RMV: "Wir sind nicht so teuer"

Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) hat im vergangenen Jahr so viele Fahrgäste wie noch nie befördert – und hält die Tarife trotz vielfältiger Kritik nicht für zu hoch. Dennoch soll im Sommer eine Reform beschlossen werden.
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Frankfurt. 

705 Millionen Fahrgäste hat der Rhein-Main-Verkehrsverbund im vergangenen Jahr befördert. "Das ist der höchste Wert seit Gründung des Verbundes vor 17 Jahren", freute sich gestern RMV-Geschäftsführer Knut Ringat. Die Zahl ist überraschend, denn 2010 lag sie noch bei 667 Millionen. Wobei ein Teil des Anstiegs den alten Hochrechnungen anhand der verkauften Tickets geschuldet ist, die wahrscheinlich jahrelang zu niedrig ausgefallen sind. Nun hat der RMV nach längerer Zeit wieder umfangreiche Zählungen veranlasst. Und dabei kam heraus: Die Zeitkarten werden häufiger genutzt als noch vor einigen Jahren. Gewinnerin ist vor allem die S-Bahn, bei der gegenüber 2004 eine Steigerung der Fahrgastzahlen von 21 Prozent verzeichnet wurde.

Stadtticket möglich

Etwa in gleicher Höhe sind seit 2004 auch die Tarife gestiegen – was bei Fahrgästen und Kommunalpolitikern immer wieder auf Kritik stößt. Doch die Fahrpreise seien im bundesweiten Vergleich gar nicht zu hoch, meint Ringat. "Wir liegen im Mittelfeld." Und wenn man die Fahrpreise in Relation setze zur Fläche, die man damit befahren kann, sei der RMV sogar einer der günstigsten Verbünde in Deutschland, lobt der Chef sein Unternehmen.

So aber rechnen die Fahrgäste nicht – sie ärgern sich zum Beispiel über relativ hohe Preise für kurze Strecken. "Wir haben die Defizite unseres Tarifsystems auf dem Schirm", sagt Ringat. Im Juni soll der RMV-Aufsichtsrat in der letzten Sitzung unter der Leitung von Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) eine weitere Stufe der Tarifreform beschließen. Dann sollen Stadt- und Regionalverkehr voneinander entkoppelt werden. Die Städte bekommen einen größeren Gestaltungsspielraum bei den Fahrpreisen. Es könnte dann ein eigenes Frankfurter Stadtticket geben, oder das Stadtgebiet könnte in mehrere Tarifstufen unterteilt werden. Das würde das Stadtparlament beschließen. Bisher ist das nicht möglich.

Ringat betont aber auch: "Am Ende dürfen wir nicht weniger Einnahmen haben." Das heißt: Das Fahrpreisniveau wird insgesamt nicht gesenkt. Der RMV wolle den Kostendeckungsgrad von 57 Prozent halten. Pro Fahrt erzielt der RMV derzeit einen Erlös von durchschnittlich 1,04 Euro. In Berlin-Brandenburg sind es nur 81 Cent. Würden die Fahrpreise auch in der Rhein-Main-Region auf dieses Niveau gesenkt, würden dem RMV jedes Jahr 128 Millionen Euro in der Kasse fehlen.

Rabatt für Senioren?

Dabei kann sich eine Reduzierung der Fahrpreise durchaus rechnen, wie die Stadt bei der "Clever Card" für Schüler und Auszubildende vorgemacht hat. Das Ticket wird jetzt deutlich häufiger verkauft, so dass der Nachlass von 100 Euro wieder hereinkommt. Dennoch will der RMV dieses Modell nicht ohne weiteres auf das gesamte Gebiet übertragen. "Es muss jemand das Risiko tragen", sagt Susanne Bieling, beim RMV für die Finanzen zuständig.

Was aber kommen könnte, ist ein vergünstigtes Seniorenticket, das es zum Beispiel beim Nordhessischen Verkehrsverbund bereits gibt. Der RMV hat dazu eine Marktanalyse in Auftrag gegeben.

Positive Nachrichten hatte er gestern beim leidigen Thema Pünktlichkeit zu vermelden. 96 Prozent aller S-Bahnen hatten im vergangenen Jahr weniger als sechs Minuten Verspätung – und gelten damit nach der aktuellen Definition als pünktlich. Vor einigen Jahren war dieser Wert zeitweise unter 93 Prozent gesunken. Seitdem seien Infrastruktur und Fahrpläne verbessert worden, berichtete Thomas Busch, RMV-Geschäftsbereichsleiter Planung. Jetzt soll noch ein Problem gelöst werden: Am Hauptbahnhof stehen die Züge zu lange, weil der Fahrgastwechsel zu lange dauert. Neue Markierungen sollen helfen, dass das Ein- und Aussteigen schneller geht.

In letzten Winter hatten Schnee und Eis zu Verspätungen geführt. Das sollte besser werden: Weichen wurden mit elektrischen Heizungen ausgestattet, in den Werkstätten gibt es Winterbereitschaften, die Bahn hat zusätzliche Geräte zum Abtauen der Fahrzeuge angeschafft. Jetzt muss es nur noch kalt werden . . .

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