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Hier ist nichts, wie es scheint

Von Das Erste Anspacher Kult(ur) Theater hat seine Premiere 2015 erfolgreich hinter sich gebracht. Noch drei Mal wird gerührt statt geschüttelt und die Krimiwelt vor dem Weltuntergang gerettet. Oder doch nicht?
Am Ende hat es „Bumm“ gemacht: Was hecken der Professor und Donna Leone bloß aus? Foto: Frank Saltenberger Am Ende hat es „Bumm“ gemacht: Was hecken der Professor und Donna Leone bloß aus?
Neu-Anspach. 

Die Premiere am Freitag und die Samstagsvorstellung sind gelungen, aber der Fall ist trotzdem nicht erfolgreich gelöst. Drei Vorstellungen stehen noch aus, aber man muss skeptisch sein, ob die Akteure des Ersten Anspacher Kult(ur) Theaters die Katastrophe noch abwenden können, und die Welt ist wahrlich in Gefahr.

„Gerührt, nicht geschüttelt“ heißt die Kriminalkomödie, und sie stellt nicht nur die Mix-Vorliebe des Agenten und stets erfolgreichen Weltuntergangsverhinderers auf den Kopf. Auch auf der Bühne dreht und wendet es sich zusehends, und der Ausgang des Stückes lässt sich aus der Entwicklung so gut wie nicht ablesen, und er soll an dieser Stelle solange nicht verraten werden, bis der Vorhang zur letzten Vorstellung am 28. November in Eschbach gefallen ist.

Aber so viel sei schon gesagt: Das Stück ist kurzweilig und eine Alternative zum Krimiabend auf der Wohnzimmercouch. Die Rollen sind optimal besetzt und die Charaktere gut getroffen, allerdings sind die personellen Ressourcen des Ensembles begrenzt, was sich in der einen oder anderen Figur doch auswirkt.

Genialer Professor

Harald Soldan, der Typ für die „Neurotiker-Rollen“, spielte auch im neuen Kriminalstück den am Rande des Wahnsinns agierenden genialen Professor. Horst Morscheck, der Schnoddrige, spielt diesmal den Kommissar, pardon Hauptkommissar, und eine gewisse Tranigkeit gehört zur Rolle, denn ein „echter Film- und Fernseh-Kommissar“ kombiniert schneller. Manchmal übererklärend im Gestus ist Wolfgang Thürauf in der Rolle des Neffen mit Muttersöhnchen-Touch. Dadurch ist er seiner Freundin unterlegen, die von Antje Bayer gespielt wird, der Blondinen-Rolle. An Anette Modanese als Dr. Short beißt sich jeder Typenforscher die Zähne aus, und diejenige, als die sie sich entpuppt, würde man ihr nicht ohne Weiteres zutrauen.

Aber dass nichts so scheint, wie es ist, und niemand ist, was er ist, ist die Würze des Krimi-Stückes, das wie immer Maria Seng inszeniert hat. Aber diesmal saß Seng schon bei den Proben nicht nur vor der Bühne, sondern war auch oben mit dabei. Die Rolle der Regisseurin spielte sie als Donna Leone, die rechte Hand des Professors, gewissermaßen auch im Stück weiter. Das tat sie aus dem Rollstuhl heraus, auf den sie auch im richtigen Leben angewiesen ist. Jetzt konnte sich der Theaterbesucher überzeugen, dass Seng nicht nur Anweisungen erteilen kann, wer wo zu stehen oder beim Sprechen zu gehen hat, sondern dass sie auch selbst das Schauspielern beherrscht. Das machte sie glänzend. Und vergaß, wie gesagt, darüber hinaus nicht, auch auf der Bühne die Fäden in der Hand zu behalten, das Haus des Professors zu managen und im Hintergrund die Regie zu Übernehmen, Überraschungen inbegriffen.

Dabei geht es um nicht weniger als eine Weltverschwörung und die bange Frage: Schafft es der Held, den Countdown zu verhindern und den Zünder zu entschärfen?

Das Risiko, eventuell mit hochzugehen, muss der Besucher der noch kommenden Aufführungen selbst bewerten, die Bewertung der aktuellen Jahresproduktion des Ersten Anspacher Kult(ur) Theaters fällt insgesamt aber sehr positiv aus. Lacher, das ist einer Komödie geschuldet, sind übrigens auch eingebaut. Allerdings könnte es den einen oder anderen Zuschauer vielleicht stören, dass das Stück über weite Strecken übertrieben erzählend gestaltet ist, wobei das sich selbst erklärende Agieren zu sehr in den Hintergrund tritt.

Tolle Gesamtleistung

Die Gesamtleistung soll damit aber nicht geschmälert werden, an der auch Melanie Karnoll Vanessa Laudan (beide Regieassistenz), Irina Beljawinw und Lisa Kling (Bühenbild) sowie Zuzana Skonanova (Technik) Anteil haben.

Die nächste Aufführung findet am 10. Oktober in der Lehmkauthalle in Grävenwiesbach statt. Karten (10 Euro, ermäßigt 5 Euro) gibt es dort im Getränkemarkt Born, in der Sonnen-Apotheke und in der Raiffeisenbank.

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