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Herbst im Hochsommer: Anhaltende Trockenheit hat den Laubbäumen schwer zugesetzt

Von „Wenn die Blätter bunt sich färben, kommt der Herbst, wie uns bekannt, fröhlich an mit seinem Pinsel. Bunt wird es bei uns im Land“, beginnt ein Gedicht über die dritte Jahreszeit. Stimmt. Aber ist denn schon wieder Herbst? Im Wald schon, und das bereitet den Förstern große Sorgen. Die extreme Trockenheit und Hitze, eine fatale Kombination, wird zunehmend zu einem ernsten Problem.
An vielen Stellen im Wald, wie hier bei Wehrheim, sind die Laubbäume bereits herbstlich eingefärbt. Wenn ein leichtes Lüftchen weht, tanzen bereits die ersten trockenen Blätter raschelnd zu Boden. Es ist Herbst, mitten im Hochsommer. An vielen Stellen im Wald, wie hier bei Wehrheim, sind die Laubbäume bereits herbstlich eingefärbt. Wenn ein leichtes Lüftchen weht, tanzen bereits die ersten trockenen Blätter raschelnd zu Boden. Es ist Herbst, mitten im Hochsommer.
Usinger Land. 

Der Wald ist in Gefahr. Nicht nur wegen des extrem hohen Waldbrandrisikos, sondern wegen der Hitzeschäden an den Bäumen. „Wir sitzen auf einem Pulverfass“, sagt Thomas Götz, stellvertretender Leiter des Hessischen Forstamtes Weilrod. Wie viele Bäume am Ende durch das extrem heiße und trockene Wetter auf der Strecke bleiben, könne erst im Herbst ermittelt werden. Bei Bäumen, deren Feinwurzelwerk von Woche zu Woche schwindet, kann es sogar drei bis vier Jahre dauern, bis sie sich erholt haben.

Fatale Hitze

In dieser Zeit nimmt die Schädlingsanfälligkeit zu. Die Bäume sind geschwächt. Buchen und Eichen, aber auch die Douglasien und Kiefern, die mit dem trockenheißen Kontinentalklima besser umgehen können, werden den Supersommer 2018 nach Götz’ Einschätzung zwar überleben, allerdings einhergehend mit Wertverlusten. Nur trocken und nur heiß – damit könnten die Bäume noch einigermaßen umgehen. „Die momentane Situation, bei der wir fatalerweise extreme Trockenheit und ebensolche Hitze gleichzeitig haben, ist in dieser Dimension selten und ein große Problem – für die Bäume, aber auch für die Waldbesitzer, denn der Zuwachs verringert sich beträchtlich“, sagt Götz.

So trocknet die Hitze Hessen aus!

Auch das sei vielleicht noch zu verkraften, denn 2017 habe es gute Zuwächse gegeben. Wenn der Baum liegt, sind unterschiedlich breite Jahresringe auszumachen, die breiten stehen für Jahre mit normalen Niederschlägen, die schmalen für trockene Jahre. Die Ringe von 2018 werden wohl schmal sein, ähnlich wie die von 2015 und von 2003, 2015, 2018 – die Natur hat die Schlagzahl offenbar erhöht. Man muss kein Förster sein, um mit bloßem Auge das Problem festzustellen.

Not-Reaktion der Bäume

„Man muss es so ausdrücken, wir haben Herbst im Hochsommer“, sagt Götz und verweist auf die vielen, bereits herbstlich gefärbten Baumkronen, ein von der Natur über Enzyme geregelter Vorgang, bei dem der Baum zur Vermeidung von Austrocknung die Wasserzufuhr zu den Blättern stoppt, bis hin zum Notabwurf des Blattwerkes. Leichte Windstöße lassen sogar schon die ersten vertrockneten Blätter rieseln. Selbst wenn es bald regnen sollte ist dieser Prozess unumkehrbar. Tiefwurzelnde Bäume, also Buche und Eiche, aber auch die Douglasie, haben momentan noch eine Chance, an Wasser zu kommen, in zwei bis drei Metern Tiefe ist der Boden noch relativ gut durchfeuchtet. Diese Reserve schwindet aber, so dass vor allem die Buche schon bald ein massives Problem haben wird.

Thomas Götz sieht das Problem nicht einmal oberirdisch – im nächsten Jahr gibt es wieder neue Blätter – sondern unterirdisch im Wurzelbereich: „Die Feinwurzeln der Bäume leiden – bei so wenig Wasser sterben sie ab. Der Baum fährt den Stoffwechsel herunter.“ Auch die Nadelbäume reagieren. Viele Fichten zeigen bereits den „Lametta-Effekt“, der entsteht, wenn die trockenen Zweige herabhängen. Das Wurzelvolumen einer 100-jährigen Buche korrespondiert genetisch mit der Blattmasse: Eine solche Buche hat normalerweise 50 Kubikmeter Wurzelvolumen, jetzt sind es vielleicht noch 40.

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