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Altes aufgemöbelt: Im Hessenpark machen Experten aus einem Fachwerkbau ein Musterhaus

Von An einem Haus im Hessenpark werden alte und neue Bauweisen zusammengebracht. Das Ziel: Wohnraum nach heutigem Standard zu schaffen.
Noch lagert das Gerippe auf Postamenten. Ein Sandsteinsockel kommt noch darunter. Foto: Frank Saltenberger Noch lagert das Gerippe auf Postamenten. Ein Sandsteinsockel kommt noch darunter.
Neu-Anspach. 

Das Problem ist vielen Altbaubesitzern vertraut. Man möchte das Haus erhalten, doch die Schäden, die über Jahrzehnte beziehungsweise Jahrhunderte entstanden sind, haben ungeahnte Dimensionen erreicht.

Wie man ein altes Haus aufmöbeln kann, das wollen Altbauexperten jetzt im Hessenpark unter Beweis stellen und ein altes Fachwerkhaus mit modernstem Wohnkomfort aufbauen. Ausgerechnet im Freilichtmuseum, wo die Häuser sonst so genau am Original wie möglich wieder aufgebaut und eingerichtet werden, soll eine Musterhaus entstehen, in dem es sich bequem wie in einem Neubau leben lässt. Und, um es vorweg zu sagen, die Bedingungen, die sich im Hessenpark bei Neu-Anspach bieten, sind nicht die gleichen, die jemand an einer Dorfhauptstraße oder in einer Altstadt hat; es sind eher Laborbedingungen – und das fängt bereits mit der Baustelleneinrichtung an. Außerdem steht im Hessenpark genug handwerkliches Know-how zur Verfügung. Beispielsweise mit Zimmermeisterin Heike Notz:

Im Hessenpark lagern noch viele Gebäude weithin sichtbar unter Wellblechdächern. Das ausgewählte Haus kam Ende der 70er Jahre in den Hessenpark. „Wir haben das Fachwerk vom Stapel geholt, dann alle Wände ausgelegt, um zu sehen, was wohin kommt und in welchem Zustand das Holz ist“, erklärt sie. Das Holz aber war, wie sich bei der Sichtung herausstellte, nicht mehr vollständig wiederverwendbar: Es war damit das richtige Objekt für das Projekt, denn originaler Wiederaufbau besitzt bei diesem nicht die oberste Priorität, sondern außer der Energieeffizienz steht auch die Baustoffwahl unter den Aspekten Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung im Vordergrund.

Und so ist Holz bei der Konstruktion das Material der Wahl. Sowohl Eiche als auch Kiefer wurden einst verbaut. „Bis auf zwei mussten wir die Deckenbalken ersetzten“, erklärt der Bauleiter und planende Architekt Roman Läsker.

Modern eingerichtet

Beim Baustellenbesuch laufen Heike Notz und Zimmermeister Armin Mannschaft über die Deckenbalken, richten sie aus. Das Gerippe des Erdgeschosses steht schon, das heißt, es lagert noch auf Schwellen und Böcken: „Der Sockel wird später aus Sandsteinmauerwerk hergestellt“, erläutert Läsker, dabei werde Kalkmörtel verwendet. „Innendämmung ist schädlich, aber mit einer Außendämmung wird das Fachwerk verdeckt“, bringt Läsker das Dilemma auf den Punkt.

Mit der richtigen Materialfolge könne jedoch verhindert werden, dass zu viel Feuchtigkeit in der Wand bleibt. „Wichtig ist, dass das Material atmungsaktiv und diffusionsfähig ist. Mit Absperrungen, beispielsweise unter den Schwellen, erreicht man das Gegenteil“, so der Fachmann.

Das Haus werde bewusst modern eingerichtet und alle technischen und gestalterischen Ausbauten würden auf ein zeitgemäßes Wohnen ausgerichtet. Es bleibt der Haustyp, der der Bauweise des 17. Jahrhunderts entspricht, und der Erhalt des alten Gebälks, so weit es nicht ausgetauscht werden muss. „Über dem Eingang wird wieder der Fränkische Erker eingebaut, erläutert Notz.

Dabei handele es sich um eine aus der Wand leicht herausragende Rahmenarchitektur um ein Fenster. „Die Wetterseite wird verschalt und eine Ecke bleibt offen, denn hier kommt ein Glasanbau hin“, erklärt Läsker.

Im Glasanbau soll später über das Projekt und die technischen Lösungen informiert werden, etwa bei Seminaren für Fachleute. Denn das Musterhaus ist Kern eines „Kompetenzzentrums für Klimaschutz in Fachwerkstädten“, bei dem Hessenpark und Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstädte zusammenarbeiten. Besucher des Hessenparks (www.hessenpark.de) können den Aufbau des Musterhauses verfolgen, gelegentlich werden auch Führungen angeboten.

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