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Sinclair und der Hochverratsprozess

Die Dorotheenstraße ist eine der bedeutendsten Straßen der Kurstadt. Sie besitzt auch eine besondere Zukunft: Im Mai wird sie zur Kulturmeile ernannt. Zurecht, denn welche Straße birgt so viele Kulturdenkmäler wie sie? In einer Serie stellen wir diese geschichtsträchtige Straße vor.
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Homburg. 

Im Jahr 1775 wurde der Hölderlin-Freund Isaac von Sinclair in Homburg geboren. Ob im Schloss oder im Haus Dorotheenstraße 2, ist nicht eindeutig geklärt, selbst Kirchenbücher geben darüber keine Auskunft. Sein Vater wohnte im Schloss, da er als Erzieher des zukünftigen Landgrafen Friedrich V. immer in der Nähe seines Schützlings sein musste.

Im Alter von drei Jahren verlor Isaac den Vater. Mit seiner Mutter lebte er einige Jahre im von Creutzschen Haus (Nr. 2), bis diese 1784 den Hofmarschall August Leberecht von Proek heiratete und das Haus Dorotheenstraße 6 erwarb. Ihr Eheglück dauerte nur zwölf Jahre: Am 26. März 1796 starb Herr von Proek an den Folgen eines „Verkehrsunfalls“, als seine Kutsche in der Nähe von Köppern umgeworfen wurde und ihn schwer verletzte.

Seine Witwe und ihr Sohn Isaac bewohnten nun das Haus zusammen mit der Dienerschaft und hätte Isaacs Studienfreund Friedrich Hölderlin gerne hier aufgenommen, als dieser von 1798 bis 1800 und von 1804 bis 1806 in Homburg lebte. Doch dieser wollte nicht in Abhängigkeit geraten und behalf sich mit gemieteten Stuben.

Nach seinem Studium in Tübingen und Jena erklomm Isaac von Sinclair rasch die Karriereleiter eines Verwaltungsbeamten im Dienste Landgraf Friedrichs V. Seine Sympathie für die Ideen der französischen Revolution und das hochfahrende Wesen machte ihn bei der Bürgerschaft Homburgs unbeliebt. Daher kam in den frühen Morgenstunden des 26. Februar 1805 wenig Mitgefühl auf, als ein Trupp Soldaten und württembergische Beamte vor dem Haus Dorotheenstraße 6 so lange lärmten, bis die Haustüre geöffnet wurde. Was war geschehen?

Sinclair war denunziert worden. Man warf ihm vor, er plane einen Anschlag gegen das Leben des Kurfürsten Friedrich von Württemberg und verlangte seine Auslieferung. Die Arretierung dauerte einige Stunden, denn es fand außerdem noch eine Hausdurchsuchung statt sowie die Sicherung und der Abtransport von Akten und Papieren. Man kann sich vorstellen, mit welcher Geschwindigkeit sich diese Neuigkeiten in der kleinen Stadt verbreiteten und wie sich immer mehr Zuschauer in der Dorotheenstraße einfanden!

Seiner aufgeregten Mutter, die fest an seine Unschuld glaubte, sagte Sinclair: „Unschuldig bin ich, aber ich war doch sehr leichtsinnig.“ Er leugnete nicht, mit einigen Freunden über politische Veränderungen gesprochen zu haben; aber vom Mord am Kurfürsten sei nie die Rede gewesen.

Dem Hochverratsprozess gegen Sinclair und drei seiner Freunde in Ludwigsburg folgten vier Monate Haft im Gefängnis. Da ihm nichts Konkretes nachzuweisen war, konnte er am 9. Juli nach Homburg zurückkehren. Sein Ruf war jedoch untergraben, und er wagte monatelang nicht, sein Haus zu verlassen. Er wurde nie rehabilitiert, obwohl ihm viel daran gelegen war, seine völlige Unschuld zu beweisen.

Isaac von Sinclair vertrat die Landgrafschaft Hessen-Homburg und seinen Landgrafen 1815 auf dem Wiener Kongress. Hier starb er nur wenige Tage nach seiner Mutter, die in Homburg geblieben war.

Frau von Proek verwitwete Sinclair war Eigentümerin einer Mühle am Platzenberg gewesen, die noch heute den Namen Proekenmühle trägt. Ihr Haus Dorotheenstraße 6 blieb bis 1850 in den Händen von höheren Beamten des jeweiligen Landgrafen, gehörte aber später Handwerksmeistern. Der jetzige Bau entstand nach Vorgaben des Denkmalamtes in der ursprünglichen Form.

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