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Tierischer Taunus: Auch Hunde haben „Rücken“

Von Röchelnde Ratten, kränkelnde Katzen, hustende Hunde. Gabi Nass hat schon viele Patienten in ihrer Tierheilpraxis willkommen geheißen. Bei ihr werden die knuffigen Kompagnons der Menschen nicht einfach mit Medikamenten abgespeist. Nein, sie erhalten eine wohltuende, individuelle Behandlung.
Schicksalsergeben lässt sich dieser vierbeinige Patient von Gabi Nass behandeln. Foto: Jochen Reichwein Schicksalsergeben lässt sich dieser vierbeinige Patient von Gabi Nass behandeln.
Bad Homburg. 

Bei Gabi Nass standen schon viele Patienten auf der Matte. Von Maus bis Pferd hat sie bereits alles behandelt. „Vor ein paar Jahren habe ich Chinchillas untersucht“, erzählt sie. „Dabei wäre ich vor Schreck fast gestorben, als die kleinen Nager urplötzlich ihr komplettes, dichtes Fell abwarfen.“ Später habe Nass erfahren, dass die sensiblen Wesen das bei Stress schon mal tun.

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„So muss man sich eben auf jeden Patienten individuell einstellen,“ erklärt sie. Nass ist keine gewöhnliche Ärztin, sie ist Tierheilpraktikerin, behandelt ihre Klienten nach den Maßstäben der Naturheilkunde. Und ihre Therapieansätze sind vielseitig. „Außer mit Homöopathie arbeite ich mit Pilzen und Heilpflanzen sowie anhand von Massagen und durch Laserstrahlen“, führt sie aus. Auch Akupunktur-Nadeln setze sie, was in Anbetracht der anatomischen Unterschiede bei Tieren nicht leicht sein dürfte.

Und dann wäre da noch eine siebte Variante . . . In einer mit Wasser gefüllten Vase tummeln sich an die 15 schwarze Würmer – Blutegel. Einige bewegen sich durch schlängelnde Schwimmbewegungen, andere kriechen die Glaswand hoch. „Das sind großartige Tiere“, sagt Nass begeistert und sieht die glitschigen Blutsauger beinahe liebevoll an. Während Egel bei vielen nur Ekel erregen, schätzt sie die kleinen Heiler sehr.

„Sie können Gefäßerkrankungen und Gelenkbeschwerden kurieren“, sagt Nass. Bis zu zehn Milliliter Blut sauge ein Blutegel. Dabei komme jeder Wurm nur einmal zum Einsatz, nimmt über den Wirt also eine Art Henkersmahlzeit ein. „Würde ich die Egel mehrfach verwenden, könnten sie womöglich Infektionen übertragen“, erklärt Nass.

Ein sanfter Tod

Es tue ihr leid für die „Egelchen“, aber sie wähle die sanfteste Art der Vernichtung – den Kältetod. Plump gesagt: „Ich stecke die Ringelwürmer in die Tiefkühltruhe,“ erklärt Nass. Durch die Kälte schalteten sie ihre Körperfunktionen ab und schliefen sanft ein. „Es gibt auch sogenannte Rentnerteiche für Egel“, fährt die Heilpraktikerin fort. Dort könnten die Blutsauger, die bis zu 30 Jahre alt werden können, ein friedliches Dasein fristen. „Doch die Option, meine gebrauchten Egel dort hinzuschicken, habe ich bisher noch nicht in Anspruch genommen“, so Nass.

Bestellen könne sie die schwarzen Sauger im Internet. „Sie kommen dann per Post völlig ausgehungert in meiner Praxis an“, erklärt sie. Hätte einer der Würmer auch nur wenige Tropfen Blut im Körper, würde er von seinen Beckenkameraden umgehend attackiert und aufgefressen.

Zurück zu der Heilmedizin im Allgemeinen. Oft bezweifeln Menschen die Wirksamkeit der Alternativmedizin. Weitläufig spricht man von einem Placebo-Effekt – davon, dass nicht die Behandlung, sondern ausschließlich der Glaube Heilung herbeiführe. Doch bei Hunden dürfte es dann mangels Phantasie und Vorstellungsvermögen eigentlich keinen Placebo-Effekt geben. Trotzdem konnte Nass bereits vielen Tieren helfen.

Zu ihren größten Erfolgen zählt sie die Behandlung eines Faltenhundes. „Der Shar-Pei hatte einen fürchterlichen Juckreiz“, erklärt Nass. „An vielen Stellen hatte er sich komplett kahl gekratzt, die eitrigen Wunden rochen bestialisch.“ Und weil kein Arzt dem armen Hund habe helfen können, hätten die verzweifelten Besitzer eine alternative Behandlungsmethode gesucht.

„So kamen sie zu mir. Und mit einer Tinktur konnte ich dem Vierbeiner helfen“, erklärt Nass stolz. „Das war schon ein schönes Gefühl.“ Tatsächlich kämen überwiegend Hunde in ihre Praxis. Zwar habe sich deren durchschnittliche Lebenserwartung dank Impfschutz und besserer tierärztlicher Versorgung in den letzten Jahrzehnten stark erhöht. Dafür aber würden sie von Zivilisationsleiden geplagt.

Diabetes durch Pralinen

„Viele leiden unter Nierenschäden, Stoffwechselstörungen oder Bandscheibenschäden“, erklärt Nass. Noch häufiger wären sie übergewichtig und zuckerkrank. „Regelmäßig kommt mich eine ältere Dame mit ihrem Dackel besuchen“, so die Heilerin. „Die kann es einfach nicht lassen, ihren Hund mit Pralinen zu füttern.“ Da helfe kein Appellieren, die Frau komme nicht zur Einsicht, würde ihren Liebling immer und immer wieder mit Schokolade abfüllen.

„Das sind die lästigen, traurigen Seiten meines Berufs“, erklärt Nass. „Aber warum sollte ich mich mit der Dame anlegen. Am Ende verärgere ich sie noch, und dann kommt sie nicht mehr. Damit wäre dem Hund doch auch nicht geholfen“, stellt sie fest. Auch wenn mehr Bewegung und eine bessere Ernährung das Wohlbefinden langfristig gewiss am besten beeinflussten, so könne sie den Hund wenigstens kurzfristig durch Therapien entlasten.

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