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Zur Hofoper kommen sie alle

Von Sie hatten mit der Premiere extra gewartet, bis das Spiel der Fußballweltmeisterschaft zu Ende war. Doch auch bei einem früheren Start wäre der Garten im Hause Umbach sicherlich voll besetzt gewesen. Denn wenn im Hof des alten Pfarrhauses Theater gespielt wird, dann will jeder dabei sein.
Historisch gewandet und Laptop auf den Knien: Inge Herget als Franziska. Bilder > Historisch gewandet und Laptop auf den Knien: Inge Herget als Franziska.
Altweilnau. 

Sie können stolz auf sich sein, die Altweilnauer. Schlummert doch in einem Großteil von ihnen ausgesprochen schauspielerisches Talent. Das weiß auch Rolf Umbach, in dessen Hof am Wochenende die dritte Hofoper aufgeführt wurde. „Der Mondspiegel“ hieß das Stück, das den Pfad zwischen Mystik, Wirklichkeit, aber auch besonders viel Humor nie verließ.

Da sprachen die liebenswerten kleinen Pannen der Laienschauspieler ihre eigene Sprache und wirkten wie selbstverständlich eingeplant. Und wenn dann auch noch im Reifrock des 17. Jahrhunderts mit dem Laptop hantiert wird, dann sprüht das eine ganz eigenwillige Ironie aus.

Die Handlung des Stücks drehte sich um den in Altweilnau lebenden Computerfachmann Anselm. Sie war an E.T.A. Hoffmanns „Der goldene Topf“ angelehnt, wenn auch ziemlich frei interpretiert. Aber genau diese Mischung machen die Altweilnauer Hofopern so sehenswert.

Doch zurück zu Anselm, den Thomas Lapp mit Inbrunst und einer äußerst charmanten Textlücke („Krieg ich ein Stichwort?“) spielte. Er hatte sich in eine grüne Schlange verliebt. Wo? Natürlich am Bayrhoffer Brunnen, der ab jetzt nicht mehr mitten im Wald, sondern bei Umbachs im Hof steht. Die Attrappe war täuschend echt nachgemacht. Kein Wunder, ist Rolf Umbachs Ehefrau doch die Malerin Yu Mo Hung Umbach.

Verliebt in die Schlange

Während sich Anselm in die Schlange verliebt, die in Wirklichkeit eine verwandelte Prinzessin ist, nämlich die Tochter des aus Atlantis vertriebenen Königs Lindhorst (Frank Nork), träumt Veronika (Gabi Böff) nur von Anselm und hofft auf den Liebestrank der Hexe Liese, mit schriller Stimme und furchteinflößendem Äußeren dargestellt von Janina Rühl.

Ihr bester Mitarbeiter ist Kater Murr, eine Paraderolle für Thomas Mohr. Er musste sich nur kurz nach Katzenart übers Ohr streichen, und schon hatte er die Lacher auf seiner Seite.

Technik spielt verrückt

Dann ist da noch das pharaonische Rasierbesteck, auf dem im Mondlicht eine seltsame Schrift sichtbar wird. Als Anselm daher den großen Plato zu Hilfe ruft, hört er die Stimme der Schlange aus einem übergroßen Fernsehgerät. Nun ja, nicht immer.

Denn die Technik spielte bei der Premiere dann doch ein wenig verrückt, und Serpentina, alias Katrin Müller, merkte nicht immer sofort, dass etwas mit dem Mikrofon nicht stimmte. Anselm gab ihr sofort Klopfzeichen, verzog das Gesicht zu einem hämischen Grinsen und konnte sich das Lachen dann doch nicht mehr verkneifen.

„Im modernen Leben würde jetzt ein Ladebalken erscheinen“, versuchte er außerplanmäßig die Situation zu retten. Und er erntete lautes Gelächter.

Warum sollte auch alles reibungslos klappen? Waren es doch gerade diese kleinen Pannen, die das Stück so abwechslungsreich und fröhlich machten. Als Serpentina im Fernseher bemerkte, dass sie endlich wieder laut zu hören war, sagte sie erleichtert ins geöffnete Mikrofon: „Oh, ich bin ja wieder auf Sendung.“

Die Liebe ging in Altweilnau an diesem Theaterabend erst einmal seltsame und überaus lustige Wege und führte am Ende dann doch zum richtigen Partner und zu begeistertem Applaus der Zuschauer.

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