Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 20°C

Auf Balance kommt es an

Der Liberalismus hat derzeit ein Imageproblem. Schnell wird er mit dem als unsozial charakterisierten „Neoliberalismus“ gleichgesetzt. Doch der Liberalismus ist mehr.
Bad Homburg. 

Politische Ideen werden immer auch in Zusammenhang mit politischen Parteien gebracht. Dabei sind sie oft viel umfassender und differenzierter, als sich das aus den Programmen, zumal aus Wahlprogrammen, der Parteien herauslesen lässt. Beispiel: der Liberalismus.

Einen Überblick über Geschichte und Strömungen des Liberalismus gab Dr. Jens Hacke, Politikwissenschaftler am Hamburger Institut für Sozialforschung und Lehrbeauftragter am Institut für Politische Wissenschaft der Uni Hamburg, in der Reihe „Noch eine Chance für den Liberalismus“, veranstaltet von der Karl-Hermann-Flach-Stiftung und dem Forschungskolleg Humanwissenschaften.

Zum Auftakt führte der Referent eine historische „Mängelliste des deutschen Liberalismus“ an, bedingt dadurch, dass im 19. Jahrhundert die nationale Einheit nicht als Ergebnis einer bürgerlichen Revolution erreicht, sondern durch Bismarcks Reichsgründung 1871 gewissermaßen „von oben“ verordnet wurde. So opferte der Liberalismus „die politische Freiheit für die nationale Einheit, begnügte sich mit ökonomischer Modernisierung und ging ein Bündnis mit den alten Eliten ein, um die Demokratisierungsforderungen der Arbeiterbewegung in Schach zu halten“.

Als „wichtigen Denker für die Ideengeschichte des deutschen Liberalismus“ stellte er den Soziologen Max Weber (1864–1920) vor, der die „Unfähigkeit der ,bürgerlichen Klassen‘ zur Politik“ beklagte. Nach dem Ersten Weltkrieg waren es auch liberale Denker und Politiker, die mit den Grundstein der Demokratie in Deutschland legten. So wurde der Staatsrechtler Hugo Preuß (1860–1925) zum „eigentlichen Verfassungsvater der Weimarer Republik“, erläuterte der Referent.

Intellektuelle Erneuerung

Zwar verlor der Liberalismus in der Weimarer Republik zunehmend an Einfluss, das Bemühen um eine intellektuelle Erneuerung ließ aber nicht nach. Dabei ging es um die Frage: „Wie ließ sich die Dynamik der Industriemoderne zum Wohl breiter Bevölkerungsschichten nutzen?“ Ende der zwanziger Jahre formierte sich die Gruppe der „Ordoliberalen“ wie Walter Eucken. Sie gaben Impulse für eine „Ordnungsökonomik, die die Rolle des Staats völlig neu konzipierte, nämlich unter der Prämisse, dass ideale Marktbedingungen erst unter staatlicher Aufsicht herzustellen seien“, so der Referent. Diese Grundgedanken beeinflussten später auch Ludwig Erhardt (1897–1977), der nach dem Zweiten Weltkrieg den „Mythos der Sozialen Marktwirtschaft“ mitbegründete.

Heute sieht er den Liberalismus „in einem eigenartigen Spannungsfeld: Einerseits möchten wir lebensweltlich alle irgendwie liberal sein, andererseits dient der Liberalismus weiterhin als wirkungsvolles Feindbild.“ Das blieb nicht ohne Auswirkungen auf die Partei, die für den politischen Liberalismus steht: Sie verdankte „ihren Absturz der Tatsache, dass sie mit jenem Neoliberalismus und seiner sozialen Kälte identifiziert wurde“. Den liberalen Politikern empfiehlt Dr. Jens Hacke: „Gegen eine solche Vereinseitigung anzugehen, sollte im Interesse all derjenigen liegen, die sich politisch in liberaler Tradition verorten.“

Zur Startseite Mehr aus Vordertaunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse