E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 21°C

ZING war viel zu schnell vorbei

Der Wetterbericht in der Taunus Zeitung ist sehr zuverlässig", sagt die 9-jährige Lea bei unserem letzten Treffen. Und ihr Schulkamerad Jason, ebenfalls 9 Jahre, liebt "die Ordnung in der Zeitung". "Ich finde es toll, dass man stets auf den gleichen Seiten das Gleiche findet", erklärt er dazu.
Ganz schön hoch: Auch die Druckerei und das dazugehörige Papierlager besichtigten die Schüler. Bilder > Ganz schön hoch: Auch die Druckerei und das dazugehörige Papierlager besichtigten die Schüler.

Der Wetterbericht in der Taunus Zeitung ist sehr zuverlässig", sagt die 9-jährige Lea bei unserem letzten Treffen. Und ihr Schulkamerad Jason, ebenfalls 9 Jahre, liebt "die Ordnung in der Zeitung". "Ich finde es toll, dass man stets auf den gleichen Seiten das Gleiche findet", erklärt er dazu.

Lea und Jason drücken in der Grundschule Stierstadt die Schulbank. Ihre Lehrerin ist Gloria Luise Hetzheim, und sie hat die jetzige 4a bereits seit dem ersten Schultag unter ihren Fittichen. In diesem Jahr war sie mit ihren Schülern zum ersten Mal bei Zeitung in der Grundschule (ZING) dabei. Spaß hat es ihr und den Kinder gemacht – und ihr Resümee ist mehr als positiv.

Cousin und Cousine

 

Bei unserem ersten Treffen am 26. September ist in der Klasse noch nicht so viel von Zeitung zu sehen. Eine aufmerksame Klasse ist die 4a, wenn auch hier und da noch etwas zurückhaltend. Doch im Laufe der Stunde tauen die Schülerinnen und Schüler, die ja nun auch Journalisten und damit meine Kollegen sind (was die Jungen und Mädchen offensichtlich richtig toll finden), sichtlich auf. Aufmerksam hören sie zu, lernen, was der Unterschied ist zwischen einem Bericht (das ist der wortkarge Cousin, der sich in seiner Erzählung nur auf die Fakten mit den großen Ws beschränkt) und der Reportage (seine Cousine, die gerne plappert und zu den Fakten auch noch alles mit dem, was sie mit ihren Sinnen erfährt, wunderbar ausschmückt).

Die Variation der Cousine gefällt allen besser, und so ist ganz schnell entschieden, wie sie ihren Recherche-Termin in der Wehrheimer Lochmühle für die Taunus Zeitung aufarbeiten wollen: Wir schreiben eine Reportage!, lautet die einstimmige Meinung. Und ich muss sagen, es wurde eine der besten Reportagen, die wir in den vergangenen Jahren hatten. Lesen könnt ihr sie auf der Seite 9.

Drei Mal bin ich in der Klasse 4a in Stierstadt – weil die Kinder so viel wissen wollen. Und jedes Mal hängen dort mehr Zeitungen. Eine Litfaßsäule wird mit den wichtigsten und schönsten Artikeln beklebt, und die Hefte mit den Langzeitarbeiten werden auch immer dicker. Lea sammelt die Wetterberichte, vergleicht sie mit dem tatsächlichen Wetter und kommt so zum Schluss, dass die TZ in Sachen Wetterbericht sehr zuverlässig ist.

Nina (10) schneidet jeden Tag das "Gesicht des Tages" aus. Ihr Rechercheergebnis: Das Gesicht des Tages gehört öfter einem Mann als einer Frau. Und was Lea gar nicht gefällt und sie mir beim letzten Treffen auch selbstbewusst mit auf den Weg gibt: "Da fehlen manchmal Angaben wie das Alter oder wo die Leute herkommen."

Tobias beschäftigt sich da lieber mit dem Sport. Zu Hause schaut er immer im Fernsehen Fußball, verrät er, doch manche Spiele kommen für den 9-Jährigen zu spät – ab ins Bett, heißt es dann. Für ihn kein Problem, denn er weiß, am nächsten Tag bekommt er in der Schule seine Taunus Zeitung und darin kann er die Ergebnisse nachschlagen und die dazugehörigen Berichte lesen.

So haben alle ein für sie interessantes Thema gefunden: Polizeiberichte, Einsatzkräfte, Tiere – selbst Omas Tipps wurden dokumentiert und unter die Lupe genommen.

Erschreckende Antwort

 

Auf die Frage, was ihnen denn am ZING-Projekt am besten gefallen hat, gibt es eine erst einmal etwas erschreckende Antwort: Dass wir nicht so viel Zeit zum Lernen hatten, heißt es da aus allen Richtungen und ich sehe schon die Schlagzeile "ZING verhindert Lernen". Um Himmels willen – gar nicht gut! Doch Nina rückt das Ganze schnell ins rechte Licht: "Ich glaube, wir haben gar nicht gemerkt, was wir alles gelernt haben, weil die Zeitung so viel Spaß gemacht hat", sagt die 10-Jährige, und plötzlich nicken alle zustimmend und finden noch viel mehr, was ihnen Spaß gemacht hat. Auch der 31-jährigen Lehrerin hat Zeitung in der Grundschule richtig Spaß gemacht. Gloria Luise Hetzheim hat zwar auch einige Unterlagen für die Arbeit in den Klassen, die vom Aachener IZOP-Institut – das ZING pädagogisch-didaktisch begleitet – für die Arbeit in den Klassen verwendet. Ihr war das jedoch nicht genug: "Damit arbeitet man nur an der Oberfläche", erklärt sie.

Sie wollte mit ihrer Klasse weitaus mehr in die Tiefe arbeiten. So arbeitete sie eigene Aufgaben zur Arbeit mit der Zeitung aus. Eines der Resultate: Ein Medienordner, der sich mit allen Medien beschäftigt. Was sind überhaupt Medien, wie sind sie aufgebaut, wie berichten sie – das waren nur drei von vielen Fragen, auf die Antworten gesucht wurden. Ganz schön dick ist der Ordner geworden – und als ich danach frage, ziehen alle Schüler ihren Ordner aus der Schultasche und zeigen, was sie gemacht haben. Von der anfänglichen Zurückhaltung keine Spur mehr . . .

Ebenso begeistert waren die Kinder vom Besuch der FNP-Druckerei in Mörfelden und vom "Mittwochsquiz mit ZING". Wer die Fragen rund um die Zeitung und aktuelle Berichterstattung richtig beantworten konnte, durfte sich ein Geschenk aus der ZING-Box aussuchen. Aber nicht nur wenn es etwas zu gewinnen gab, waren die Schüler mit Eifer bei der Sache: Hetzheim machte das Angebot, jeden Morgen eine halbe Stunde vor Unterrichtsbeginn den Schulraum zu öffnen, damit Zeitung gelesen werden konnte. Und entgegen der Kollegen-Meinung "das ist die Anfangseuphorie" kamen die Schüler bis zum letzten ZING-Tag alle früher in die Schule.

Jederzeit wieder

 

"Das hat selbst mich erstaunt", sagt Hetzheim, die das Projekt jederzeit wieder machen würde. "Allerdings muss man sich darüber im Klaren sein, dass es viel Zeit in Anspruch nimmt. Normalerweise lesen wir in diesem Halbjahr zwei Lektüren. Die wurden durch die Zeitung ersetzt, und die Kinder haben genauso viel gelernt, sie haben es vor lauter Spaß nur nicht gemerkt", sagt die Pädagogin, die es "nicht mag, wenn ihre Schüler alles wie die Lemminge einfach hinnehmen". ZING habe die Schüler kritischer werden lassen. "Sie hinterfragen jetzt viel öfter Dinge, sind selbstbewusster und aufmerksamer und viel selbstständiger geworden."

Und wo Gloria Hetzheim zu Beginn noch Bedenken hatte, dass die Projektzeit zu lange sein könnte, sind sie und ihre Klasse sich bei meinem letzten Besuch einig: "ZING war viel zu schnell vorbei!"uko

(Ursula Konder)
Zur Startseite Mehr aus Hochtaunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen