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Übers Kopfsteinpflaster zum Schloss

Die Dorotheenstraße ist nicht nur eine der traditionsreichsten Verbindungen der Kurstadt. Sie hat auch eine besondere Zukunft: Im Mai wurde sie offiziell zur Kulturmeile ernannt. Zu Recht, denn welche Straße birgt so viele Kulturdenkmäler wie sie? In einer Serie stellen wir diese geschichtsträchtige Straße vor.
Kopfsteinpflaster und Torpfosten - die Dorotheenstraße (1870). Foto: gw. Kopfsteinpflaster und Torpfosten - die Dorotheenstraße (1870). Foto: gw.
Bad Homburg. 

Als der Fotograf um 1870 das nebenstehende Bild aufnahm, stand er in der Mitte der Dorotheenstraße mit Blick auf das Schloss. Vorne rechts steht das Haus Nr. 14 und daneben das Jacobi-Haus (Nr. 12), das durch den starken, bis ins obere Stockwerk reichenden Pflanzenbewuchs leicht zu erkennen ist.

Links vorne und nur zur Hälfte sichtbar befindet sich Nr. 13 (mit der Straßenlaterne an der Ecke), der heutige Sitz des Gemeindebüros St. Marien. Bleibt man auf dieser Seite, so kann man neben der damaligen Jakobskirche und späteren HTG-Turnhalle, aber zu Nr. 3 gehörend, einen dunklen Gegenstand erkennen. Dies war eine Pumpe, die noch in jener Zeit in Tätigkeit war und mit deren Hilfe die Hausfrauen oder ihre dienstbaren Geister das benötigte Wasser in die Höhe pumpten und ins Haus trugen.

Auffallend im Straßenbild sind die Treppen, die bei vielen Häusern weit in den Bürgersteig hineinragen. Am zweiten Haus auf der linken Seite sind, im unteren und oberen Stockwerk gut erkennbar, sogenannte „Spione“ angebracht. So nannte man Spiegel, durch deren Anordnung man von der Stube aus und von draußen ungesehen alles beobachten konnte, was sich auf der Straße ereignete.

Wie man gut sehen kann, waren Straße und Bürgersteige gepflastert und auf jeder Seite durch eine schmale Rinne abgesetzt, durch die Regenwasser abfließen konnte. Auffallend sind auch die steinernen Torpfosten zwischen den Häusern. Sie gehörten lange als Hofeingang zum Bild der Dorotheenstraße, verschwanden aber im Laufe der Zeit. Heute sind nur noch ganz wenige erhalten, zu Beispiel am Jacobi-Haus und am Nebenhaus Nr. 14. Der damaligen Bauweise entsprechend waren an allen Häusern Fensterläden angebracht.

Info: Der Pöbel der Dorotheenstraße

Das Kreisblatt für den Obertaunuskreis vom 4. Mai 1911 veröffentlichte einen Leserbrief unter der Überschrift „Freche Jugend“. Nach Meinung des Einsenders spielten sich solch unangenehme Szenen tagtäglich ab und seien „eine Blamage für einen Badeort ersten Ranges“. Im Text heißt es wörtlich:

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Der vornehme Charakter der Dorotheenstraße verlor sich allmählich, was man an den Berufen ihrer Bewohner ablesen konnte. Waren es anfangs zumeist Hofbeamte und unter diesen Adlige gewesen, so nahm das bürgerliche Element mit Handwerkerberufen im 19. Jahrhundert zu. Als das hier gezeigte Foto entstand, war Homburg mit seinen 8 000 Einwohnern und 18 000 Kurgästen eine vom Badewesen geprägte Stadt, deren gesellschaftliche Schwerpunkte sich auf die untere Louisenstraße und die Promenade verlagerten. In welchem Ruf die Dorotheenstraße 1911 stand, zeigt der Leserbrief auf dieser Seite (siehe INFO).

 

Spuren vergangener Tage

 

In der gesamten Straße sind noch heute gewisse Merkmale der originalen Bebauung zu sehen. Vom Bürgersteig zur Haustüre angelegte Treppen oder zumindest restliche Stufen befinden sich an sechs Gebäuden. Bei der Wiedererrichtung des Hauses Nr. 10, der ehemaligen „Hof-Apotheke zum Schwanen“, griff der Architekt auf den alten Plan zurück und verlagerte den Eingang wie ehemals in die Mitte der Vorderfront mit zwei auf den Bürgersteig reichenden Stufen.

Die architektonische Bedeutung der Kulturmeile Dorotheenstraße lässt sich auch an der Häufung von „Kulturdenkmalen aus architekturgeschichtlichen Gründen“ ablesen: In der Denkmaltopographie der Stadt Bad Homburg sind 15 Gebäude vermerkt, die dieses Prädikat tragen. Übrigens, die Serie über diese Straße wird fortgesetzt!

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