E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 27°C

Beziehung: Ihre Liebe verbindet Welten

Von Zusammen mit der Vorsitzenden Karla Kamps-Haller leitet Richard Olany aus Uganda seit 2014 den in Niederreifenberg ansässigen Förderverein „Palabek H.O.P.E. School“. Privat sind die beiden schon seit über 20 Jahren ein Paar.
Karla Kamps-Haller und Richard Sixtus Olany sind seit über 20 Jahren ein Paar. Foto: Evelyn Kreutz Karla Kamps-Haller und Richard Sixtus Olany sind seit über 20 Jahren ein Paar.

Karla Kamps-Haller und Richard Olany kann man ihr Glück ansehen: Sie strahlen Ruhe und Zufriedenheit aus, lachen zusammen viel und halten sich oft an den Händen. Sie führen eine Wochenendbeziehung, weil Richard unter der Woche in Schweinfurt arbeitet. Das ist nicht das einzige Ungewöhnliche. Ein dunkelhäutiger Mann aus Afrika und eine weiße Frau als Paar – das wäre noch vor einigen Jahrzehnten „auf dem Land“ undenkbar gewesen. Für die beiden ist es normal. Aber war das schon immer so?

Im gemütlichen Wohnzimmer, in dem klassische und moderne sowie afrikanische Bilder, Kunstgegenstände und Musikinstrumente nebeneinander Platz haben, erzählen Karla und Richard ihre Geschichte. „Wir sind ja beide Ossis“, verrät Karla lachend und ergänzt: „Wir haben beide unsere Heimat verlassen, vielleicht sind wir deshalb auch so tolerant und offen gegenüber anderen.“

Die heute 67-Jährige ist in Ostdeutschland, in Annaberg im Erzgebirge, geboren und als Siebenjährige mit der Mutter und ihrem Vater in den Westen nachgereist. Karla hat nach der Volksschule eine kaufmännische Lehre gemacht, auf dem zweiten Bildungsweg die mittlere Reife und die Fachhochschulreife erlangt und dann Wirtschaftspädagogik studiert. Zuletzt leitete sie das Institut für Weiterbildung im Beruf an der Hochschule Rhein-Main in Wiesbaden, wo sie als Ruheständlerin noch Seminare gibt.

Richard ist in Palabek-Lugwar, einem Dorf im Nordosten von Uganda mit sieben Geschwistern groß geworden und hat als Kind gerne die Kühe gehütet. Er gehört dort dem Volk der Acholi an und hat als Student unter den Grausamkeiten von Diktator Idi Amin gelitten. Ein erstes Stipendium ermöglichte dem heute 63-Jährigen ab 1975 das Mathematikstudium in der damaligen Sowjetunion. Ein weiteres Stipendium führte ihn an die Technische Hochschule in Aachen. Als Maschinenbauer war er zunächst in der Konstruktion tätig, heute arbeitet er im Qualitätsmanagement.

Es hat gleich gefunkt

„Kennen und lieben gelernt haben wir uns Anfang der 1990er Jahre“, erinnern sie sich. Da gab Karla ein Seminar für Studierende aus dem Ausland, unter ihnen ein Freund von Richard. Für seinen Freund brachte Richard der Dozentin die ausgeliehenen Unterlagen zurück. Es hat bei beiden gefunkt, aus dem Verliebtsein wurde mehr, Richard zog von Sachsenhausen zu Karla ins Frankfurter Nordend. „In der Stadt gab es nie Ressentiments“, versichern beide.

Als Karla ihren Freund zum ersten Mal mit zu den Eltern nahm, hatte der gleich bei ihrer Mutter einen Stein im Brett, weil er den gleichen Vornamen hat wie der Opa. Obwohl Richard Afrikaner ist, blieb Karlas Mutter ohne Vorbehalte. „Die beiden haben sich von Anfang an verstanden“, freut sich Karla heute noch. Erleichtert war sie auch, dass Richard von ihrem Vater akzeptiert wurde.

Richard habe es nicht nur ihren Eltern leicht gemacht, so die Niederreifenbergerin. Und sie weiß auch warum: „Richard ist so unkompliziert und geht selbstbewusst aber nicht aufdringlich auf Leute zu.“ Als Richard raus aus der Stadt wollte, war es Karla, die Bedenken äußerte und auf dem Dorf mit möglichen Ressentiments rechnete.

Seit 1997 in Schmitten

In Niederreifenberg haben sie dann 1997 ein kleines Häuschen mit großem Garten gekauft und sind ziemlich schnell angekommen. „Städter und Akademiker zu sein war am Anfang schwieriger als die Tatsache, dass Richard eine andere Hautfarbe hat“, erinnert sich Karla. Und dann erzählt sie: „Er hat sich einfach an den Gartenzaun gestellt und mit den Leuten palavert.“ Die beiden Ziegen im Garten waren der Streichelzoo für die Kinder aus dem ganzen Ort. Und über Kinder und deren Eltern und Großeltern haben sich auch Kontakte gebildet. Seitdem die beiden 2014 zur Finanzierung eines Schul- und Bildungsprojektes in Richards Heimatort den Förderverein „Palabek H.O.P.E. School“ gegründet haben, hat sich ihr Freundeskreis noch einmal erweitert.

Die Geschichte der beiden hört sich an wie ein Märchen. Sollte das Paar wirklich nie irgendwo angeeckt sein? „Als Paar nicht“, beteuern beide. Wenn Richard allein unterwegs ist mit Bus und Bahn, hat er schon manchmal diskriminierende Erlebnisse. Die steckt er genauso weg wie Karla, wenn in Uganda außerhalb seines Dorfes keiner glauben will, dass sie nicht als Projektleiterin mit ihm unterwegs ist, sondern als seine Frau. Im April fahren sie wieder nach Palabek, denn dort sprudelt seit Samstag das erste Wasser aus dem neuen Brunnen für den Schulgarten.

Zur Startseite Mehr aus Usinger Land

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen