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So werden schiefe Töne sauber

Von Die Klais-Orgel in St. Marien wird derzeit einer kleinen Generalüberholung unterzogen. Etwa ein Drittel der Orgelpfeifen werden grundgereinigt. Eine langwierige Angelegenheit – und vor allem eine teure.
Orgelbaumeister Thomas Müller reinigt derzeit die Orgelpfeifen von St. Marien. Eine aufwendige Arbeit. Foto:jp Orgelbaumeister Thomas Müller reinigt derzeit die Orgelpfeifen von St. Marien. Eine aufwendige Arbeit. Foto:jp
Bad Homburg. 

Einen Pinsel, eine Druckluftpumpe, einen kleinen Wischlappen und einen kleinen Eimer mit Wasser, mehr braucht Thomas Müller nicht, um seiner Arbeit nachzugehen. Klingt so, als wäre der Mann Fensterputzer, sagen Sie? Weit gefehlt! Er hat einen weitaus diffizileren Job. Er ist Orgelbaumeister. In dieser Eigenschaft ist er derzeit damit beschäftigt, sage und schreibe 900 der 2500 Orgelpfeifen der Klais-Orgel von St. Marien fachmännisch zu reinigen.

Für seine Arbeit braucht der 40-Jährige vor allem dies: ein ruhiges Händchen. Nicht nur, dass die kleinste Pfeife, die er bearbeitet, gerade mal einen Zentimeter groß ist. Müller muss vor allem die Sortierung im Blick haben. "Ich nehme deswegen immer vier Pfeifen aus einer Reihe raus, lege sie auf ein Tuch und reinige sie nach und nach. Danach setze ich sie vorsichtig und in der richtigen Reihenfolge wieder ein", erklärt der Fachmann.

Zinn-Blei-Legierung

Vorsicht ist vonnöten, denn die Pfeifen der Klais-Orgel (siehe ZUM THEMA) sind aus einer hauchdünnen Zinn-Blei-Legierung. Wenn man die Pfeifen zu hart anfasst, bekommen sie ratz, fatz eine Delle. "Und das wäre klanglich sofort zu hören – vor allem für Experten", sagt Müller, der selbst nicht nur Orgel-Experte ist, sondern auch Klavier, Fagott und Schlagzeug spielt. "Musik liegt mir einfach im Blut, als Sohn eines Organisten ist das kein Wunder", sagt Müller, der aus der Eifel stammt und jetzt als selbstständiger Orgelbaumeister für die Firma Klais in Bonn tätig ist.

900 Pfeifen von Staub und Kerzen-Ruß zu befreien, damit ist Müller insgesamt zwei Wochen lang beschäftigt. Zur Reinigung gehört nämlich auch, hinterher die Orgel wieder perfekt zu stimmen, damit es auch keine Misstöne gibt. Das ist auch für Dr. Kai Mathieu vom Rotary Club Bad Homburg-Schloss wichtig. "Seit 1995, unter Mitwirken von Rotary Bad Homburg-Schloss, das Orgelfestival Fugato aus der Taufe gehoben wurde, findet das Preisträgerkonzert der Orgelkurs-Teilnehmer in St. Marien statt. Insofern ist es uns natürlich ein besonderes Anliegen, dass die Klais-Orgel ordentliche Töne von sich gibt." Deswegen greifen die Rotarier tief in die Tasche und sponsern die Aktion mit 2500 Euro.

Die gleiche Summe stiftet auch der Lions Club-Weißer Turm. "Die ,Nacht der Chöre‘ in St. Marien steht bei uns seit mittlerweile neun Jahren fest im Terminkalender. Es war uns wichtig, unsere Verbundenheit mit dieser Kirche als Veranstaltungsort, als Teil des Kulturlebens zu dokumentieren", sagen die Lions-Mitglieder Ulrich Schweizer und Peter Foeller.

9000 Euro Kosten

Übrig bleiben allerdings immer noch 4000 Euro für diese "kleine" Sanierung. Die zahlt nach Angaben des stellvertretenden Verwaltungsratsvorsitzenden, Christoph Maas, der Förderverein von St. Marien. "Es ist wunderbar, dass wir so viel Hilfe und Zuspruch von außen bekommen, fürs Erste wird zumindest ein Teil der Orgel wieder in einen guten Zustand versetzt. Mit Blick auf das Fugato-Preisträgerkonzert am Donnerstag, 13. September, eine großartige Sache", sagt Maas.

Gleichwohl werde man es damit nicht bewenden lassen können. "Wir hatten ja bereits im Jahr 2004 vor, die Klais-Orgel komplett zu sanieren, also mit Ausbau aller Orgelpfeifen, auch der fünf Meter großen, bis hin zur Sanierung der Pedale und Abstrakte, die die Tasten mit dem Ventil verbinden", erklärt Maas. 150 000 Euro würde eine solche Generalüberholung allerdings kosten. Geld, das derzeit nicht vorhanden ist – "das Bistum kümmert sich um die Außenfassade, im Inneren ist die Gemeinde selbst gefragt."

Außerdem wäre ein solches Vorhaben organisatorisch derzeit unsinnig. "Wir müssen zunächst den Innenraum der Kirche renovieren. Dabei entsteht wieder Staub und Dreck – deswegen müssen wir mit der großen Orgelsanierung noch warten", sagt Maas und fügt hinzu: "Und hoffentlich sind uns die Spender dann auch wieder gewogen. Der Kirchenraum ist ja nun einmal kein Konzertsaal, über dessen Miete man Geld für Reparaturarbeiten einnehmen kann." Über Patenschaften allerdings schon. Heilig Kreuz hat es bekanntlich vorgemacht und Orgelpfeifen-Patenschaften vergeben. So kamen schnell 3000 Euro für die Sanierung der denkmalgeschützten Walker-Orgel von 1867 zusammen.

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