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Rettet Weigands Grab!

Von Ohne Gustav Weigand hätte es das Kurstift vielleicht nie gegeben. Jetzt soll das Grab des Homburger Wohltäters abgeräumt werden. In der Kurstadt regt sich Widerstand.
Das darf nicht sein: Die letzte Ruhestätte des Homburger Wohltäters Gustav Weigand steht kurz vor der Abräumung.	Foto: Priedemuth Bilder > Das darf nicht sein: Die letzte Ruhestätte des Homburger Wohltäters Gustav Weigand steht kurz vor der Abräumung. Foto: Priedemuth
Bad Homburg. 

Gerda Erfurt lebt im Kurstift und hat daher ein „besonderes Verhältnis“ zu Gustav Weigand. Schließlich ist es vor allem der gleichnamigen Stiftung zu verdanken, dass das Altenwohnstift gegenüber Karstadt überhaupt entstanden ist (siehe ZUR PERSON). Umso erschütterter war die Rentnerin, als sie kürzlich auf dem Friedhof der Erlöserkirche am Untertor war: Dort haben nämlich schon erste Arbeiten begonnen, das Grab des Wohltäters abzuräumen.

Nachfrage im Gemeindebüro der Erlöserkirche: Soll das Grab tatsächlich verschwinden? In der Tat: Es gibt einen Antrag der Nutzungsberechtigten (die aus Gründen des Datenschutzes nicht genannt werden dürfen), das Grab räumen zu dürfen. „Wir wollen allerdings zumindest die schöne Engelsstatue erhalten“, sagt Diethelm Harder, Vorsitzende des Kirchenvorstands. Es komme immer wieder mal vor, dass besondere Grabsteine erhalten blieben, wenn das dazugehörige Grab geräumt werde. Allerdings würden die Grabsteine oder Statuen an einem anderen Standort aufgestellt. Letztlich ist aber auch Harder der Meinung, dass das Grab einer solch großen Persönlichkeit der Homburger Stadtgeschichte erhalten bleiben sollte. Doch der Gemeinde sind da ein Stück weit die Hände gebunden. Denn um Weigands Grabstätte zu einem städtischen Ehrengrab umzuwidmen, braucht es einen Magistratsbeschluss.

Zur Person: Der Weinhändler

Ohne Gustav Weigand (1840-1928), das wissen heute nur die wenigsten, hätte es kein Kurstift gegeben. Bereits im Alter von 25 Jahren eröffnete der spätere Stadtverordnete auf dem heutigen Karstadt-Areal ein Hotel.

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„Es ist beschämend und traurig, dass sich die Stadt nicht für die Erhaltung dieser Grabstätte einsetzt“, macht Kurstiftbewohnerin Gerda Erfurt ihrem Unmut Luft. Damit tut sie der Stadt allerdings Unrecht, denn das Rathaus hat erst durch eine Anfrage der TZ davon erfahren, dass das Grab geräumt werden soll. „Wir können erst jetzt tätig werden“, sagt Stadtsprecherin Kirsten Ohlrogge. Aber Kulturdezernentin Beate Fleige (BLB), in deren Beritt die Ehrengräber fallen, ist sich sicher, dass man im Magistrat zu dem Schluss kommen wird, dass das Grab erhaltenswert sei. Ein Urteil, zu dem Stadthistorikerin Gerta Walsh bereits vor 10 Jahren gelangt ist, als sie im Auftrag der Stadt eine Dokumentation über die Homburger Friedhöfe erstellte. In ihrer Beurteilung zum Grab Weigands heißt es: „Die Grabstätte ist aus kunsthistorischen und ortsgeschichtlichen Gründen erhaltenswert.“ Eine Meinung, die ganz ähnlich auch in der Denkmaltopographie der Stadt nachzulesen ist. Gut zu wissen, dass die Erlöserkirche das Grab noch nicht endgültig abgeräumt hat. Zwar ist das Grab momentan in keinem allzu beneidenswerten Zustand, aber durchaus noch zu retten.

Bleibt noch die Frage zu klären, warum auch das imposante Ölgemälde von Gustav Weigand verschwunden ist, das viele Jahre im Kaminzimmer des Kurstifts hing? Der Grund dafür ist im Besitzerwechsel des Kurstifts zu suchen. Wie berichtet, hat die Stadt das Wohnstift Anfang des Jahres an die Jupiter GmbH verkauft. „Damals haben wir das Bild, das nur eine Leihgabe war, zurückgefordert“, erklärt Stadtsprecherin Ohlrogge. Momentan befindet sich das Gemälde im Gotischen Haus. Die neue Geschäftsfühererin des Kurstifts, Katrin P. Feick, bestätigt, dass die Stadt das Bild zurückverlangt habe. „Es war ja auch nur eine Leihgabe. Allerdings ist das ein charmantes Thema“, sagt Feick. Vielleicht setzt sich die Stadt ja nicht nur für den Erhalt des Weigand-Grabes ein, sondern leiht das Gemälde ja noch mal dem Kurstift.

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