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Gewalttat mit gerichtlichem Nachspiel: 20-Jähriger vor Jugendgericht: Der Ex die Nase gebrochen

Von Die Vorwürfe gegen einen 20 Jahre alten Bad Homburger sind gravierend. Er soll zunächst seine Ex-Freundin geschlagen und später versucht haben, deren Bruder zu überfahren. Die Taten räumt der junge Mann zwar ein, aber dennoch sei alles anders gewesen.
Symbolbild Gewalt Foto: Karl-Josef Hildenbrand (dpa) Symbolbild
Bad Homburg. 

Der 20 Jahre alte Bad Homburger – ohne Schulabschluss und ohne Beruf – wollte nicht akzeptieren, dass sich seine Ex-Freundin (19) vor drei Monaten von ihm getrennt hatte. Grund der Trennung war nach Aussage der 19-Jährigen die Gewaltbereitschaft ihres Freundes. Die bekam sie dann am 22. Juni vergangenen Jahres am eigenen Leib zu spüren.

Laut Anklage hatte der 20-Jährige seine Freundin, die in der Wetterau wohnt, gegen 13 Uhr in Friedberg auf der Straße abgepasst und sie in eine Seitenstraße gezogen. Dort habe er sie drei Mal ins Gesicht geschlagen und ihr einen Nasenbeinbruch zugefügt. Erst durch diese Verletzung erfuhren die Mutter und ein Bruder der jungen Frau von der vorherigen Beziehung zu dem Bad Homburger.

Der Bruder wollte wegen der Schläge eine Aussprache mit dem Angeklagten. Doch statt einer Klärung des Sachverhalts eskalierte die Situation. Laut Staatsanwältin war der Angeklagte damals in Frankfurt mit seinem Auto auf den in Straßenmitte wartenden Bruder der Ex-Freundin zugefahren und hatte dabei sogar noch beschleunigt. Der Bruder konnte nicht mehr ausweichen und wurde vom Auto seitlich getroffen, so dass er nach Aussagen eines Zeugen „durch die Luft gewirbelt“ wurde. Der 20-Jährige war danach davongefahren. Immerhin hatte der Bruder Glück im Unglück: Bei der folgenden Untersuchung im Krankenhaus wurden nur Prellungen am linken Ellenbogen, am Knie und an der linken Körperseite diagnostiziert.

Jetzt folgte das gerichtliche Nachspiel für den Homburger. Vorgeworfen wurden ihm einfache und gefährliche Körperverletzung an der Ex-Freundin und ihrem Bruder. Außerdem kam der Vorwurf des „gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr“ und „Verkehrsunfallflucht“ hinzu.

Andere Version

Vor Gericht räumte der Verteidiger im Namen seines Mandanten die Taten ein. Doch seine Schilderung der Vorfälle wich von der Version der Staatsanwaltschaft in vielen Punkten ab. So behauptete er, dass sich seine Ex-Freundin zu ihm in den Wagen gesetzt habe. Sie habe ihn aufgefordert, schneller zu fahren, damit niemand aus ihrer Verwandtschaft sie sehe. Deshalb habe sie ihm auch mit der Tasche mehrmals auf den Arm geschlagen. Im Reflex habe er zurückgeschlagen und sie dabei unabsichtlich im Gesicht getroffen, erzählte er.

Die Ex-Freundin blieb dagegen bei ihrer Schilderung, dass ihr der Angeklagte auf der Straße aufgelauert habe und ihr danach ohne jeglichen Anlass Schläge versetzt habe. „Ich wurde wegen der Verletzung kurzzeitig krankgeschrieben und hatte mehrere Wochen Schmerzen“, erzählte sie in der Verhandlung.

Wenig Übereinstimmung gab es auch bei dem Vorfall in Frankfurt. Hier behauptete der Angeklagte, er habe angenommen, dass er in einen Hinterhalt gelockt worden sei. Deshalb sei er aus Angst mit seinem Fahrzeug geflüchtet. Dabei habe er den Bruder seiner „Ex“, einen 24-jährigen Studenten, ungewollt angefahren.

Vater obszön beleidigt

Aber auch damit stand er im Widerspruch zu den Aussagen der Betroffenen und neutralen Zeugen. Sie berichteten, dass der Angeklagte Gas gegeben habe und gewollt auf den 24-Jährigen zugefahren sei. Der Vater der jungen Frau hatte nach dem Vorfall mit dem Angeklagten ein Telefongespräch geführt. Dabei hatte es offenbar reichlich primitive und obszönen Beleidigungen von dem 20-Jährigen gehagelt. „Hätte ich ihn damals erwischt, hätte ich ihn umgebracht“, schimpfte er im Gericht noch ganz erregt.

Staatsanwältin und Richterin sahen den Angeklagten eindeutig überführt. Zugute kam dem 20-Jährigen, dass er nach dem Jugendstrafrecht verurteilt wurde. Danach gab es eine Verwarnung und einen Dauerarrest von vier Wochen sowie die Auflage, 100 gemeinnützige Arbeitsstunden abzuleisten. Außerdem wurde ihm ein Fahrverbot von drei Monaten auferlegt. Glück für ihn war auch, dass die Staatsanwaltschaft ihm nicht sofort den Führerschein entzogen hatte, sonst wäre ihm laut Richterin die Fahrerlaubnis für viele Monate entzogen worden. „Ich kann deshalb nur eine kurzzeitige Fahrsperre verhängen“, ließ die Richterin ein wenig resignierend den Angeklagten wissen.

Der Anwalt des Angeklagten hat gegen das Urteil mittlerweile Berufung eingelegt.

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