E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 21°C

Flüchtlinge m Taunus: „Wir halten uns an deutsche Regeln“

Von Auch die Flüchtlinge reagieren auf die Kölner Silvesternacht und distanzieren sich von Gewalt in jeder Form. „Dieser Vorfall macht uns sehr traurig.“
Ahmed Chaudary Shahios, Samim Hashimi, Alaaeddin Alhamoud, Wissam Sarem und Hussam Albakkar (von links) bei der Übergabe der gesammelten Texte im Rathaus. Foto: Frank Saltenberger Ahmed Chaudary Shahios, Samim Hashimi, Alaaeddin Alhamoud, Wissam Sarem und Hussam Albakkar (von links) bei der Übergabe der gesammelten Texte im Rathaus.
Neu-Anspach. 

Fünf Männer wurden gestern im Rathaus von Bürgermeister Klaus Hoffmann (CDU) empfangen. Sie hatten Flipchart-Bögen dabei, entrollten sie im Magistratszimmer und stellten sich einem Gespräch.

Was sie zu sagen hatten, richtete sich nicht ausschließlich an den Bürgermeister und seinen Amtsleiter Frank Vogel, der die Aufnahme der Flüchtlinge betreut. Sie wollten sich auch nicht über irgendwelche Missstände beklagen, sondern sie suchten eine Plattform, um sich an die Bürger hierzulande wenden zu können.

Ihre Botschaft war eindeutig und wurde in vielen Sätzen formuliert – sowohl in arabischen Schriftzeichen als auch in englischen Sätzen, jeweils mit Übersetzung.

Auch mit dem ersten erlernten Deutsch wurde ausgedrückt, was den Menschen aus fremden Ländern am Herzen liegt: Wir distanzieren uns von den Ereignissen in der Silvesternacht in Köln oder anderen Städten.

„Wir haben unser Land aus Angst vor Krieg und Mord verlassen, wir sind gegen Gewalt in jedem Land, ganz besonders im Aufnahmeland Deutschland“, oder: „Wir sind gekommen, um Frieden zu finden. Was in Köln passiert ist, ist ein Akt der Unmenschlichkeit“, oder: „Dieser Vorfall macht uns sehr traurig, wir verachten die Menschen, die den Frauen das angetan haben“.

Viele Sätze drückten auch den Dank für die Aufnahme durch die Menschen hierzulande und die Bundesregierung aus. Die Texte wurden von vielen unterzeichnet und Jugendliche, die in der Basa (Alte Schule Anspach) untergebracht sind, haben ein eigenes Blatt gestaltet. „Wir möchten eifrig lernen, damit wir die deutsche Gesellschaft unterstützen können“, „Wir möchten zeigen, was wir können“, „Wir sind froh, dass wir hier ohne Angst leben können“, „Wir halten uns an deutsche Regeln“, heißt es dort.

Die Silvesternacht haben die Männer aus Afghanistan, Syrien und Pakistan, entweder mit ihrer Familie verbracht oder mit Freunden und Mitbewohnern ferngesehen und auf ein neues Jahr mit Perspektiven gehofft. Jetzt fürchten sie, dass sich die Kölner Ereignisse auf alle Flüchtlinge niederschlagen und ihnen künftig verstärkt mit Misstrauen begegnet wird.

„Es gibt schon Reaktionen“, sagte Frank Vogel. Besonders wenn sein Amt auf der Suche nach Wohnraum ist, sei dies schon ein Thema. Aber, so Vogels Resümee: „Wir haben das hier bisher gut gemeistert“.

Das bekräftigte auch Bürgermeister Hoffmann und wusste auch, wer wesentlichen Anteil daran hat, dass in seiner Stadt alles so gut läuft: „Wenn Sie nicht so nah an den Flüchtlingen wären . . .“, bedankte er sich beim Arbeitskreis Flüchtlinge, der mit einigen Vertretern und der Ausländerbeirätin Eila Misselwitz im Rathaus dabei war.

AK war federführend

Der Arbeitskreis hatte die Sache auch ins Rollen gebracht: „Wir wollten einfach einmal wissen, was unsere Flüchtlinge über die Ereignisse von Köln denken“, sagte Werner Schultz vom Arbeitskreis. Dann habe man schnell gemerkt, dass man den Flüchtlingen auch eine Möglichkeit geben müsse, öffentlich dazu Stellung zu nehmen, so Schultz weiter zu den Hintergründen der Aktion. „Auf unseren regelmäßigen Treffen haben Männer wie Frauen die Sätze formuliert, die dann mit Übersetzungen versehen worden seien“, erklärte Thomas Paul vom Arbeitskreis. „Wir sind noch nicht einmal auf der Mitte des Weges. Die Unterbringung ist erst einmal die wichtigste Aufgabe, aber die eigentliche Phase der Integration steht uns noch bevor“, so der Bürgermeister.

Die Integration, darüber waren sich alle einig, könne nur gelingen, wenn das Miteinander von Gewaltlosigkeit, gegenseitigem Respekt und frei von Vorurteilen ist.

Zur Startseite Mehr aus Usinger Land

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen