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Wildtiere: Weidezäune sind eine fast unsichtbare Gefahr

Von Menschen nehmen Weidezäune kaum wahr, solange sie keine (Schleich-)Wege blockieren. Für Wildtiere können sie aber schnell gefährlich werden. Die Verwaltung bittet die Viehhalter deswegen darum, die Zäune im Blick zu haben und wenn sie nicht gebraucht werden abzubauen.
Dieser Zaun bei Wehrheim ist zugewuchert, so dass Wildtiere ihn nachts kaum sehen können. Bei ortsfesten Anlagen ist das weniger ein Problem, denn die Tiere kennen ihr Revier. Die Gemeinde appelliert an die Bürger, vor allem mobile ungenutzte Zäune abzubauen. Dieser Zaun bei Wehrheim ist zugewuchert, so dass Wildtiere ihn nachts kaum sehen können. Bei ortsfesten Anlagen ist das weniger ein Problem, denn die Tiere kennen ihr Revier. Die Gemeinde appelliert an die Bürger, vor allem mobile ungenutzte Zäune abzubauen.
Wehrheim. 

Zäune sind praktisch. Das, was darin eingesperrt ist, läuft nicht weg und landet somit nicht vor anderer Leute Stoßstange oder in fremden Gärten. Doch es gibt auch die Kehrseite der Medaille. Denn Zäune stellen, vor allem wenn sie vernachlässigt werden oder falsch gebaut sind, auch eine Gefahr für Wildtiere da.

Das geht schneller als man denken mag. Ein freilaufender Hund, eine knallende Fehlzündung bei einem vorbeifahrenden Motorrad – und schon sieht das Wild zu, dass es Land gewinnt. Es flieht und sucht sich seinen Weg zwischen den Hindernissen hindurch. Derzeit herrscht zudem Brunft – und da sind die Hirsche gelinde gesagt etwas abgelenkt.

Treffen fliehende oder brunftende Tiere dann auf Zäune, beziehungsweise den die Pfosten verbindenen Draht, kann es schnell gefährlich werden.

Ortsfeste Anlagen sind meist stabil gebaut, so dass das Tier mit voller Wucht in den Draht stürmt. Ist der dann noch mit Dornen bewährt, drohen schwere Verletzungen, zumal das Tier in solch einer Situation nicht erst reflektiert und überlegt, wie es der Falle möglichst schmerzfrei entgehen kann. Im Gegenteil: Es wird so lange gestrampelt und gebockt, bis es frei ist. Das tut weh. Deswegen werden Stacheldraht-Zäune schon lange nicht mehr empfohlen – bei der Pferdehaltung sind sie bereits verboten. Auch kann derjenige, der sie einsetzt, unter Umständen sogar für Sach- und Personenschäden haftbar gemacht werden.

Qualvoller Tod

Noch tückischer sind jedoch die mobilen Weidezäune. Bleibt ein Hirsch daran hängen, verwickeln sich die Drähte nicht nur leicht im Geweih, auch die Pfosten geben nach, so dass das Wild gleichsam im Netz hängt. Schon manches Stück Rotwild ist einen langsamen und qualvollen Tod gestorben oder musste von Jägern erlöst werden.

Die Gemeinde Wehrheim appelliert daher derzeit an alle Viehhalter, nicht mehr benötigte Weidezäune möglichst rasch zurückzubauen und auch sonst regelmäßig nach dem Rechten zu sehen.

So mahnt die Verwaltung: „Ungenutzte, zu früh aufgestellte oder nach der Beweidung stehen gelassene Weidezaunlitzen stellen zudem eine grundlose Beeinträchtigung der Lebensstätten von Wildtieren dar und verstoßen somit gegen § 39 des Bundesnaturschutzgesetzes.“ Auch sollen durchhängende oder zugewachsene Zäune, die den ursprünglichen Schutzzweck nicht mehr erfüllen, beseitigt werden. „Bitte helfen Sie mit, unsere Wildtiere besser zu schützen und entfernen Sie alle ungenutzten Weidezäune sowie sonstige Gefahrenstellen aus ihren Flächen!“, so der Appell weiter.

Wild geht der Platz aus

Ins gleiche Horn stößt auch Frank Cernic, Vorsitzender der Hegegemeinschaft IV (Vordertaunus) und Zweiter Vorsitzender der Jägervereinigung Usingen. „Das Rotwild, unsere größte heimische Wildart, wurde nach und nach durch den Mensch verdrängt und dadurch zum vielerorts nachtaktiven Waldbewohner. Nun wird auch dort der Platz immer enger“, gibt der Obernhainer zu bedenken. Auch durch immer weiteren Straßenbau und intensive Landwirtschaft werde der Lebensraum des Rotwilds kleiner, die Grünlandflächen des Usinger Landes werden zunehmend, als Pferdeweiden genutzt.

„Prinzipiell stört sich das Rotwild nicht an der Präsenz der Pferde, jedoch bilden die häufig verwendeten Elektrozäune oft eine tödliche Gefahr.“ Deswegen müssten jetzt, wenn durch die Rotwildbrunft das Wild besonders aktiv ist, nicht mehr benötigte Zäune entfernt werden oder zumindest überprüft werden. „Leider wissen viele Halter nicht einmal, dass die Errichtung durch die Untere Naturschutzbehörde genehmigt werden muss. In jedem Fall empfiehlt es sich, derartige Maßnahmen mit dem zuständigen Jagdausübungsberechtigten abzustimmen.“

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