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Schüler entdecken ihre Stärken

Eurythmie – diese Bewegungskunst ist weit komplexer als das Klischee, den eigenen Namen zu tanzen. Auch das erfuhren Interessierte am Samstag in der Freien Waldorfschule Vordertaunus, die zum "Tag der offenen Klassenzimmer" eingeladen hatte.
Was die Schüler im Musikunterricht lernen, auch dazu konnten die Besucher einen Einblick gewinnen. Foto: jr Was die Schüler im Musikunterricht lernen, auch dazu konnten die Besucher einen Einblick gewinnen. Foto: jr
Oberursel. 

"Meine Herren, der Tod ist ein geschickter Bursche, das heißt, ihr macht die Schritte zur Musik passend lang-kurz-kurz-lang, dann seid ihr auch nicht so schnell", erläutert Heiko Feiler den Jungen der Klasse neun, die gerade gemeinsam mit einigen Mädchen im Eurythmieraum der Freien Waldorfschule Vordertaunus in Aktion sind, während die andere Hälfte der Klasse auf dem Boden sitzend das Geschehen verfolgt.

"Der Tod und das Mädchen" von Franz Schubert steht auf dem Programm: Die Neuntklässler sollen das Kunstlied, das Pianist Konstantin Arro vorspielt, und den Gedichttext, den Heiko Feiler dazu rhythmisch passend vorträgt, in verschiedene Bewegungen und Schrittfolgen umsetzen. Da das besonders bei den Jungen, die den Tod darstellen, noch nicht so richtig klappt, hilft Lehrer Feiler hier und da, bis alles stimmt.

Es ist Samstagvormittag und "Tag der offenen Klassenzimmer" in der Bildungseinrichtung im Oberurseler Norden. Besonders am Fach Eurythmie, das hier von der ersten Klasse an unterrichtet wird und in der zwölf mit einer großen öffentlichen Aufführung abschließt, besteht Interesse. Und so haben die Schüler in ihren Turnschläppchen an diesem Tag einige kleine und große Zuschauer, was die Sache nicht gerade einfacher macht.

Mit einem gängigen Klischee kann Heiko Feiler, der seit zwei Jahren an der Schule Eurythmie und Altgriechisch gibt, gleich aufräumen. "Seinen Namen tanzen muss man hier nicht", sagt der 45-Jährige lächelnd. "Das machen wir höchstens mal als Gag in der zweiten oder dritten Klasse." Sinn der Sache sei es aber nicht. "Die Eurythmie ist eine Bewegungskunst, in der Sprache und Musik durch den Körper ausgedrückt werden. Jeder Laut hat eine Bewegung." Es sei bekannt, dass "Kinder, die ein Instrument spielen, besser lernen. Und hierbei ist der Körper das Instrument", so Feiler. "Die Schüler lernen Konzentration und Koordination und werden selbstbewusster. Das sind Fähigkeiten und Kompetenzen fürs ganze Leben." Und da der Einzelne stets auf die Bewegungen der anderen achten müsse, werde auch Rücksicht vermittelt.

Eltern, deren Kinder auf die Waldorfschule gingen, schätzten besonders die vielen Gelegenheiten, sich einzubringen, sagt Joachim Hustedt, dessen Sohn Magnus die vierte Klasse besucht. "Die Eltern gestalten das Schulleben mit, werden nicht erst kontaktiert, wenn es Probleme gibt", lobt der Vater, der für die Schulzeitung verantwortlich zeichnet. Den Ausschlag für ihn gab außerdem die Tatsache, dass "hier nicht nur Stoff vermittelt wird, sondern Persönlichkeiten gebildet werden". Dabei gibt es keine Noten und kein Sitzenbleiben. Ein Notenzeugnis ergänzt erst von der neunten Klasse an die individuelle Beurteilung, um die staatlichen Abschlüsse zu ermöglichen.

Zum dritten Mal präsentiert sich die Schule mit dem "Tag der offenen Klassenzimmer". "Dieses Mal sind außer den zahlreichen Eltern, die ihre Kinder mal im Unterricht erleben wollen, auch viele hier, die sich für eine Einschulung interessieren", freut sich Angela Hahn, Geschäftsführerin der Schule in freier Trägerschaft. "Die Anmeldesituation ist sehr gut", so Hahn, die auch mal Absagen erteilen muss, denn "wir möchten überschaubar bleiben" (siehe auch unten stehenden Text). Verstärkt wollten zuletzt Schüler mit mittlerer Reife hier in die Oberstufe, die zum Abitur führt, berichtet sie. mrm

Wer den Tag verpasst hat, findet im Internet unter www.waldorfschule-oberursel.de weitere Informationen.

(Manuela Reimer)
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