Dafür wollen wir eintreten."

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