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Seulberg: 250 Ballett-Kinder tanzen "Furore in Phantasia"

Eine große Bühnenproduktion bereitet die Seulberger Ballettschule Alena Schneider vor. Dazu gehört nicht nur, dass Spagat, Radschlagen und viele Ballettschritte geübt werden müssen. Auch die zahlreichen Kostüme wollen genäht werden.
Ballettlehrerin Alena Schneider (Zweite von links) übt mit ihren Schülerinnen Esra Helene Bücker (links), Aline Jeanne Schröder (Mitte), Hannah Tietjen (Zweite von rechts) und Maya Tietjen (rechts). Foto: Jochen Reichwein Ballettlehrerin Alena Schneider (Zweite von links) übt mit ihren Schülerinnen Esra Helene Bücker (links), Aline Jeanne Schröder (Mitte), Hannah Tietjen (Zweite von rechts) und Maya Tietjen (rechts).
Seulberg. 

Die jüngste Einhorn-Tänzerin ist gerade mal fünf Jahre alt. Leticia heißt sie und trägt das weiche Stoffhorn auf einer Glitzerperücke. Zusammen mit einer Handvoll älterer Mädchen übt sie die Brücke.

Die Kinder bereiten sich mit Ballettlehrerin Alena Schneider (29) auf ihren großen Auftritt vor. Am Samstag, 17., und Sonntag, 18. März, führt die Seulberger Ballettschule Alena Schneider im Dolce Theater in Bad Nauheim das Stück „Furore in Phantasia“ auf. Rund 250 Mädchen und zwei Jungen in Alter von drei bis 21 Jahren machen mit.

Waldwichtel und Elfen

Das Stück hat die Ballettlehrerin selbst geschrieben. „Ich denke mir die Stücke immer selbst aus, so sind die Geschichten genau auf die Kinder zugeschnitten“, erklärt sie. Die Handlung: In der Fantasiewelt Phantasia leben gute und böse Fabelwesen und Zaubergestalten.

Mit Hilfe der guten Wesen versucht dort die gute (goldene) Königin (getanzt von der 15 Jahre alten Aline Jeanne Schröder), die schwarze Königin (interpretiert von der 16 Jahre alten Esra Helene Bücker) zu überlisten und das Böse zu vertreiben. Zahlreiche weitere junge Ballerinen treten unter anderem als Elfen, Blumen, Schmetterlinge, Libellen, Irrlichter, Waldwichtel, Zwerge und Zähne auf. Alle zwei Jahre zeigt die Ballettschule eine große Bühnen-Produktion. Dafür wird das ganze Jahr trainiert. Spagat, Radschlagen, die kunstvollen schnellen Drehung namens Fouettés und zahlreiche weitere Ballettfiguren gehören dazu.

Mit dem Kostüme-Nähen beginnen Alena und ihre Mutter Ditta Schneider (63) sechs Monate vor dem Auftritt. „Für einen Tüllrock brauche ich 27 Meter Stoff, für einen Georgette-Rock sind es vier Meter“, sagt Ditta Schneider. Die Stoffballen holt sie aus Wels in Österreich, einem Nachbarort von Seulbergs Partnergemeinde Bad Wimsbach-Neydharting. Den Kontakt dorthin pflegt die Familie schon seit Jahren. Beim Nähen haben auch einige Elevinnen mitgeholfen. „Vor allem Sophie Brecht (20) und Lucera Sobotta (16) waren in den Weihnachtsferien fast täglich hier“, berichtet Alena Schneider stolz.

„Vor den Aufführungen herrscht bei uns Ausnahmezustand“, sagt Alena Schneider. Das Büro steht voller Kleiderständer mit Kostümen. Letzte Anpassungen sind nötig: Träger kürzen zum Beispiel, und Röckchen enger machen. Um die vielen Kleidchen und Tutus nach Bad Nauheim zu transportieren, wird ein 7,5-Tonner Lkw gechartert. Die vollen Kostümständer, die auch ein ordentliches Gewicht haben, werden von einer Baufirma in die Garderoben gehoben.

2012 hat Alena Schneider die Ballettschule von ihrer Mutter übernommen. Ditta Schneider war Betriebsärztin bei Milupa. Aber als immer mehr Abteilungen des Unternehmens Friedrichsdorf verließen, machte die begeisterte Tänzerin eine Zusatzausbildung als Ballettpädagogin. Im Jahr 2000 eröffnete sie die Ballettschule in einem früheren Seulberger Pferdestall. „Die Reithalle wurde zum Ballettsaal. Und wo die Ställe waren, ist heute der Umkleidebereich“, erklärt Alena Schneider. Auch sie ist Ballettpädagogin und zudem Physiotherapeutin. Schon mit fünf Jahren hatte sie angefangen, zum Ballettunterricht zu gehen – ohne dass ihre Mutter das wusste. „Ich bin einfach mit einer Freundin mitgegangen.“ Ob das die kleine Ronja auch eines Tages machen wird? Alena Schneiders Töchterchen ist 15 Monate alt und manchmal dabei, wenn ihre Mama Ballettunterricht gibt. „Dann schaut sie, was die Mädchen machen, und dreht sich manchmal mit.“

Auch mal Schläppchen

Was Physiotherapie mit Ballett zu tun hat? „Beides passt gut zusammen“, erklärt Alena Schneider. „Die dritte Arabeske beispielsweise ist zugleich eine Physiotherapie-Übung gegen Skoliose (Wirbelsäulenverkrümmung): Man hebt ein Bein nach hinten und streckt den gegenüberliegenden Arm nach vorn.“ Auch bei Senk-Spreiz-Plattfuß und bei Hüft-Dysplasie helfe Ballett. Besonders wichtig sei ihr gesundes Baltett, betont sie. Die Kinder dürfen nur altersgerechte Ballettübungen machen, die zudem zu ihren individuellen körperlichen Voraussetzungen passen.

„Spitzentanz ist frühestens mit elf Jahren möglich, aber nur bei begabten Kindern mit entsprechender Muskulatur.“ Sie habe aber auch 16 Jahre alte Mädchen im Unterricht, die nicht in Spitzenschuhen, sondern in Schläppchen tanzen, denn: „Lieber ordentlich mit Schläppchen als schlecht auf Spitze.“

Die Vorstellungen im Dolce Theater in Bad Nauheim beginnen am Samstag, 17. März, um 16.30 Uhr und am Sonntag, 18. März, um elf Uhr. Die Ballettschule ist im Internet zu finden unter: www.schneiderballett.de.

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