Scheitern nicht erlaubt

An Burn-out erkranken vor allem Menschen in sozialen Berufen. Beim Jahreskongress "Männergesundheit" erfuhr man, warum Männer eine besondere Risikogruppe sind, dass man aber rauskommen kann aus dem Hamsterrad.
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Bad Homburg. 

Nie begnügt er sich mit 98 Prozent. Dann glaubt er, versagt zu haben. Die Arbeit ist seine Identifikationsquelle, etwas anderes gibt es in seinem Leben nicht mehr. "Ausruhen ist faulenzen", lautet seine Devise. Aus dem bisher umgänglichen Chef ist ein zynischer Vorgesetzter geworden. Im Winter schippt er sogar den Schnee vor der Firma. Das geht bis zur totalen Erschöpfung. Doch auch nach drei Wochen Urlaub tritt keine Erholung ein. Ein typischer Fall von Burn-out, dem krankhaften Ausgebranntsein.

Über Risikofaktoren, Behandlungsmöglichkeiten und Präventionsmaßnahmen referierte Dr. Axel Schüler-Schneider beim Jahreskongress "Männergesundheit" der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit im Kurhaus. Hier wurden erstmals Burn-out-Berater ausgebildet. An der Zusatzqualifikation nahmen 70 der insgesamt knapp 200 Ärzte teil, die den Kongress besuchten.

Keine Reserven mehr

"Besonders gefährdet sind Polizisten und Lehrer, sie unterliegen einem zunehmenden Druck", so Schüler-Schneider. Den Begriff Burn-out bezieht er ausschließlich auf einen berufsbedingten Erschöpfungszustand. "Burn-out ist eine Sonderform der Depression – eine Abwehr, um das drohende Scheitern zu verhindern." Wird es nicht behandelt, führt es zu einer tiefen Depression. Gefährdet sind leistungsorientierte Menschen, die nicht gewohnt sind, zu scheitern, und die ihr Selbstwertgefühl ausschließlich aus der Arbeit ziehen.

Ein Burnout verläuft in vier Phasen: Zunächst versucht der bereits erschöpfte Betroffene, durch ein Mehr an Anstrengung das Scheitern zu verhindern. Das führt zu emotionaler Erschöpfung und Antriebslosigkeit. "In dieser Phase fallen Sätze wie: ,Ich habe keine Reserven mehr‘", berichtete der Psychotherapeut. Später folge der Verlust der Identität. Das Verhalten und Empfinden des Patienten ändern sich. Er wird gefühllos und sarkastisch und zeigt eine gleichgültige Haltung selbst gegenüber geliebten Menschen.

Der Rückzug in die eigenen vier Wände beschleunige den Abwärtstrend. "Der soziale Rückhalt wird zerstört, die Depression verstärkt." Eine Aussichts- und Hoffnungslosigkeit erfasst den Patienten. Suizid sei für Betroffene oft die letzte Möglichkeit, den unerträglichen Zustand zu beenden.

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Auch der Körper sendet Signale. Zu Symptomen zählen Schwindel, Schlafstörungen, Herz-Kreislauf-Störungen, Kopf-, Rücken- und Muskelschmerzen, Tinnitus und Hörsturz, Impotenz, Libidoverlust und Zyklusstörungen, Ticks wie Zuckungen im Gesicht und Zähneknirschen oder Sucht.

"Nicht immer kann Burnout geheilt werden, aber helfen kann man immer", so Schüler-Schneider. Das setze allerdings voraus, dass der Betroffene daran interessiert sei, die Ursache für die Erkrankung zu klären und eine Lösung des Konflikts anzustreben. Der erste Schritt der Therapie besteht deshalb darin, den Betroffenen aus dem Arbeitsprozess, dem Hamsterrad, herauszunehmen. Aber "Krankschreiben ist keine Therapie", betont der Experte.

Die Behandlung gliedert sich in drei Phasen. Zunächst gelte es, zur Ruhe zu kommen, dann über die eigenen Wünsche und Ziele nachzudenken. Im letzten Schritt würden die Zukunftsperspektiven erarbeitet. Zur Therapie gehöre es, Sport zu treiben, drei Mal in der Woche 30 Minuten. Entspannung wird bei QiGong, Autogenem Training oder Yoga praktiziert. Zusätzlich erfolgt eine medikamentöse Therapie. "Junge Leute sind oft nach sechs Wochen wieder arbeitsfähig", sagte der Referent. Bei älteren Menschen dauere es länger, weil sie durch ihr längeres Leben mehr aufzuarbeiten hätten.

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23.04.2012
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