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Weltkriegs-Bunker: Spuren brauner Vergangenheit

Von Geheimnisvolle, geschichtsträchtige Orte befinden sich in direkter Nachbarschaft des Usinger Landes, im Grenzgebiet. Am Ortsrand von Langenhain-Ziegenberg im Wetteraukreis liegt etwa liegt, hinter heruntergekommen Bauten und einem Stacheldrahtzaun ein ungewöhnliches Zeugnis der Geschichte. Es ist ein ehemaliger Bunker aus der Zeit des Nationalsozialismus.
Die Frontseite des Bunkerhauses mit Balkon. Im Erdgeschoss befand sich ein Zugang zur eigentlichen Bunkeranlage des Führerhauptquartiers. Foto: Pieren Die Frontseite des Bunkerhauses mit Balkon. Im Erdgeschoss befand sich ein Zugang zur eigentlichen Bunkeranlage des Führerhauptquartiers.
Usinger Land/Wetterau. 

Noch immer hängen auch zweieinhalb Wochen nach der Bundestagswahl NPD-Wahlplakate an den Laternenmasten unerreichbar in drei Metern Höhe entlang der B 275. Mit drei Zweitstimmen (0,5 Prozent) hat die rechtsextreme Partei in Langenhain-Ziegenberg kein besseres Ergebnis erzielt als im gesamten Landkreis.

Wegen seiner strategischen Bedeutung während des Zweiten Weltkrieges aber zieht der knapp 1400 Einwohner zählende Ortsteil von Ober-Mörlen immer noch Ewiggestrige und Rechtsextreme an, aber auch viele Hobby-Historiker interessieren sich für den ehemaligen Führerbunker.

Die Zerstörung Ziegenbergs

Die kleine Gemeinde Ziegenberg hatte in ihrer Geschichte durch den im Sommer 1939 begonnenen Bau der gigantischen Bunkeranlage mit bis zu 12 000 Arbeitern ihre größte Bedeutung erlangt.

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Ziel sind die Überreste des am Ortsrand hinter Stacheldrahtzaun gelegenen einstigen Führerhauptquartiers Adlerhorst. Geheimnisvoll und mysteriös entdeckt man hinter den videoüberwachten Sperranlagen heruntergekommene Bauten und Bunkeranlagen. Sperrige von Efeu überwucherte Betonwände zeugen von einem Verbindungstrakt zwischen Schloss Ziegenberg und dem Bunkersystem.

Auch Depot ist Sperrgebiet

Das gigantische Bunkersystem zieht sich von der Abzweigung der B 275 in Richtung Wiesental unterhalb des Schlosses Ziegenberg durch den Schneiderwald. Aus Richtung Usingen kommend zweigt noch vor dem Ortseingang nach links in den Wald eine Zufahrt in das später dort von der Bundeswehr errichtete, aber längst auch verlassene Munitionslager ab – heute ist das Depot ebenfalls Sperrgebiet und sich selbst überlassen.

„Ziegenberg wurde bereits in der Mitte der 30er Jahre als Standort für das Führerhauptquartier ausgewählt, da es in sicherer Entfernung von französischen Ferngeschützen im Windschatten des Taunus lag und zudem schnell von der Autobahn aus Richtung Berlin kommend zu erreichen war“, berichtet der Bad Homburger Geschichtsforscher Bernd Vorlaeufer-Germer. Er ist bekannt für seine Exkursionen zu den nationalsozialistischen Orten im Taunus.

In der militärischen Planung der Nationalsozialisten war der Adlerhorst als Oberbefehlszentrale für die geplante, aber nie realisierte Invasion Englands vorgesehen. Tatsächlich näherte sich dann am späten Vormittag des 11. Dezember 1944 ein Autokonvoi aus der Fahrtrichtung Lich/Münzenberg dem Ort im Taunus.

Die letzte Offensive

Von Ober-Mörlen über die Reichsstraße 275, der heutigen B 275, kommend, zweigte der Konvoi in Ziegenberg unterhalb des Schlosses nach rechts in das Wiesental ab. In einem der Fahrzeuge saß Adolf Hitler, der aus dem dort versteckt gelegenen Führerhauptquartier Adlerhorst die letzte Offensive der Wehrmacht in den Ardennen kommandieren sollte.

„Nach der Invasion der Alliierten in der Normandie und der ab diesem Zeitpunkt näher rückenden Westfront wurde die Oberbefehlsleitung West ab Oktober 1944 in das Bunkersystem einquartiert“, so Vorlaeufer-Germer. „Hitler befehligte nach seiner Ankunft dann gar nicht mehr von dem eigentlichen Bunker aus die letzte Offensive der Deutschen Wehrmacht, sondern wich in die Barackensiedlung im hinteren Wiesental aus, von der aus ebenfalls Stollen in die Bunkeranlage gingen“, berichtet der Historiker.

Es sollten die letzten fünf Wochen seines Lebens sein, die Hitler außerhalb der Reichshauptstadt Berlin verbrachte. Seltsame Parallele: Nach seiner Rückkehr aus dem Wetteraukreis verließ Diktator die Reichskanzlei nie mehr lebend. Bereits während der fünf Wochen seines Aufenthaltes hatte er, so der Geschichtsforscher Bernd Vorlaeufer-Germer, die Bunkeranlagen des Führerhauptquartiers Adlerhorst niemals verlassen.

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