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Erster Weltkrieg in Hessen: Arzneimittel und Liebesgaben für Soldaten

Im zweiten Teil unseres Berichts über das Wirken von Jean Emil Leonhardt und Friedrich Kleemann während des Ersten Weltkriegs lesen Sie heute über die zweite Fahrt der Homburger ins Kriegsgebiet an der Westfront. Eine Fahrt mit Hindernissen . . .
Friedrich 

Kleemann. Friedrich Kleemann.
Bad Homburg. 

Am 10. Oktober 1914 konnte man im „Taunusboten“ lesen, dass der Vaterländische Frauenverein dem Aufruf an Frauen und Mädchen, weiterhin Liebesgaben für Soldaten zu stricken oder zu sammeln, auch Angaben über bereits vorliegende Gegenstände machte. Jean Emil Leonhardt und Friedrich Kleemann ließen einen Großteil dieser Gaben in Säcke packen, um sie in einer zweiten Fahrt an die Front zu bringen. Auch diesmal waren Angehörige des Füsilier-Regiments und der Reserve-Einheit aus der Homburger Kaserne das Ziel. Die in vier Automobilen verstauten Säcke enthielten Hemden, Unterjacken, Unterhosen, Leibbinden, Ohrenschützer, Kniewärmer, Fußlappen, Briefpapier, Tabak, Kerzen, Seife, Tee und Schokolade.

Am 10. Oktober, einem Samstag, verließen die vier schwer beladenen Fahrzeuge die Stadt, fuhren über Luxemburg, die hart umkämpfte Festung Longwy und das zerstörte Longuyon nach Montmédy. Leonhardt und Kleemann kannten diesen Ort von ihrer ersten Fahrt, fanden aber jetzt eine Veränderung vor: Viele andere Autos mit Liebesgaben warteten hier, um ausgeladen zu werden. Das Kommando des 18. Armeekorps hatte sich über uferlosen Autoverkehr mit Liebesgaben beklagt und ein Weiterfahren in Richtung Frontlinie strikt untersagt. Konnten sich Begleiter solcher Transporte nicht als Delegierte der freiwilligen Krankenpflege ausweisen, so wurden die Wagen an eine zentrale Stelle geleitet, wo die Gaben ausgeladen und verteilt wurden.

Dies betraf Leonhardt und Kleemann nicht; ihre Aktivitäten waren mit dem Roten Kreuz abgestimmt, wie man auf Fotos an der am linken Arm getragenen Armbinde ersehen kann. Die beiden erreichten nach vielem Bitten, dass sie ihre Arzneimittel und andere Gaben in das 15 Kilometer entfernte Seuchenlazarett Inor bringen durften, wie sie es bei ihrer Fahrt eine Woche zuvor versprochen hatten. Die Liebesgaben aus den vier Autos mussten aber in Montmédy bleiben, wo der Vertreter des Roten Kreuzes die Weitergabe an die Homburger Soldaten versprach. Enttäuscht traten die Bad Homburger die Heimfahrt an. Weitere Fahrten an die Front gab es nicht.

Jean Emil Leonhardt erlebte das Kriegsende nicht mehr, da er nach langer Krankheit am 24. August 1918 starb. Er hatte bis zuletzt an die Kriegsopfer gedacht und sein Haus, die „Villa Else“ am Ferdinandsplatz 20, der Stadt Bad Homburg zur Unterbringung einer Krippe für Kriegswaisen gestiftet. Zu einem nicht bekannten Zeitpunkt verkaufte die Stadt dieses Haus.

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