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Angeklagter zahlt 1000 Euro Strafe: Hessenpark-Shitstorm: 70-jähriger Rostocker verurteilt

Von Nach dem Urteil gegen einen 70-jährigen Rostocker wegen Beleidigung fühlt sich Geschäftsführer Scheller in seiner Entscheidung bestätigt: "Es war richtig und es ist immer noch richtig." Er meint, dass das Freilichtmuseum Flüchtlingsgruppen freien Eintritt gewährt.
Jens Scheller, Geschäftsführer des Hessenpark Foto: Christoph Gahmann Jens Scheller, Geschäftsführer des Hessenpark
Neu-Anspach. 

Der Shitstorm, dem der Hessenpark vor rund eineinhalb Jahren ausgesetzt war, beschäftigte die ganze Republik, war sogar Thema in Satire-Sendungen: Das Freilichtmuseum wurde im E-Mails und auf Facebook-Kommentaren überschüttet, von Menschen, die sich darüber aufregten, dass geführte Flüchtlingsgruppen freien Eintritt bekamen.

Auch Rechtspopulisten mischten sich unters Shitstorm-Volk, beleidigten in zumeist scharfer Form die Praxis des Freilichtmuseums. Gegen einige Absender wurde wegen fremdenfeindlicher Äußerungen ermittelt.

Bei Jens Scheller, Geschäftsführer des Hessenparks, kamen erst die E-Mails an. Es folgten Vorladungen zu diversen Amtsgerichten in der ganzen Republik. Denn er war eines der Hauptziele der Anfeindungen. Vor Gericht ist der Zeuge. Auch im Fall des 70-jährigen Rentners aus Rostock, der am Dienstag in Bad Homburg wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von 1000 Euro wegen Beleidigung verurteilt wurde.

Der Angeklagte hatte Scheller in einer Mail vom 9. Februar 2016 persönlich als „Trottel, Ignorant und Volksverhetzer“ beschimpft und seine Botschaft später damit erklärt, dass, wörtlich, „Bio-Deutsche“ zu zahlen hätten, während Flüchtlinge umsonst in den Park gelangten.

Scheller ist erleichtert

Als Scheller vom Urteil erfuhr, zeigte er sich erleichtert. Er halte die Entscheidung, um integrationswilligen Flüchtlingen das Land, in dem sie leben wollen, dadurch näherzubringen, dass man ihnen Einblicke in die deutsche Arbeits- und Siedlungskultur gewähre, nach wie vor für richtig. Der „Shitstorm“ habe dem Hessenpark nicht geschadet, „im Gegenteil, der Besuch hat danach sogar zugenommen“, so Scheller. Auch wenn es lästig sei, quer durch die Republik von Gericht zu Gericht zu reisen, halte er es für richtig, derlei Auswüchsen entgegenzutreten.

Der Angeklagte hatte vor einem Rostocker Amtsrichter ausgesagt, es reichte also aus, dass nur sein Anwalt, Mitglied der Alternative für Deutschland (AfD), nach Bad Homburg kam. Der wies den Vorwurf der Beleidigung zurück. Sein Mandant habe die Institution Hessenpark gemeint, nicht dessen Geschäftsführer in Person. Eine Institution könne nicht im strafrechtlichen Sinne beleidigt werden. „Trottel“, „Ignorant“ und „Volksverhetzer“ seien keine Beleidigung, sondern „üblicher Sprachgebrauch“.

„Schlicht gestrickt“

Sein „schlicht gestrickter“ Mandant sei einem Tatbestandsirrtum erlegen, er wisse nicht, dass seine Äußerungen als Beleidigung gewertet werden können, so der Anwalt.

Aus dem geforderten Freispruch wurde nichts. Zweifel daran, dass Scheller persönlich gemeint war, sah das Gericht in Bad Homburg wegen der Anrede „Herr Scheller, Sie sind ein Trottel . . .“ nämlich nicht.

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