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Vogel- und Naturschutzgruppe: Unter Feldhamstern gibt’s auch Messies

Von Feldhamster waren früher Feinde der Landwirtschaft, heute ist die Landwirtschaft ihr Feind. Es gibt kaum noch welche von ihnen in Feld und Flur.
Dieser niedliche kleine Nager hat es schwer in unserer zivilisierten Welt. 	Foto: Appel Dieser niedliche kleine Nager hat es schwer in unserer zivilisierten Welt. Foto: Appel
Grävenwiesbach. 

Um ein possierliches Tierchen ging es am vergangenen Mittwoch bei der Vogel- und Naturschutzgruppe. Die Mitglieder und Gäste nahmen den Feldhamster einmal genauer unter die Lupe. Genauer gesagt: Manfred Sattler von der Arbeitsgemeinschaft Feldhamsterschutz nimmt ihn schon seit vielen Jahren genau unter die Lupe, er ist ein Feldhamster-Experte.

Was er so alles berichten konnte, war erstaunlich. Das erste: Es gibt sie noch. Wenn auch nicht mehr in der Größenordnung wie einst und auch nicht im Hochtaunus. Doch mit Zahlen ist Sattler sehr zurückhaltend. Nur ein Beispiel nannte er: Früher – also, als die Landwirtschaft noch nicht mit großen schweren Geräten gearbeitet hat und die Felder nach der Ernte noch Zeit zur Regeneration hatten – gab es so viele Feldhamster, dass sie von Bauern als Schädlinge gejagt wurden. Ein Jäger konnte locker 4000 Hamster erlegen, das Fell verkaufen und davon gut leben, ohne dem Bestand groß zu schaden. „So viele Exemplare gibt es heute wahrscheinlich in ganz Deutschland nicht mehr“, sagte der Experte. Doch wie gesagt, auf Zahlen will er sich nicht festlegen, daher diente seine Aussage mehr der Andeutung der radikalen Dezimierung des possierlichen Säugetieres. Die Industrialisierung der Landwirtschaft, Bauprojekte, Straßen – es gebe viele Faktoren, die zur langsamen Ausrottung beitragen.

Doch wollte Manfred Sattler nicht über den derzeitigen Zustand jammern, sondern den Naturschützern vielmehr einiges von der Schönheit und den Gepflogenheiten des Feldhamsters näherbringen. Dazu hatte er viele selbst aufgenommene Dias dabei.

Sehr Interessantes war darunter. So hat er während seiner vielen Exkursionen und Untersuchungen festgestellt, dass es unter Feldhamstern auch Messies gibt. Während die normalerweise eher ordentlichen Tiere ihre Höhle in Vorratskammer, Schlafkammer und Kotkammer einteilen, gibt es welche, in deren Zuhause Chaos herrscht. Doch das sind Ausnahmen, stellte der Naturschützer fest.

 

Ein Einzelgänger

 

Der Feldhamster ist Einzelgänger, wiegt bis zu 500 Gramm und wird zwei bis drei Jahre alt, wobei drei Jahre schon ein biblisches Hamsteralter ist. Er baut Höhlen, die durch Fallrohre zugängig sind, in eine Tiefe von etwa eineinhalb bis zwei Metern in den Boden. „Das ist charakteristisch, so etwas macht kein anderes Tier“, erklärte der Dozent. Wenn es regnet, verschließen die Bewohner ihre Eingänge sorgfältig. Da sie keinen richtigen Winterschlaf halten, sorgen sie vor. Getreide, Kräuter, Rüben, Mais, Kartoffeln, also so ziemlich alles, was auf Feldern wächst, wird eingebunkert. Zwei bis vier Kilo braucht so ein Tierchen, um gut über den Winter zu kommen. Gut, dass die kleinen Nager schöne Taschen in den Backen haben, worin sie ihr Futter transportieren können.

Während der Paarungszeit muss das Männchen sich mehrmals bei seiner Auserwählten vorstellen und Duftstoffe hinterlassen. „Es kann aber sein, dass sie sich doch für einen anderen entscheidet“, erklärte der Experte aus dem Main-Kinzig-Kreis. Doch wenn er zum Zug gekommen ist und das Weibchen trächtig wird, wird es auch niederträchtig. Dann hat das Männchen seine Schuldigkeit getan und muss gehen. Will es nicht, wird es mittels der scharfen Zähnchen dazu aufgefordert.

 

Wer noch mehr über die kleinen Nager und ihren Schutz erfahren möchte oder mal an einer Exkursion von Manfred Sattler teilnehmen möchte, kann sich über www.feldhamster.de informieren.

 

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