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Verfahren am Landgericht: Angriff mit Hantelstange: Schlag hätte töten können

Von Ein Streit, der sich im September vergangenen Jahres in einem Grävenwiesbacher Flüchtlingsheim zugetragen hatte, führte jetzt zu einem Verfahren am Landgericht wegen versuchten Mordes. Ein 33-Jähriger soll seinen Mitbewohner mit einer Hantel schwer am Kopf verletzt haben. Gestern war Prozessauftakt.
Symbolbild Symbolbild
Grävenwiesbach. 

Vor der 21. Strafkammer des Frankfurter Landgerichts hat gestern der Prozess gegen einen 33-jährigen Asylbewerber wegen versuchten Mordes begonnen. Der Staatsanwalt wirft dem Mann vor, am 2. September 2016, gegen 8 Uhr, einem im Halbschlaf liegenden Zimmergenossen und Landsmann in der Grävenwiesbacher Gemeinschaftsunterkunft heimtückisch mit einer schweren Hantelstange eine stark blutende Kopfwunde beigebracht zu haben. Die 4,6 Kilogramm schwere Hantelstange hatte der Angeklagte zuvor aus dem Fitnessraum der Gemeinschaftsunterkunft geholt.

Zuvor sollen die beiden Pakistani wegen unterschiedlicher Glaubensauffassungen regelmäßig Streit gehabt haben – der Angeklagte ist schiitischen, das Opfer sunnitischen Glaubens.

„Nicht heimtückisch“

Laut Anklage hat der 33-Jährige, der seit September in Untersuchungshaft sitzt, versucht, den 31-Jährigen heimtückisch zu töten. Die Anklage geht ferner von gefährlicher Körperverletzung und einer „das Leben gefährdenden Behandlung“ aus. Am 2. September habe der Angeklagte einen „günstigen Moment“ genutzt, als der Geschädigte im Halbschlaf war. Dass der Schlag tödlich sein konnte, habe er billigend in Kauf genommen.

Der Angeklagte gibt die Tat grundsätzlich zu, bestreitet aber, den anderen heimtückisch im Halbschlaf geschlagen zu haben. Er sei jedoch auf dem Bett liegend, Blick zur Wand, mit dem Handy beschäftigt gewesen. Dadurch habe er ihn, den Angreifer, wohl nicht ins Zimmer kommen sehen, sagte der Angeklagte gestern in Frankfurt aus. Den laut Anklage und Opfer versuchten zweiten Schlag bestritt der Mann. Er berichtete dem Gericht von der Vorgeschichte. Anfangs habe er sich mit dem Opfer und einem weiteren Zimmergenossen, der ebenfalls sunnitischen Glauben war, gut verstanden. Der 31-Jährige habe ihn wegen seines Glaubens aber dann immer häufiger beleidigt. So habe er einmal zu ihm gesagt, „wenn ein Hund etwas von einem Teller stehle, müsse man den Rest auch wegwerfen“. Mit dem „Hund“ sei er gemeint gewesen, so der Angeklagte.

Glücklicher Umstand

In der Nacht vor der Tat habe er schlecht geschlafen, der Streit sei ihm nicht aus dem Kopf gegangen. Am Morgen dann habe er zunächst seine Tasche packen und frühstücken wollen, um danach mit der Taunusbahn zur Arbeit nach Wehrheim zu fahren. Die Idee, dem Kontrahenten einen Denkzettel zu verpassen, sei ihm spontan gekommen. Auf dem Rückweg zum Zimmer habe er aus dem Fitnessraum die Stange geholt und sie dem anderen hinterrücks über den Schädel gezogen.

Allerdings will er nur leicht, keinesfalls mit voller Wucht, zugeschlagen haben. Zu keinem Zeitpunkt habe er ihn schwer verletzten oder gar töten wollen. Wie man mit einer solchen Stange „nur leicht“ zuschlagen kann, erschloss sich dem Richter nicht. Auch sagte der Arzt, der die Kopfwunde des Mannes genäht hat, dass der Attackierte „Glück hatte“. Offenbar sei der Schlag schräg geführt worden oder die Stange abgerutscht: „Damit direkt auf den Kopf – das muss schief gehen“, so der Arzt.

Noch ungeklärt ist, was nach der Tat passiert ist. Der Angeklagte behauptet, er habe sofort die Unterkunft verlassen und die Polizei informiert. Dem steht entgegen, dass der andere Zimmergenosse bereits um 8.15 Uhr den Rettungsdienst alarmierte, der Anruf des Angeklagten aber erst um 9.01 Uhr bei der Polizei eingegangen ist.

Die Sicht des Opfers

Das Opfer schildert den Tathergang anders. Er sei morgens auf der Toilette gewesen, habe sich dann wieder ins Bett begeben, zunächst Kurznachrichten auf dem Handy gelesen und sei gerade wieder am Einschlafen gewesen, als ihn von hinten der Schlag getroffen habe. Er habe den Angeklagten mit der Stange in der Hand an seinem Bett stehen sehen und versucht, sich aufzurappeln. Den zweiten Schlag jedoch habe er kommen sehen und versucht, seinen Kopf mit den Armen zu schützen. Deshalb habe die Stange ihn am Unterarm getroffen.

Der Prozess wird am kommenden Montag, 29. Mai, fortgesetzt.

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