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Im Oktober beginnt die neue Rennsaison

Denkt man an Schlittenhunderennen, stellt man sich die Weiten Alaskas, Sibiriens oder Skandinaviens vor. Dass es aber auch in Deutschland und sogar im Taunus passionierte Anhänger dieses Sports gibt, kann man in Usingen beim SSNH (Sleddogsports Nordhessen) sehen.
Mit ihren Huskys verbindet Christine Nickel eine enge Freundschaft. Mit ihren Huskys verbindet Christine Nickel eine enge Freundschaft.
Usingen. 

Voller Vorfreude springen die Hunde auf die Hinterpfoten, ziehen an ihrem Geschirr und warten gespannt auf das Kommando zum Aufbruch. Angeführt von den Leithunden „Jim Beam“ und „Legolas“ stehen die Huskys von Ralf und Christine Nickel vor dem Rennschlitten, der sie in wenigen Augenblicken über die schneebedeckte Strecke ziehen wird.

Im Gespräch mit der TZ erklärten die Hundeschlittenführer Christine und Ralf Nickel, was für sie die Faszination am Schlittenhundesport ausmacht und wie ihr Leben mit den Hunden aussieht.

„Mein Mann und ich sind beide mit Tieren aufgewachsen“, erzählt Christine Nickel. Seit 21 Jahren haben sie sich dem Leben und der Arbeit mit Huskys verschrieben. „Und unser Kind sollte auch die Möglichkeit bekommen, mit solch einem Begleiter aufzuwachsen.“ Zunächst kam zwar ein Schäferhund in die Familie, aber bald erwachte die Begeisterung für Huskys.

Hundesport

Der SSNH (Sleddogsports Nordhessen) ist einer von etwa 30 Schlittenhundesportvereinen im deutschsprachigen Raum. Da er 2006 im nordhessischen Haina gegründet wurde, trägt er die Region im Namen.

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„Wir haben dann erst einmal gelernt, dass es da Unterschiede gibt“, erinnert sich Nickel lachend. „Unsere erste Hündin war ein sogenannter Show Dog, die hat lieber auf der Couch gelegen als lange Strecken zu laufen. Bald danach kam dann aber ein Rüde, der war ein Rennhund.“ Mit den Jahren stieg die Zahl der Tiere dann immer weiter an. „Wenn man einmal Huskyluft geschnuppert hat, ist es wie eine Infektion, die man nicht mehr los wird. Und so sind dann aus drei Hunden vier geworden, dann fünf und immer so weiter.“ Heute kümmern sich Christine und Ralf Nickel um acht Huskys.

In den Sommermonaten leben die Hunde auf dem Hof und im Zwinger. Während der Saison, die üblicherweise im Oktober beginnt und bis April dauert, trainieren die Nickels regelmäßig mit ihren Huskys.

Dabei werden die Distanzen Stück für Stück gesteigert: Nach zunächst drei Kilometern werden Läufe über fünf, acht und schließlich zehn Kilometer trainiert. Die Rennen sind zwar nur zwischen fünf und sieben Kilometer lang, aber durch die längeren Trainingsstrecken wird gewährleistet, dass die Hunde die Rennen auf jeden Fall durchhalten.

„Wir machen das normalerweise an der Hegewiese, da kennen uns die Leute mittlerweile schon“, erzählt Christine Nickel schmunzelnd. Wenn kein Schnee liegt, werden die Hunde vor einen Wagen gespannt, den das Rudel dann über die Strecke zieht. Außerdem finden Trainingseinheiten mit Wagen und Fahrrad statt, wenn noch kein Schnee liegt.

Die Musher – so heißen die Schlittenhundeführer – halten keine Zügel oder Leinen in der Hand, sondern kommunizieren mit den Hunden ausschließlich durch zugerufene Kommandos, etwa zum Lenken, Loslaufen oder Anhalten. Eine besondere Rolle spielen dabei die beiden zuvorderst eingespannten Leithunde. „Die werden so mit einem Jahr zum ersten Mal als Leithund eingespannt und brauchen dann zwischen einem halben und zwei Jahren, bis sie fertig ausgebildet sind.“ Nach weiteren drei bis vier Jahren haben sie dann auch die Kraft, die ein Leithund zum Führen des Schlittens benötigt.

 

Viele Erfolge

 

Mittlerweile konnten die Usinger zahlreiche Erfolge mit ihren Hundegespannen feiern: 2013 belegte Ralf Nickel sogar den vierten Platz bei den deutschen Meisterschaften im baden-württembergischen Reisenbach in der Kategorie A1 („Siberian-Husky“-Gespann mit acht Hunden). Auch Dutzende andere Pokale und Urkunden zieren das Geschäft der Nickels in Usingen.

Neben den bloßen Rennerfolgen sind die Nickels aber auch noch auf andere Projekte stolz. „Letztes Jahr haben wir bei einer Veranstaltung im Schwarzwald mit behinderten Kindern und Erwachsenen gearbeitet. Die Leute haben die Hunde gestreichelt, konnten das Fahren miterleben und es war einfach einzigartig zu sehen, was ein Hund in einem Menschen auslöst“, erinnert sich Christine Nickel.

Ab und an sehen sich die Nickels mit dem Vorwurf konfrontiert, es sei Quälerei, die Huskys vor einen Schlitten zu spannen und bei mitteleuropäischen Temperaturen laufen zu lassen. „Da treffen wir leider auch auf viel Unverständnis“, meint Christine Nickel.

„Der Husky ist ein Arbeitstier. Die Hunde freuen sich jedes Mal, wenn sie laufen und rennen können. Das liegt einfach in ihrer Natur. Und alle unsere Hunde kommen aus Züchtungen, die seit Generationen in Deutschland beheimatet sind. Unseren Huskys wäre es in Alaska viel zu kalt.“

Im Oktober beginnt die Saison für Christine und Ralf Nickel und ihre Hunde. Auch wenn sie in diesem Jahr nur an fünf Rennen teilnehmen, freuen sie sich jetzt schon auf die Zeit, wenn sie wieder durch den Schnee jagen können.

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