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Zierzucht: Mauritius Emmerich lebt mit hundert Wellensittichen

Von Mauritius Emmerich züchtet Sittiche. Vor allem ausgefallene bunte. Nicht zu verkaufen sind seine Blaustirnamazonen, die sich noch in den Flitterwochen befinden.
Mauritius Emmerich mit seinen beiden Blaustirnamazonen Rico und Paula vor einem Käfig voller bunter Sittiche. Foto: Corina Appel Mauritius Emmerich mit seinen beiden Blaustirnamazonen Rico und Paula vor einem Käfig voller bunter Sittiche.
Wehrheim. 

Es gibt da in Wehrheim einen jungen Mann, bei dem piept’s. Und das macht ihn glücklich, denn Mauritius Emmerich züchtet Wellensittiche. Wer in sein Züchter-Domizil kommt, wird von Pfeifen, Zwitschern und einem kurzen „Hallo“ empfangen. Das Hallo stammt von Paula, einer Blaustirnamazone und der Neuzugang im Vogelhaus. Außer den kürzlich geschlüpften Küken der Wellensittiche selbstverständlich.

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Brautschau unter Aufsicht

Dass Paula in Wehrheim gelandet ist, hat sie Rico zu verdanken, ihrem Partner. Der war nämlich nachdem er seine vorherige Partnerin verloren hat, drei Wochen auf Brautschau. Unter Aufsicht, versteht sich. Und Rico ist wählerisch. Die Erstbeste kam nicht in seine Behausung. Paula muss also etwas Besonderes sein. Gefunden hat er sie in einem Papageien-Vogelpark. Hier wurden ihm mehrere Blaustirnamazonendamen vorgestellt und bei Paula hat’s gefunkt.

Hat die Liebe Bestand?

Um zu testen, ob die Liebe auch Bestand hat, ließ Emmerich den beiden eine Woche Zeit. „Und da war klar, dass es passt“, freut sich der junge Sittich-Züchter. Paula und Rico gehören übrigens nicht zur Zucht, das sind die Papageien, die der 24-Jährige nur für sich hält.

So sieht ein Wellensittich zwei Wochen nach dem Schlüpfen aus. Doch nicht nur sie züchtet Emmerich, sondern noch viele weitere Arten. Bild-Zoom Foto: Corina Appel
So sieht ein Wellensittich zwei Wochen nach dem Schlüpfen aus. Doch nicht nur sie züchtet Emmerich, sondern noch viele weitere Arten.

Im Nachbarkäfig hat sich ein Mohrenkopfpapagei am Frontgitter festgeklammert und beobachtet genau, was im Vogelhaus vor sich geht. Ein neugieriger kleiner Geselle. Wenn Emmerich ihn aus seiner Behausung holen will, braucht er nur einen Holzstab hinein zu halten. Sofort schnappt ihn der Mohrenkopf mit seinem Schnabel, klettert drauf und dann über Emmerichs Arm auf dessen Schulter. So wirklich behaglich scheint ihm bei dem fremden Besuch im Vogelhaus allerdings nicht zu sein. Die Mohrenkopfpapageien gehören ebenfalls nicht zur Zucht.

Wilde Vögel

Kommen wir deshalb jetzt zu den Sittichen. Da hat der 24-Jährige eine ganze Menge. Bourke-, Schmuck- und Ziegensittiche, Nymphen- und Katharinasittiche. Und eine Besonderheit: Wilde Wellensittiche. „Die wurden früher von Australien nach Dänemark gebracht, wo es sie heute noch gibt. In Deutschland hat nur der Kölner Zoo welche“, weiß Mauritius Emmerich. Die grünen „Wilden“ haben ein ganz anderes Schwarmverhalten als die reinen Zuchtsittiche und auch ein viel ausgeprägteres Sozialverhalten. Sie kümmern sich beispielsweise viel intensiver um ihre Jungen.

Küken jeden Alters

Apropos Junge. Derzeit hat Emmerich – er züchtet seit 2011 – Küken in allen Altersklassen. Eins ist gerade einen Tag alt, das nächste zwei und schon deutlich größer und das zwei Wochen alte Wellensittich-Baby sieht schon fast aus, wie ein richtiger Vogel. Besonders farbenprächtig sind die Schmucksittiche, die in Rosa-Gelb oder in Blau-Grün leuchten. Dann gibt es noch welche in Quietschgelb oder Grasgrün.

Das linke Küken ist einen Tag, das rechte zwei Tage alt. Bild-Zoom Foto: Corina Appel
Das linke Küken ist einen Tag, das rechte zwei Tage alt.

Die Ziegensittiche haben einen starken Drang nach Bewegung und „meckern“ gerne. Sie hangeln sich in gutem Tempo an der Käfigdecke entlang und springen auf die Schaukel. Die großen Volieren sind mit einer Menge Spielzeug für die Tiere ausgestattet. Etwa 80 bis 100 Vögel hat der Hobby-Züchter derzeit. Mehr sollen es auch nicht werden. Keine Massenzucht und an Zoohandlungen gibt er auch keine Tiere ab. „Ich weiß immer, wohin die Vögel gehen“, sagt Emmerich. Und die neuen Besitzer kommen nicht nur aus ganz Deutschland. Sie reisen auch aus Frankreich, den Niederlanden und Dänemark an. Werbung braucht der 24-Jährige keine mehr zu machen. Für dieses Jahr sind bereits alle Vögel vergeben.

Viele Vogelliebhaber haben eine Gartenvoliere, in denen sie die Sittiche halten, oder sie trainieren sie handzahm. „Die Vögel brauchen Beschäftigung und Freiflug. Und man muss damit rechnen, dass die Tapete angeknabbert wird.“ Und wenn mal einer seiner Sittiche einen etwas ausgedehnteren Ausflug unternimmt und nicht mehr zurückfindet, hilft der geschlossene Ring am Fuß des Vogels. Damit kann Emmerich jederzeit als Züchter ausfindig gemacht werden.

Wer auch gerne einen Wellensittich aus der Vogelzucht von Emmerich haben will, muss spätestens im November für das kommende Jahr reservieren. Im Mai/Juni kommen die Jungen zur Welt und wenn sie sich gut entwickelt haben, können sie abgegeben werden. Weitere Infos unter www.wellensittichzucht-emmerich.de.

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