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Bundestagswahl: AfD macht Wahlkampf in Oberursel: Frauke Petry rechnet mit 10 Prozent-Ergebnis

Die Wahlkampfveranstaltung der AfD am Samstagabend in der Stadthalle wurde von einer großen Gegendemonstration begleitet.
„Oberursel bleibt bunt“ und „Ich wähle Menschlichkeit“ stand auf den Plakaten, die die Gegendemonstranten vor der Stadthalle hochhielten. Foto: Anne-Rose Dostalek „Oberursel bleibt bunt“ und „Ich wähle Menschlichkeit“ stand auf den Plakaten, die die Gegendemonstranten vor der Stadthalle hochhielten.
Oberursel. 

Dass dann doch so viele gekommen waren, überraschte so manchen Teilnehmer. Eine Stunde bevor die Wahlkampfveranstaltung der AfD mit ihrer Bundesvorsitzenden Frauke Petry beginnen sollte, war der Rathausplatz voller Menschen in bunten Jacken. „Wir wollen deutlich machen, dass Oberursel bunt ist und bunt bleibt“, so Organisatorin Annette Andernacht von der Initiative Opferdenkmal.

Gesäumt von Polizisten, lauschten Männer, Frauen und Kinder den Friedensliedern des Chors „Entrüstet Euch“, klatschten, sangen mit. Hielten Plakate mit Botschaften wie „Kein Mensch ist illegal“ hoch. Auch einige Lokalpolitiker der etablierten Parteien zeigten Gesicht. Auf dem Balkon der Stadthalle tauchten ein Dutzend Männer auf und blickten ausdruckslos in die Menge.

Frauke Petry Bild-Zoom Foto: Anne-Rose Dostalek
Frauke Petry

„Wir sind froh, hier ein Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus zu haben“, sagte Andernacht. Es erinnere nicht nur an die Vergangenheit, sondern sei zugleich Mahnmal gegen die Ausgrenzung von Minderheiten. „Es ist die AfD, die keine Gelegenheit auslässt, für Missstände pauschal Migranten zu Sündenböcken zu machen.“ Auch die jüngste „widerliche Wortwahl“ des AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland, die Integrationsbeauftragte Özugus in Anatolien zu „entsorgen“, sei „keine einmalige Entgleisung, sie ist gezielte Provokation und heizt die Stimmung unter den Rassisten an“.

Während die bunte Menge sodann eine Menschenkette vom Rathausplatz zum Opferdenkmal bildete – genug waren sie eindeutig –, betraten AfD-Direktkandidat Andreas Lichert, die hessische Bundestagskandidatin Mariana Harder-Kühnel und Frauke Petry die Bühne der Stadthalle.

Welche Bedeutung hat für sie Wahlkampf in der Stadt, in dem Gebäude, in dem die AfD im Frühjahr 2013 gegründet wurde? „Es ist schon ein emotionaler Termin“, sagte Petry. Hier habe sich die AfD erstmals groß fühlen dürfen: „Wir dachten, es kommen 300 Besucher, am Schluss waren es 1400.“

Am Samstag waren es in der Stadthalle etwa 450 Menschen, doch sie klatschten umso lauter, wenn das Gesagte gefällig war. Die Deutschen, so Petry, hätten nicht nur die Pflicht, die Nachkommen vor Krieg zu warnen, sondern auch, „sie daran zu erinnern, dass sie Erben eines großartigen Nationalstaates sind“. Lauter Applaus. Die hessische Spitzenkandidatin Harder-Kühnel freute sich schon, drittstärkste Kraft im Bundestag zu werden. Dann werde die AfD „Dinge verändern“ – Applaus. Lichert rechnete in schwindelerregenden Zahlen vor, wie viel Geld die Bundesregierung ausgebe; wie eine AfD regieren wolle, ohne Kosten zu generieren, sagte er nicht. Nach den ersten Sätzen verließen drei Frauen den Saal. „Das kann ich mir nicht länger anhören“, zischte eine.

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Kommentar

Die AfD, die sich im künftigen Bundestag als drittstärkste Kraft sieht, will das Asylrecht abschaffen. Nach den markigen Worten bleibt das Nichtverstehen, wie Menschen, die in Sicherheit leben,

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Harder-Kühnel ging aufs Migranten-Thema ein. „Gehen Sie mal nach Frankfurt, da sehen Sie kein deutsches Gesicht mehr“, sagte sie mit zusammengekniffenen Augen ins Mikro. „Wie wird unser christliches Abendland in 50 Jahren aussehen?“ Und draußen wüte der „hasserfüllte Mob gegen uns“ – damit meinte sie die friedlich singenden Gegendemonstranten.

Die hatte Petry gar nicht mitbekommen. „Ich musste mich um meinen Sohn kümmern“, sagte sie im Pressegespräch. Doch „demokratischer Protest ist in Ordnung“. Die AfD habe auch schon unter „akustischem Terror“ leiden müssen. Erwarte sie im Vordertaunus eine große Wählerschaft? Darum gehe es bei ihrem Auftritt in Oberursel nicht; er sei eine Ermutigung für jene AfDler, die hier „Gesicht zeigen“. Bei der Wahl rechnet sie mit einem Ergebnis von zehn Prozent. Vorm Publikum der Stadthalle erinnerte sie an die große Kultur, um die die Deutschen in aller Welt beneidet würden. „Das Größte ist die Musik“, so Petry, allen voran Beethovens Symphonien. Genau aus diesen, aus der Neunten, hatten die Demonstranten zuvor gesungen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, 200 Menschen hatten die Veranstaltung besucht. Das war falsch. Es waren etwa 450 Besucher.

(ahi)
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