Zum Knutschen, diese Eintracht

Das ist er, der Aufstiegsrasen. Konstantin Ntoutas hat sich ein Teil gesichert. "Das spezielle Stück kommt in meinen Garten", sagt der 48-Jährige während er dem Rasen einen kräftigen Schmatzer verpasst.
versenden drucken

Dort werde er eingepflanzt. "Dann habe ich ein Stück Eintracht Zuhause." Das ist in Stuttgart, hindert den Eintracht-Fan griechischer Herkunft aber nicht daran, zu jedem Heimspiel in die Commerzbank-Arena zu kommen. Eben zum Knutschen, diese Eintracht.

Für Petra Roth war es gestern das letzte Eintracht-Heimspiel als Oberbürgermeisterin. Einen Blumenstrauß gab’s zum Abschied. Und natürlich den Aufstieg. "Den habe ich mir zum Abschied gewünscht", sagte das scheidende Stadtoberhaupt. Denn die erste Liga sei immer das Ziel. "Ich habe immer hinter der Eintracht gestanden", betonte Roth – und freute sich schon auf nächste Woche. Denn dann wird die Mannschaft am Römer empfangen. "Das ist wichtig" – und wird wohl Petra Roths größte Abschiedsfete werden.

Wer gestern ins Stadion kam, konnte schon vorher erkennen, dass etwas Besonderes geplant war. "Heute Choreo" war überall zu sehen, selbst in Handzetteln an den Sitzen mit Anweisungen. Dazu gab’s schwarze und weiße Leibchen. "Die sollt ihr das ganze Spiel lang drüberziehen", kam die Durchsage. "Und wenn euer Nachbar das nicht will, müsst ihr es ihm sagen." Tatsächlich blieben viele Fans während des Spiels so verkleidet. Der Höhepunkt war aber zu Beginn. Während die Eintrachts-Fans auf der Stehtribüne unter einem Banner verschwanden, war auf der Gegengerade mit "Nie mehr zweite Liga" der Leitspruch des Tages zu lesen.

Die Eintracht-Comeback-Couch dieser Zeitung hat ihren Job erledigt. Ein letztes Mal war sie gestern im Stadion zu Gast. Platz nahmen Gabriele Sauer (62) und ihr Sohn Marcus (34), sie aus Bruchköbel, er aus Rödermark. "Ich bin schon immer Eintracht-Fan und habe es meinem Sohn in die Wiege gelegt", sagt die Mutter, die die Stimmung mit "oberaffengeil" zusammenfasst. Sie will nun häufiger ins Stadion kommen. "Ich spare jetzt schon für die Bundesliga-Tickets nächstes Jahr."

Ein besonderer Gast begleitete diesmal Hessens Justizminister Jörg-Uwe Hahn in die Arena. Sahabettin Harput ist Generalgouverneur der hessischen Partnerprovinz Bursa in der Türkei und vom "atemberaubenden Stadion" beeindruckt. "Die Unterstützung der Fans ist beneidenswert." Der sportliche Erfolg nicht: Bursaspor spielte 2010 / 2011 sogar in der Champions League. "Das Geheimnis unseres Erfolges ist der tolle Zusammenhalt im Team", erklärte Harput. Den brauche die Eintracht auch. Gestern war Hahn davon aber nicht restlos überzeugt: "Ich bin enttäuscht vom Spiel. Die Spieler sind den Fans etwas schuldig."

Niederlage hin, Niederlage her: Kaum ist das Spiel abgepfiffen, strömten die Fans auf den Rasen. Friedlich – zumindest in der großen Masse. Die hörte auf den Stadionsprecher: Die Mannschaft wird sich zeigen. Bis dahin nehmt ein Stück Rasen mit." Doch ein paar unrühmliche Ausnahmen gab es auch: Mit zwei bengalischen Feuern in der Hand rannte ein Grüppchen in Richtung Gästefans von 1860 München. "Es waren wieder einige Unbelehrbare", berichtete ein Polizeisprecher. Die provozierten noch ein wenig die nun aufgebotenen Polizisten. Dann war es wieder ruhig. Dem erneut aufgehängten Plakat "Randalemeister 2011" wurde die Fans zum Glück nicht gerecht.

Ein "Uffstieg 2012"-Plakat trug Klaus Hamann (39) spazieren. Der Darmstädter hat schon mit "seiner" Eintracht in Aachen gefeiert – zu lange. "Heute hatten die Spieler deshalb keinen Biss", meint er. Egal: "In Sachsenhausen wird Party gemacht – mit Open End." Dann geht der Blick weiter. Hamann hofft auf einen Mittelfeld-Platz im nächsten Jahr. "Erstmal müssen wir die Klasse halten."

Nach dem Spiel gegen die Münchner "Löwen" war gestern vor dem Fest. Vom Innenraum ging es nach draußen vor die "Waldtribüne" an der Haupttribüne. Tausende skandierten dort: "Wir wollen die Mannschaft sehen." Geduld war gefragt. Caser Nova & Fuego Fatal rappten die "Frankfurter Jungs". Geträumt wurde musikalisch vom "Europapokal". Dann war es soweit. Mit reichlich Sekt ausgerüstet kamen die Helden auf die Bühne. Gleich sechs "War was?"-Aufkleber hatte sich Kapitän Pirmin Schwegler angeheftet. "Ohne euch hätten wir es nie geschafft", ruft Trainer Armin Veh den Fans zu – und erntet dafür "Bleib bei uns"-Gesänge. Der Spaß ist allen anzumerken: Mannschaft und Fans.

Mehrmals pro Jahr reist Anna-Lena Vey zu den Spielen an. Die hübsche Blondine stammt aus Fulda. Gestern sollte es dann der letzte Zug werden. "Die Stimmung ist einfach geil", sagte die 20-Jährige. Dem Papa sei dank: "Ich bin von Geburt an Eintracht-Fan."

Gefeiert wurde auch auf der Comeback-Eintracht-Couch. Jörg Müller (25) hatte nicht nur Cousin Tobias Lutz-Bachmann (26), sondern auch Sohn Juri Benjamin Sohnle (5) mitgebracht. Doch während der sich mehr für Papas I-Phone begeisterte, sind die beiden echte Fans. "Ich war schon bei den letzten drei Spielen", sagt Müller, der in Wiesbaden wohnt. Sein Cousin ist sogar aus Köln angereist. "Dort gibt es viele Eintracht-Fans. Wir haben sogar eine eigene Kneipe."

Bei einem war sich Frankfurts Ehrenbürger Friedrich von Metzler sicher: "Wir wollen nie wieder in die zweite Liga." Da ist er sich mit fast allen im Stadion einig, auch wenn er zugibt: "Ich bin froh, dass meine Frau Sylvia so begeistert ist und mich mitnimmt." Die Stimmung gestern überzeugte aber auch ihn restlos. "So macht Fußball viel Freude.

Einen besonderen Höhepunkt gab es für viele zur Heimfahrt. Denn während sich die Aktion "Comeback Eintracht" dieser Zeitung dank des Aufstiegs dem Ende nähert, gab’s noch einmal Autofahnen: "Wellcome back Eintracht!" Willkommen zurück in der Ersten Liga! ses

(ses)
Zur Startseite
versenden drucken
Jetzt kommentieren

Nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.

Mit * gekennzeichnete Felder, sind Pflichtfelder!

Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!

gewünschter Benutzername: *
gewünschtes Passwort: *
Wiederholung Passwort: *
E-Mail: *
Kundennummer falls vorhanden:


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage: Wieviel ist 24 - 4: 




article
351748
Zum Knutschen, diese Eintracht
Das ist er, der Aufstiegsrasen. Konstantin Ntoutas hat sich ein Teil gesichert. "Das spezielle Stück kommt in meinen Garten", sagt der 48-Jährige während er dem Rasen einen kräftigen Schmatzer verpasst.
http://www.fnp.de/lokales/hochtaunus/Zum-Knutschen-diese-Eintracht;art690,351748
30.04.2012
http://static2.fnp.de/storage/pic/importe/fnpartikel/rhein-main/hochtaunus/210321_0_fnp_import_fff_Rueffer_DSC_1127_Eintra.jpg?version=1366464821
Hochtaunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, epd, AP, SID und Reuters

Archiv Themen Mediadaten Kontakt Impressum Datenschutz AGB

© 2014 Frankfurter Neue Presse