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Benedict Preis: Fast ging ein Oscar nach Wehrheim

Von Filmemacher gibt es viele. Doch einen Namen sollten sich die Fans der großen Kinoleinwand schon einmal im Hinterkopf behalten: Benedict Preis. Ein Werk des Nachwuchs-Produzenten wurde nämlich für einen Oscar in der Filmbranche nominiert.
Der Wehrheimer Benedict Preis will in der Filmbranche Karriere machen. Der Wehrheimer Benedict Preis will in der Filmbranche Karriere machen.
Hochtaunus. 

In Hollywood gilt der Oscar als der Ritterschlag schlecht hin. Nicht weniger bedeutsam ist es übrigens für die Aufmerksamkeit eines Streifens allerdings, wenn ein Film für den Oscar nominiert wird. Bedeutet es doch, sich aus der großen breiten Masse soweit hervorgetan zu haben, dass die Jury den Film bemerkte. Und so finden sich dann auch immer wieder Erklärungen auf den Filmen im Handel, mit dem Zusatz versehen „für den Oscar nominiert“. Ein solches Prädikat darf sich auch der Wehrheimer Benedict Preis (24) ans Revers heften.

Der junge Mann aus dem Apfeldorf hat es tatsächlich geschafft, einen Film zu produzieren, der internationale Beachtung fand und in diesem Jahr für den Studentenoscar nominiert wurde. Eingereicht hat den Film die Filmakademie Baden-Württemberg, wo der Wehrheimer Bub das Fach „Filmproduzent“ studiert.

Ein „Mädchen für alles“

Produzent ist dabei für viele erst einmal nur das Synonym für Geldgeber, weiß auch Preis. „Aber ohne den Produzenten gibt es auch keinen Film“, beschreibt Preis die bedeutende Funktion, die ihm zukommt. In der Tat kümmert sich der Produzent um das Budget eines Films, aber er besorgt eben auch wirklich alles, was drumherum notwendig ist, damit auch nur eine Minute gedreht werden kann. Vom Leihwagen bis zum Kamerateam und dessen Equipment, von den Genehmigungen für den Drehort bis hin zur Verpflegung., vom Make-up-Artist bis zu den Kostümen – und er organisiert auch noch die Castings für die Schauspieler und Komparsen. Hinzu kommt die Zeitplanung und das wachsame Auge auf die Umsetzung. Kurzum, ohne den Produzenten, der ein bisschen was von der Rolle „Mädchen für alles“ hat, geht gar nichts.

„Das macht mir großen Spaß und man lernt nicht nur sich perfekt zu organisieren, sondern auch sich zu vernetzen und hat den Ansporn alles noch ein wenig günstiger hinzubekommen“, schildert der junge Mann aus dem Taunus. Denn wie auch in Hollywood üblich, sind die Budgets eher knapp bemessen. Das wiederum hilft erfinderisch zu sein, selbst mehr Geld aufzutreiben und so schon einmal für das laufende Filmprojekt zu werben.

Drehbücher geschrieben

Aus einer Filmbranchen-affinen Familie stammt Benedict Preis aber nicht. Und Hollywood war nun auch nicht gerade sein oberstes Ziel als Teenager, bis er in der Feldbergschule in eine Film-AG kam. „Eigentlich wollte ich Pilot werden“, schildert Preis. Doch dann ergab es sich, dass er mit 15/16 Jahren begann erste Drehbücher zu schreiben. „Wie man das macht, habe ich mir autodidaktisch angeeignet“, sagt er. Vier sind es bislang geworden, verfilmt wurde noch keiner. „Das wäre mein großer Traum für die Zukunft.“

Mit der AG wuchs der Traum, in die Filmbranche zu gehen und so folgte die Zeit nach der Schule, in der die angehenden Produzenten Erfahrungen bei Filmdrehs sammeln. Zwei Jahre war er bei Dreharbeiten dabei, unter anderem bei der Entstehung des Tatorts Stuttgart (2014) und Tatort Münster (2015), nachdem er 2013 sein Abitur ablegte.

Mit der Aufnahme an der Filmakademie produzierte Preis in seinem ersten Jahr gemeinsam mit Kathrin Rodemeier unter der Regie von Sinje Köhler der Film „Freibadsinfonie“. Das Drehbuch dazu schrieb Raphaela te Pass, die Musik stammt von dem Frankfurter Max Clouth.

Erzählt werden fünf parallel verlaufende Geschichten von Freibad-Besuchern die alle an einem Tag im Schwimmbad sind. Dabei geht es um die großen Themen des Lebens wie Liebe, Tod und Vergänglichkeit. Und da sich für eine Komparsenrolle kein geeigneter Darsteller fand, blieb Preis nicht nur hinter der Kamera, sondern übernahm auch eine Rolle als Schwimmbadbesucher. Gedreht wurde in Darmstadt.

„Bis zur endgültigen Fertigstellung hat es natürlich länger als die reine Drehzeit gedauert“, erklärt Preis, der inzwischen im dritten Studienjahr ist. Als der Film nun fertig wurde, reichte ihn die Akademie nun bei der Academy of Motion Pictures, Art und Sciences für die Verleihung des besten Nachwuchs-Oscars ein. Der wurde in diesem Jahr zum 44. Mal vergeben. 1573 Einsendungen aus den USA und der ganzen Welt wetteiferten um die begehrte Trophäe. Darunter auch die „Freibadsinfonie“.

„Die Filmakademie Baden-Württemberg entscheidet selbst, wessen Film sie vorschlägt“, erklärt Preis. Der Film hat überzeugt und das offenbar nicht nur die Macher, sondern auch die Jury. So schaffte es der Film unter die sieben besten Filme weltweit. „Allein das ist schon eine enorme Auszeichnung, denn maximal zehn werden überhaupt nominiert“, freut sich Preis.

Auf Festivals zu sehen

Ein Ticket nach Hollywood also im Oktober zu den „Student Academy Award“? Nicht ganz. Gewonnen hat nämlich ein anderer Film, „aber das Prädikat Oscar nominiert trägt der Film weiterhin“, sagt Preis überglücklich. Zu sehen ist der Film auf verschiedenen Festivals, wo er in der Vergangenheit auch schon den Publikumspreis gewann.

Für Preis geht die Arbeit weiter. Hinter der Kamera, denn Schauspieler möchte er nicht werden. „Aber ich kann mir vorstellen, auch noch Regie zu führen“, sagt Preis und nach dem Studium ins Ausland zu gehen. Nicht die USA, sondern Ungarn hat er sich dafür ausgesucht, das Geburtsland seiner Mutter. „Auch da werden gute Filme gemacht.“

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