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Flüchtlingsunterkunft Hotel Sonnenberg: Riedelbach fühlt sich verschaukelt

Von Die Nachricht vom bevorstehenden Auszug der Flüchtlinge aus dem Hotel Sonnenberg hat in Riedelbach eingeschlagen wie eine Bombe. Niemand sei informiert worden, kritisiert die Flüchtlingshilfe Weilrod vor allem den Hochtaunuskreis. Auch der Bürgermeister ist sauer.
Hotel Sonnenberg Riedelbach Hotel Sonnenberg Riedelbach
Riedelbach. 

Die Flüchtlingshilfe Weilrod ist in heller Aufregung. Aus der Taunus Zeitung haben die Helfer am Dienstag erfahren, dass die 58 im Hotel Sonnenberg in Riedelbach untergebrachten Flüchtlinge zum Monatsende ausziehen müssen, nachdem die Verkaufsverhandlungen zwischen Hotelier und Investor gescheitert waren.

„Uns hat niemand informiert, nicht der Eigentümer, nicht der Investor und vor allem nicht der Hochtaunuskreis“, schimpft Karin Layer von der Flüchtlingshilfe. Die Flüchtlinge selbst seien auch nicht informiert worden, „wenigstens hätte jemand vom Kreis nach Riedelbach kommen können, um ihnen die Sache zu erklären“, sagt sie. Ihre Mitstreiterin Monika Nickel-Schuhmacher spricht gar von „menschenverachtendem Umgang mit den Flüchtlingen“. Sie kritisiert, dass der Kreis die Dinge einfach „aussitzt“.

Willkommens- und Abschiedskaffee

Eigentlich wollten Flüchtlingshilfe und Dorfgemeinschaft alle interessierten Bürger für Sonntag, 31. Januar, zum gemeinsamen Willkommenskaffee mit den Flüchtlingen einladen.

clearing

Gar kein Verständnis hat man bei der Flüchtlingshilfe dafür, dass der Kreis gegenüber der TZ noch am Montag kommuniziert, dass die Menschen zum Teil in die Emmershausener Mühle umziehen sollen: „Beim Kreis weiß man doch auch, dass die seit Montag mit 49 Neuankömmlingen und den 11 vergangene Woche angekommenen Flüchtlingen bereits voll ist, allenfalls vier könnten dort noch unterkommen“, wundert sich Layer. Die Flüchtlingshelfer sind auch sehr verärgert und enttäuscht über den Umgang, den der Kreis mit ihnen pflegt: „Wir wollen helfen, fühlen uns aber so, als würden wir nur stören.“ Noch wisse niemand, wo die Bewohner des Hotels Sonnenberg ab 1. Februar wirklich wohnen werden, möglicherweise in der Erbismühle, deren Kapazitäten aber auch endlich seien: „Vermutlich erwartet man, dass wir auch noch den Umzug organisieren.“

Erneut entwurzelt

Besonders tragisch findet Layer, dass man entwurzelten Menschen in Riedelbach übergangsweise eine neue Heimat gegeben habe, damit sie nach den Strapazen der Flucht etwas zur Ruhe kommen können, sie aber nun erneut entwurzele.

Layer, wie im übrigen auch Bürgermeister Axel Bangert (SPD), sagten, dass Riedelbach ein Musterbeispiel für Integration sei. Längst hätten sich Freundschaften und Patenschaften entwickelt, die Kinder gingen bereits in die Grund- und Realschule, man treffe sich bei Kaffee und Kuchen zum Deutschlernen – all das funktioniere reibungslos und werde nun mit Füßen getreten. Layer: „Die Menschen dort leben zwar teils in unbeheizten Zimmern, fühlen sich aber dennoch wohl, und vor allem – sie vertragen sich alle.“

Vollendete Tatsachen

Bangert ist seinerseits verärgert darüber, dass er vom Informationsfluss mehr oder weniger abgeschnitten sei und wie zu Beginn der Belegung des Hotels Sonnenberg fast immer nur vor vollendete Tatsachen gestellt werde.

Dass der Vertrag zwischen Hotelbetreiber und Investor auf der Kippe stand, sei bereits länger bekannt. Warum reagiere man beim Kreis dann nicht schon viel früher, sondern warte bis zum letzten Moment, man habe nun gerade einmal zehn Tage, um alles zu organisieren, fragt Layer, die sich mit ihren Mitstreitern vor den Kopf gestoßen und mit den Problemen alleingelassen fühlt.

Dass die Unterkunft mit „Security rund um die Uhr“, wie der Hotelier dies der TZ gegenüber erklärt hat, nicht wirtschaftlich zu betreiben sei, hält man bei der Flüchtlingshilfe im Übrigen für vorgeschoben. In anderen Unterkünften stellten die Versicherer derartige Forderungen nicht. Nickel-Schuhmacher: „Hier geht es vorrangig um Geld, wir haben, als wir von den Problemen der Vertragsgestaltung gehört hatten, dem Hotelbetreiber einen anderen Investor genannt. Auch das ist wohl am Preis gescheitert.“

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