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Seidenstraße führt mitten durch den Kurpark

Von In Windeseile verwandelte sich das altehrwürdige Balkonzimmer des Kurhauses dieser Tage in einen zentralasiatischen Markt. Verantwortlich dafür: flinke Frauenhände, die die Trommel rührten für ihre fremde, so weit entfernte Heimat – Kirgisistan.
Königstein. 

"Mythos Seidenstraße": Vor dem geistigen Auge ziehen lange Reihen von Kamelen vorbei – jedes der Tiere voll beladen mit wertvollsten Stoffen aus dem fernen China. Auf ihrem Weg zum Mittelmeer, wo die Händler bereits händereibend auf die Schätze aus dem Reich der Mitte warten, passieren die Karawanen die reichen, uralten Städte Taschkent, Samarkand, Buchara. Orte, die schon Alexander der Große gesehen haben soll. Orte mit prächtigen Kulissen wie aus 1001er Nacht. Es sind Bilder einer glanzvollen, mythischen Vergangenheit. Doch die Menschen an der Seidenstraße haben auch eine Gegenwart und brauchen vor allem eine Zukunft.

Das weiß Dr. Asel Temiralieva-Meyer vom "Deutsch-Kirgisischen Kulturverein" nur zu gut und deshalb versucht die Kirgisin, die von 2003 bis 2008 in Wehrheim wohnte, in Deutschland etwas für die Menschen in ihrer Heimat zu tun – vor allem für die Frauen.

Deren Situation nämlich, so Temiralieva-Meyer, werde immer schwieriger in einem muslimischen Land, dessen Gesellschaft – nach Jahrhunderten großer Toleranz – durch Einfluss aus der Türkei und den arabischen Staaten in Fragen von Religion und Geschlechtertrennung zunehmend strenger werde. Eine Entwicklung, die der mittlerweile in Berlin lebenden Frau große Sorge bereitet.

Hilfe für Frauen

Dem Hineinzwängen von Frauen in eine von Männern dominierte Rollenverteilung will Temiralieva-Meyer entgegenwirken. Ihr Ansatz: Mit Unterstützung des Kulturvereins und ihrer eigenen kleinen Firma "Nomad’s Spirit" will sie den deutschen Markt für Handarbeit aus Kirgisien öffnen und den Frauen in ihrer Heimat so eine Perspektive für die Zukunft eröffnen.

"Ich will das Selbstvertrauen der Frauen stärken, ihnen die Möglichkeit geben, sich über die eigene Arbeit nicht nur ein finanzielles Auskommen zu sichern, sondern auch Bestätigung zu holen." Just zu diesem Zweck war Temiralieva-Meyer jetzt mit einer großen Gruppe kirgisischer Handwerkerinnen in Deutschland auf Tour.

Beginnend in Berlin, wo die Kunst von der Seidenstraße bei der internationalen Fachmesse "Import-Shop" im großen Stil präsentiert wurde, ging es über Bremen nach München – mit einer Zwischenstation im Königsteiner Kurhaus. "Wir haben die Tour extra abgeändert, um hier vorbeizukommen", erzählte Temiralieva-Meyer lachend, während ihre Mitreisenden wärmende Hausschuhe, Schals, Mützen und Geschenkartikel en gros aus ihren Koffern wirbelten und die "Villa Borgnis" für wenige Stunden aus dem Taunus an die Seidenstraße zauberten.

Warum ausgerechnet Königstein? Aus alter Verbundenheit – nach fünf Jahren in Wehrheim. Aber vor allem auch, weil die Unternehmerin im Taunus viele Kunden kennt, die ein Faible für die kirgisischen Filzsachen haben, die Temiralieva-Meyer verkauft: "Ich bin jedes Jahr mit einem Stand auf den Weihnachtsmärkten in Königstein und Bad Homburg vertreten. Die Leute hier lieben die Produkte aus meiner Heimat."

Alles aus Filz

Die vor allem aus Merino-Wolle geschaffenen Filzarbeiten – mal verziert mit traditionellen kirgisischen Motiven, mal im modernen Ethno-Stil – kommen beim deutschen Publikum sehr gut an, betont die umtriebige Geschäftsfrau, die sich nicht nur im Deutsch-Kirgisischen Kulturverein, sondern auch bei der Stiftung "Shardana" für die Pflege und den Fortbestand der kirgisischen Kultur und Handwerkskunst engagiert.

Über dieses Engagement hofft Dr. Asel Temiralieva-Meyer zur Wahrung der Identität ihrer Heimat beitragen und dem "Mythos Seidenstraße" eine Zukunft geben zu können.

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