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Alle Klänge der Welt in einem Instrument, das aussieht wie ein Schloss

Von Man nehme eine Orgel, ein paar Kochtöpfe, Federballschläger und die Stimme der Erzählerin Gudrun Rathke – und fertig ist ein traumhaftes Orgelmärchen.
Bernhardt Brand-Hofmeister und Gudrun Rathke	Foto: ksp Bernhardt Brand-Hofmeister und Gudrun Rathke Foto: ksp
Friedrichsdorf. 

Heimlich hatten die Assistentinnen von Gudrun Rathke, zwei Mädchen aus dem Publikum, kleine Papiertüten unter die Bankkissen gelegt. Diese kamen beim furiosen Finale einer wunderbaren Märchenstunde zum Einsatz: Die aufgepusteten Tüten durften mit den Händen zum Zerplatzen gebracht werden. Denn auch auf die „Tütenmusik“ wollte die eigenwillige Prinzessin aus dem Orgel-Märchen nicht verzichten.

„Ein Königsschloss für die Musik“ lautete das Motto des ganz besonderen Hörgenusses, den die Musisch-bildnerische Werkstatt möglich gemacht hatte: Die Frankfurter Geschichtenerzählerin Gudrun Rathke gastierte in der evangelischen Kirche. Der Zauber ihrer Art des Erzählens entsteht durch die Intensität und die einfühlsame Art, mit der sie der Geschichte von der Prinzessin, die nicht weiß, was sie will, und damit einen ganzen Hofstaat zum Verzweifeln bringt, vorträgt. So wähnen sich ihre Zuhörer nicht in einer Kirche, sondern in einem Schloss.

 

Besondere Klangbilder

 

An der Orgel sorgte Bernhardt Brand-Hofmeister für das Entstehen ganz besonderer Klangbilder, die die Kirchenorgel in ein ganz neues Licht rückten. In der Geschichte kann nichts die Prinzessin zufriedenstellen: Kein „knuspriges Kalbskotelette mit karamellisierten Kroketten an Kraut“ und auch kein „herrlicher Hirschbraten mit Herrenpilzen“ aus der Schlossküche. Auch „Versteckspielen im Thronsaal oder Zofen-Fangen in den zugigen Fluren“ waren nicht der Schlüssel zum Glück. Erst der Hofnarr, der engagiert wird, bringt sie mit seinem Flötenspiel auf die Idee, was ihr Herzenswunsch ist: „Ich will Musik.“ Um die Geräuschkulisse für das Märchen perfekt zu machen, spannte Rathke auch das Publikum ein, verteilte Trompete und Triangel, aber auch Kochtöpfe und Pfeffermühlen, Kochlöffel und Federballschläger, die an den passenden Stellen gespielt wurden. Doch das Flötenspiel und auch das Triangel-Spiel der Königin und das Trompeten-Solo des Königs sind dem Trotzkopf nicht genug: „Ich will richtige Musik“, verlangt die Prinzessin. Jetzt hatte die Stunde des Organisten geschlagen: Virtuos setzte er bei der „Entdeckungsreise durch die Welt“ die passenden Akzente: Bald hörte das Publikum da das Rauschen eines Baches, dann das Tosen eines Wasserfalls sowie Blitz und Donner, mal das Gezwitscher eines Zaunkönigs und den traurigen Gesang einer Nachtigall. Selbst im Dorf fangen die Prinzessin und der Hofnarr Musik ein: Besagte „Tütenmusik“ in der Bäckerei und, dank der Ladenglocke, auch „Türmusik“. Selbst den Klang einer Blaskapelle entlockte Brand-Hofmeister der Kirchenorgel. Am Ende hatte der Hofnarr die schwierigste Herausforderung zu meistern: Alle Klänge der Welt für die Prinzessin in ein Instrument einzufangen. Und so kam die Orgel in die Welt: Der Hofnarr baute aus langen und kurzen, dicken und dünnen Röhren, „die Schlitze wie eine Flöte haben“, ein Instrument, das aussieht wie „ein Königsschloss für die Musik der Welt“.

Seit zehn Jahren ist Rathke Erzählerin von Beruf. Sie arbeitet in Museen und Bibliotheken, auf Märkten und Erzählfestivals, in Schulen, Kindertagesstätten und Seniorenheimen. Brand-Hofmeister spielt seit seinem 13. Lebensjahr Orgel, zuvor hat er Klavier gespielt. Sein Schwerpunkt ist die Improvisation: „Sie ist für mich die schönste Art von Musik, da die Werke aus einem Moment heraus entstehen“, sagte er.

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