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Wenn Mama plötzlich schweigt

Von Die seelische Not von Kindern schwer kranker Eltern war das schwierige Thema, dem sich der Bad Homburger Hospiz-Dienst am Dienstagabend widmete. Die Beteiligten appellierten, das "Bündnis des Schweigens" zu brechen.
Bad Homburg. 

Die schwere Erkrankung eines Elternteils stellt für Kinder und Jugendliche eine enorme seelische Belastung dar, die unter Umständen zu einem Trauma führen kann. Die Frage, wie man den Betroffenen helfen kann, wurde beim dritten Homburger Dialog des Bad Homburger Hospiz-Dienstes ausführlich erörtert.

"Ich hätte so gerne noch mit Mama über so vieles gesprochen, wenn sie es nur zugelassen hätte." Hinter diesen bewegenden Worten eines Jugendlichen steckt das ganze Dilemma um das Tabuthema Sterben.

Sabine Brütting kennt viele Kinder schwer kranker oder bereits verstorbener Elternteile. Die Psychotherapeutin hat sich auf deren seelische Notsituation spezialisiert und engagiert sich unter anderem im Verein "Hilfe für Kinder krebskranker Eltern". Ihr bewegender Vortrag zeigte die ganze Palette der Verzweiflung auf. Sie appellierte, Kinder unbedingt in die veränderte Familiensituation einzubeziehen, sie keinesfalls mit Halbwahrheiten abzuspeisen, denn: "Kinder spüren, dass etwas nicht stimmt. Werden sie außen vor gelassen, fühlen sie sich ausgeschlossen und kommen gar auf die Idee, an der Krankheit schuld zu sein."

Mit Angst allein

Erwachsene sollten das "Bündnis des Schweigens" brechen, damit niemand mit seiner Angst allein sei. Brütting: "Viele betroffene Kinder und Jugendliche zeigen sich besonders stark." Doch die Therapeutin kennt aus Erfahrung die seelischen Nöte, die sich dahinter verbergen.

Die vom Redaktionsleiter der Taunus Zeitung, Matthias Kliem, moderierte Podiumsdiskussion beleuchtete anschließend die verschiedenen Aspekte im Umgang mit Abschied nehmenden oder trauernden Kindern. Erzieherin Karin Giehl, Religionslehrer und Seelsorger Werner Görg-Reiffenberg, Hospizhelferin Cornelia Busche-Trautwein, Sabine Kistner von einem Bestattungsinstitut und Therapeutin Brütting tauschten sich über ihre Erfahrungen aus und darüber, wie man die Sprachlosigkeit rund um das "totgeschwiegene Thema" beenden kann.

Erwachsene können und müssen Kindern dabei helfen, diese Ausnahmesituation durchzustehen. Dazu gehören auch Pädagogen, deren Aufgabe es ist, sensibel Hilfsangebote zu machen, ohne in Aktionismus zu verfallen. Denn, da waren sich die Fachleute einig: Kinder brauchten in dieser schweren Zeit auch "krankheitsfreie Zonen", in denen sie Normalität erleben und lachen dürften.

Positive Botschaft

Bei aller Schwierigkeit des Themas hinterließ der Abend eine positive Botschaft, die die Vorsitzende des Hospiz-Dienstes, Helgard Kündiger, zusammenfasste: "Die betroffenen Kinder haben bei guter Begleitung große Chancen, ,ganz normale‘ Erwachsene zu werden." Oder – was eine sich verabschiedende Mutter ihrer Tochter hinterließ: "Du darfst glücklich sein!"

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